Nico Holzmüller (von links),Thomas Allmendinger, Claudia Dürr und Norbert Weiser sind etwas wehmütig ob der Schließung des Kreisimpfzentrums. Foto: Rousek

20 Uhr. Das letzte Mal schließt sich die Schiebetür am ehemaligen Dekra-Hotel in Wart. Das Kreisimpfzentrum (KIZ) ist damit Geschichte. Für die Ärzte und Helfer vor Ort geht eine intensive, aber schöne Zeit zu Ende, wie sie erzählen. Eine Zeit, in der sie wie eine Familie zusammengewachsen sind.

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Altensteig-Wart - Am 22. Januar, also vor rund acht Monaten, hat das KIZ in Wart eröffnet. Eigentlich hatte sich die Spitze des Landratsamtes dafür eingesetzt, dass der Landkreis aufgrund seiner Größe zwei Impfzentren bekommt, sagt Sozialdezernent Norbert Weiser im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch das war vom Land nicht vorgesehen.

Waren zuvor unter anderem die Gemeindehalle in Stammheim oder Lokalitäten in Nagold und Schömberg in Betracht gezogen worden, galt es nun, geeignete Räumlichkeiten in der Mitte des Landkreises zu finden – da bot sich das stillgelegte Dekra-Congresshotel in Wart an. Insbesondere, weil es dort ausreichend Parkmöglichkeiten gibt, fügt Weiser an. "Das war eine rundum gute Entscheidung", bekräftigt er. Schon damals bei der Eröffnung hatte der Sozialdezernent selbstbewusst vom "Sahnehäubchen der Impfzentren" gesprochen – das sieht er auch heute noch so. Von rund 150 Nachrichten, die ihn bezüglich des KIZ persönlich erreicht hätten, seien nicht einmal zwei Hände voll negativer Art dabeigewesen, sagt er stolz.

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Vielfach gelobt: die Freundlichkeit der Helfer vor Ort. 20 bis 25 am Tag, rund 120 zu Spitzenzeiten insgesamt. Das Landratsamt setzte dabei unter anderem auf die Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Calw des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) – das Personal in Gastronomie und Hotellerie war zum damaligen Zeitpunkt quasi ohne Arbeit und im KIZ brauchte es dringend Helfer. Eine von ihnen ist Claudia Dürr vom Hotel Rössle in Berneck. Sie war im KIZ für die Personaleinteilung, das Controlling und die Impfstoffbeschaffung zuständig – auch jetzt noch, als ihr Hotel längst wieder öffnen durfte.

Frust zum Teil an Helfern ausgelassen

Dürr ist anzumerken, wie schwer ihr der nahende Abschied vom KIZ fällt. "Es war eine wahnsinnig intensive Zeit", sagt sie. In dieser seien Freundschaften fürs Leben entstanden. Dem kann Thomas Allmendinger, der ärztliche Leiter des KIZ, nur zustimmen. Das Team sei einfach klasse gewesen. "Wir haben es wahnsinnig gern gemacht", fügt er an. Und vor allem: das erste Mal. Weiser habe dies immer wieder betont, falls etwas mal nicht geklappt hat, sagt er. Seien es Themen wie die wechselnden Priorisierung der Impfberechtigten oder der anfängliche Impfstoffmangel – wobei all dies nicht in der Verantwortung des Kreises lag.

Und doch bekamen die Helfer vor Ort oftmals den Frust der Bürger ab. Wenn ältere Menschen verzweifelt vor dem KIZ standen, um einen Termin zu bekommen, weil sie über die Plattformen des Landes keinen bekommen haben. Oder weil mitten am Tag ein Impfstoff plötzlich nicht mehr für eine bestimmte Altersgruppe empfohlen war. "Das hat es schwierig gemacht", räumt Allmendinger ein.

Seit Mitte Juli konnte von Impfstoffmangel keine Rede mehr sein. "Massenhaft" habe es die Vakzine gegeben, erinnern sich die Verantwortlichen. Und dann kamen plötzlich kaum mehr Leute. Das KIZ verkürzte in der Konsequenz die Öffnungszeiten und bestellte weniger Mitarbeiter ein, "entließ" die Bundeswehr-Soldaten, die zu Anfang geholfen hatten.

Dafür war das Impfmobil vermehrt unterwegs. In den acht Wochen, seit der umgebaute Rettungswagen durch den Kreis tourt, seien 5000 Impfungen dort über de Bühne gegangen. Wie sich jüngst herausgestellt hat, wird das Land die Kosten für die Impfmobile noch bis zum Jahresende tragen, verkündet Weiser. So könne man damit weitermachen – unter Umständen sogar in den Nachbarkreisen, die kein eigenes Impfmobil haben.

Helfer ziehen Bilanz: 90 000 Dosen gespritzt

Insgesamt hat der Kreis im Impfmobil und vor allen Dingen im KIZ Wart knapp 90 000 Impfungen vorgenommen. Damit liegt Calw auf Platz 30 von 45 Impfzentren in Baden-Württemberg. Mit Abstand am häufigsten landete das Vakzin von Biontech/Pfizer in den Oberarmen der Impflinge, gefolgt von dem Impfstoff von Astrazeneca.

Am letzten Tag des KIZ Wart lassen sich 194 Menschen impfen – eine gute Zahl, sagt Weiser. Dennoch machen er und sein Team sich wenig Hoffnung, dass die 80-Prozent-Marke an Geimpften zeitnah geknackt wird. "Wir müssen die Impflücken schließen", appelliert Allmendinger trotzdem noch einmal. Sonst könnte es im Winter richtig brenzlig werden. "Es geht nur gemeinsam", so Weiser.

Als der vorletzte Impfling – die letzte Spritze bekommt Weiser als Booster-Impfung – das KIZ verlässt, scheint es das Team vor Ort kaum fassen zu können. Es gibt noch einen kleinen Umtrunk, dann geht es nach Hause. "Da fällt man schon in ein Loch", meint Allmendiger und schmunzelt: "Man weiß gar nicht mehr, von was man nachts träumen soll."

Am Wochenende kommen alle Helfer ein letztes Mal zusammen, um gemeinsam zu feiern. "Das wird heftig emotional", befürchtet Dürr. Für sie und das restliche Team war das Kreisimpfzentrum in Wart mehr als nur ein Ort, an dem Menschen geimpft werden. Nico Holzmüller, der unter anderem die Termine des Impfmobils koordiniert, bringt es auf den Punkt: "Wir haben dafür gelebt."