Noch immer sucht die Kunsteisbahn VS GmbH (KEB) händeringend nach neuen Eismeistern. Die Folge: Bis mindestens Ende der Pfingstferien kann den Amateurmannschaften kein Trainingseis angeboten werden. Ist damit auch das Sommereis in Gefahr?
VS-Schwenningen - Seit Ende Februar herrscht bei der KEB Ausnahmezustand: Wie unsere Redaktion mehrfach berichtet hatte, fehlen dem Kunsteisbahn-Team mehrere Eismeister – aus Krankheitsgründen, und auch, weil ein Teil gekündigt hatte. Die Stellen sind unter anderem auf der Homepage der KEB ausgeschrieben und werden von vielen VS-Bürgern beziehungsweise Eishockey-Fans in den sozialen Medien fleißig verbreitet. Es scheint im Interesse aller, diese so schnell wie möglich wieder zu besetzen, sehen doch viele die Helios-Arena als ein Aushängeschild der Doppelstadt.
Not-Team zusammengestellt
Denn soviel ist derzeit klar: Gibt es keine Eismeister, kann auch keine Eisfläche gerichtet werden, kann auch nicht trainiert und gespielt werden. Bis Saisonende der Wild Wings sowie unter anderem für den Auftritt des Comedian Bülent Ceylan, für den die Halle umfunktioniert und die Eisfläche abgedeckt wurde, konnte Hallenmanager Klaus Hässler ein Not-Team aus externen sowie ehemaligen Mitarbeitern engagieren, der allgemeine Eislauf war zwischenzeitlich gar nicht möglich.
E-Mail an Amateurmannschaften
Wie aus einer Mitteilung an alle betroffenen Amateurmannschaften hervorgeht, ist die Trainingssaison zumindest für diese nun erst einmal vorzeitig beendet: Von Ostern bis zum 19. Juni, also bis zum Ende der Pfingstferien, könne "aufgrund der immer noch sehr angespannten Personalsituation bei der Kunsteisbahn" kein Trainingseis angeboten werden. Anfang Juni werde man sehen, wie man danach verfahren kann. "Wir sind im permanenten Austausch und führen verschiedene Einstellungsgespräche", sagt KEB-Geschäftsführer Hässler auf Anfrage unserer Redaktion.
Deutsche Eishockey-Nationalmannschaft kommt trotzdem
Für das anstehende Trainingslager der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft sowie das Testspiel gegen Österreich gebe es hingegen keine Einschränkungen. "Das kriegen wir mit den verbliebenen Eismeistern hin", so der Hallenchef. Trainieren wird die Nationalmannschaft in der Helios-Arena vom 5. bis 7. Mai, die Partie gegen Österreich steigt am 8. Mai – und ist im Übrigen so gut wie ausverkauft. Und auch eine internationale Eismeister-Schulung mit Theorie- und Praxisteil soll wie geplant Mitte Mai vor Ort stattfinden.
"Verschiedene Lösungsversuche" für das Sommereis
Und wie soll es nach Pfingsten weitergehen? "Wir sind an verschiedenen Lösungsversuchen dran", sagt Klaus Hässler vor allem im Hinblick auf das Sommereis, das für Amateur- und Profimannschaften sowohl aus der Region als auch von weiter her gedacht ist. Denn auch er weiß, dass der Druck besonders aus der Kommunalpolitik steigen wird: Gegenwind hatte es nämlich schon in der Vergangenheit immer wieder bei der Diskussion um das "ewige Eis" und seine Rentabilität gegeben. Coronabedingt habe das geplante Testjahr 2020 gar nicht und 2021 nur ansatzweise stattfinden können, ob es 2022 dem Personalmangel zum Opfer fallen muss, sei derzeit also noch unklar, so Hässler. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand, der Ende Mai sein wird, hat er also noch einiges in die Wege zu leiten, eher Interimsgeschäftsführer Gregor Gülpen, Chef der Stadtwerke VS, die Geschicke am Bauchenberg erst einmal in der Hand hat.
(Noch) Kein Problem für die Wild Wings
Für die Schwenninger Wild Wings ist die derzeitige Eis-Notlage in der Helios-Arena (noch) kein Problem: Die Saison ist vorbei und die Importspieler sind sowie in der Heimat, wie Teammanager Hendrik Kolbert berichtet. Ab Mitte Mai werde dann mit dem Sommertraining angefangen – allerdings erst einmal "im Trockenen" und nicht auf dem Eis. Kolbert geht aber davon aus, dass nach Pfingsten dann das Eis auch wieder zur Verfügung stehen wird. Die Wild Wings Future würden derzeit noch auf Bahn zwei trainieren, die durchgängig zur Verfügung stehe.
Schon immer zu wenig Eismeister?
Und wie sehen die Amateurmannschaften die unsicheren Zukunftsprognosen für ein Sommertraining in der Helios-Arena? Man müsse es auf sich zukommen lassen, war auf Nachfrage zu hören. Fakt sei aber, dass bereits bei der Entscheidung um das Sommereis vor einigen Jahren daraufhingewiesen worden ist, dass die KEB auch ohne die Sommersaison zu wenig Eismeister habe.
Kommentar: Im Kreuzfeuer
von Mareike Kratt
Es ist keine einfache Situation für Klaus Hässler in seinen letzten Wochen: Der KEB-Geschäftsführer sucht händeringend nach neuem Personal. Denn ohne Eismeister läuft am Bauchenberg gar nichts: Es kann kein Eis aufbereitet werden, es kann nicht trainiert oder gespielt werden. Und somit wird auch das viel diskutierte Thema rund ums Sommereis wohl wieder aufgekocht, für das sich Hässler in der Vergangenheit stark gemacht hatte und Kritik einstecken musste. Auch hier ist die Rechnung einfach: Gibt es kein Sommereis, können Vereine aus Nah und Fern kein Geld in die klamme Kasse der KEB spülen. Ob es bald eine Lösung für den Sommer gibt, ist fraglich. Und so wird der neue Interimsgeschäftsführer Gregor Gülpen wohl kein leichtes Erbe seines Vorgängers übernehmen, um aus dem Kreuzfeuer der Kritik von Gemeinderat & Co zu entkommen.