Glitzer-Outfit, Cowboy-Stiefel, zarte Stimme. Helene Bockhorst ist unverwechselbar. Die Comedienne kommt nach Lörrach. Und verrät, was eine „Lebefrau“ ausmacht.
Eine Ode an das Leben will Helene Bockhorst bieten – trotz Depression. Mit ihrem neuen Programm „Lebefrau“ gastiert sie am 22. Januar im Burghof. Und stellt unter anderem die Frage: „Was kann man für eine bessere Welt tun, ohne großen Aufwand?“
Ihre Outfits stechen ins Auge. Ist das reine Arbeitskleidung, oder einfach Ihr Geschmack?
Beides - auf der Bühne trage ich Sachen, die mir persönlich gefallen. Aber natürlich gehe ich damit nicht zum Sport oder in den Pferdestall; da bevorzuge ich praktischere Kleidungsstücke.
Sie kommen aus Hamburg, sind inzwischen aufs Land in die Pfalz gezogen. Warum? War das kein Kulturschock?
Ich bin meinem Pferd zuliebe umgezogen. Auf dem Land gibt es schönere Ställe mit mehr Auslauf als in der Stadt, und für mich bedeutet es Lebensqualität, wenn ich in ein paar Minuten mit dem Fahrrad zum Stall fahren kann, anstatt auf der Autobahn im Stau zu stehen. Kulturschock hatte ich keinen, weil die Menschen hier in der Gegend sehr herzlich und liebenswert sind - nur der pfälzische Dialekt war für mich am Anfang völlig unverständlich, aber nach ein paar Monaten Lächeln und Nicken” hatte ich mich daran gewöhnt.
Nach dem Journalistik-Studium vom sicheren Bürojob auf die Bühne: Was war der Auslöser für diesen mutigen Schritt?
Meinen ersten Auftritt habe ich einfach aus Neugier gemacht. Ich habe einen Poetry-Slam besucht und dachte mir: „Das kann ich doch auch.“
Dann wurden die Anfragen immer mehr, ich bin in einem Jahr 150 Mal aufgetreten und habe parallel noch 40 Stunden die Woche im Büro gearbeitet, bis es mir zu viel wurde, und ich erkannt habe, dass ich mich für eines von beiden entscheiden musste. Ich habe schließlich meinen Redakteursjob gekündigt, weil ich wusste, dass ich es mir immer vorwerfen würde, wenn ich nicht wenigstens versucht hätte, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen.
Bei Ihrer unschuldigen Stimme erwarten viele nicht, was Sie raushauen. Bewusstes Stilmittel?
Wenn ich in der Lage wäre, meine Stimme dauerhaft zu verstellen, hätte ich mir eine etwas coolere Stimme ausgedacht. Tief und rauchig würde mir gefallen. Aber ich muss mit dem arbeiten, was mir die Natur gegeben hat…
Sie thematisieren offen in Talk-Shows, aber auch in Ihren Programmen, dass Sie phasenweise unter Depressionen leiden. Ist so ein Beruf im Rampenlicht nicht extrem fordernd, wenn man diese Krankheit hat?
In einer depressiven Phase ist eigentlich alles fordernd – selbst duschen gehen kann zur Herausforderung werden. In jedem Beruf gibt es unzählige Menschen, die sich Tag für Tag überwinden und trotzdem zur Arbeit gehen. Ich habe in meinem Job noch den Vorteil, dass ich relativ selbstbestimmt arbeiten und mir meine Zeit größtenteils frei einteilen kann. Und dadurch, dass ich schon seit vielen Jahren mit Depressionen zu tun habe, bin ich inzwischen recht versöhnt mit dieser Seite von mir. Ich kann meine Depression nicht vertreiben, aber ich kann ihr gedanklich einen Party-Hut aufsetzen und sie bitten, mit auf die Bühne zu kommen.
Ihre Zuschauer fahren gefühlsmäßig Achterbahn. Haben Sie auch schon betretene Stille erlebt?
Natürlich, diese Stille ist von mir auch gewollt. Nicht alles im Leben ist zum Lachen, und wenn man das anerkennt und alle Gefühle miteinander teilt, kann wahre Verbundenheit entstehen.
Sie gehen nach der Aufführung aufs Publikum zu. Werden Sie das auch bei Ihrem Auftritt in Lörrach tun? Und was für Gespräche ergeben sich dabei?
Ich stehe nach jedem Auftritt für Autogramme und gemeinsame Fotos bereit. Was für Gespräche sich dabei ergeben, ist unterschiedlich und hängt immer vom Publikum ab; von saublöden Kommentaren bis hin zu wirklich rührenden Begegnungen habe ich schon alles erlebt. Manchmal erzählen mir Menschen ihre persönlichen Geschichten, das ist oft sehr beeindruckend.
Hoffen Sie, mit der Thematisierung von Depression etwas bewirken zu können?
Ich war jahrelang in Therapie, und das hat mir sehr geholfen. Deswegen hoffe ich, dass ich Betroffene ermutigen kann, sich auch therapeutische Hilfe zu holen.
Sie schreiben auch Bücher. Zwischen Schreiben und Live-Auftritt ist ein großer Unterschied. Ist das für Sie ein wichtiger Ausgleich, eine ideale Kombination?
Auf der Bühne erlebe ich maximale Verbundenheit mit den Zuschauern. Das macht sich auch schon beim Schreiben des Programms bemerkbar; bei jedem Satz stelle ich mir die Reaktion des Publikums vor. Im Vergleich dazu bin ich beim Schreiben eines Romans völlig entkoppelt von der Außenwelt und tauche in meine Fantasiegeschichte ein. Ich höre dann nur noch meinen Romanfiguren zu und versuche, herauszufinden, was sie mir sagen wollen. Von äußeren Bewertungen bin ich in dem Moment völlig unabhängig, das ist ein wichtiger Ausgleich zur Bühne.
Ihr neues Programm heißt „Lebefrau“, ein Wort, das man vielschichtig lesen kann. Was verstehen Sie darunter?
Für mich ist eine Lebefrau eine Frau, die weiß, wie man lebt. Die genießen kann, aber auch weiß, dass Feste feiern nicht alles ist.
Was erwartet die Zuschauer in Lörrach bei Ihrem Auftritt? Was sind Ihre Themen?
Es wird ein Abend mit vielen Gags und Geschichten – auch zu schwierigen Themen wie Trauma und Depression – mit musikalischen Einlagen und spontanen Publikumsinteraktionen. Ein Abend, der berührt und die Zuschauer im Idealfall beschwingt und mit einem Gefühl von Verbundenheit zurücklässt.
Helene Bockhorst tritt am Donnerstag, 22. Januar, 20 Uhr, im Burghof Lörrach auf im Rahmen des Festivals WortHasenOhrArt von Burghof und Nellie Nashorn.
Auf einen Blick
Helene Bockhorst
tritt am Donnerstag, 22. Januar, 20 Uhr im Burghof Lörrach auf im Rahmen des Festivals WortHasenOhrArt von Burghof und Nellie Nashorn.