Helen Langehanenberg auf ihrem Pferd Damon Hill beim CHIO in Aachen Foto: Pressefoto Baumann

Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es im Dressurviereck nicht, sagt die derzeit erfolgreichste deutsche Dressurreiterin vor ihrem Start beim German Masters. Einen Mann lässt sie trotzdem nicht auf ihr Pferd.

Stuttgart - Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es im Dressurviereck nicht, sagt Helen Langehanenberg, die derzeit erfolgreichste deutsche Dressurreiterin, vor ihrem Start beim German Masters. Einen Mann lässt sie trotzdem nicht auf ihr Pferd.

Frau Langehanenberg, sind Frauen eigentlich die besseren Dressurreiter?
(Lacht) Besser würde ich jetzt nicht sagen, aber wir sind definitiv in der Überzahl . . .
. . . und die Frauen gewinnen alle Titel. Bei der EM holten Charlotte Dujardin, Sie und Adelinde Cornelissen die sechs Einzelmedaillen, bei den Olympischen Spielen 2012 gingen die Männer ebenfalls leer aus.
Das stimmt. Im Moment ist alles sehr frauenlastig, aber es gibt ja noch Edward Gal aus den Niederlanden, und auch in Deutschland haben wir gute männliche Dressurreiter. Egal ob Mann oder Frau: Ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch.
Aber vielleicht können sich Frauen besser auf ihr Sportgerät einlassen.
Ein Pferd ist ein Partner, kein Sportgerät. Das ist das, was unseren Sport sehr reizvoll, aber manchmal auch schwierig macht. Im Reitsport gibt es generell mehr Frauen. Das ist schon lange so, und nun macht es sich an der Spitze bemerkbar.
Wo sind denn die Unterschiede zwischen Mann und Frau im Dressursport? Geht es vielleicht um Kraft?
Das Schöne ist, dass dies alles Dinge sind, auf die es nicht ankommt. Es geht nur um die richtige Technik.
Dann wäre es Ihrem Pferd Damon Hill egal, wenn statt Ihnen ein 90-kg-Mann auf ihm sitzt?
Das ist schon ein Unterschied. Damon Hill ist ja ein eher kleines Pferd. Aber es gibt ja riesengroße Warmblüter, die fast 1,80 Meter groß sind. Für den einzelnen Reiter gibt es immer das Richtige. Am Ende muss einfach die Kombi passen.
So wie bei Ihnen und Damon Hill.
Ja. Er gehört bei uns schon fast zur Familie. Wenn er noch ein bisschen kleiner wäre, würde er abends bei mir und meinem Mann auf dem Sofa sitzen.
Sie haben einige Pferde im Stall. Ist Damon Hill wegen der vielen Erfolge etwas ­Besonderes?
Dadurch wird eine Beziehung bestimmt nicht schlechter, aber sie muss schon gut sein, um überhaupt so weit zu kommen.
Ist er sehr auf Sie fixiert?
Dami ist generell sehr menschenbezogen. Ich glaube aber schon, dass er mich mag. Wir verbringen bei den Turnieren sehr viel Zeit miteinander, und wenn ich nicht unterwegs bin, bewege ich ihn jeden Tag.
Und wer reitet ihn, wenn Sie nicht da sind?
Nur ich mache das. Mein Mann hat ihn zwar mal locker geritten, aber sonst hat noch keiner auf ihm gesessen.
Warum?
Ich finde es wichtig, die Kommunikationsebene zu erhalten. Jeder gibt die gleichen Hilfen, aber die Größe, das Gewicht – das ist alles unterschiedlich.
Da sind wir doch wieder beim Thema Gewicht.
In diesem Fall schon (lacht). Es geht einfach darum, die Feinabstimmung zwischen Mensch und Pferd zu erhalten. In der Dressur ist gerade das sehr wichtig.
Der Erfolg gibt Ihnen recht. In diesem Jahr haben Sie bei der EM Mannschaftsgold und zweimal Einzelsilber geholt. In der Hallensaison haben Sie den Weltcup gewonnen . . .
. . . und deshalb freue ich mich riesig, wieder nach Stuttgart zu kommen. Hier begann im vergangenen Jahr mit einem Sieg die ­Erfolgsserie.
Und bestimmt wollen Sie wieder ganz nach vorne reiten?
Ich formuliere meine Ziele ja nie ganz konkret, aber klar: Wir wollen alles geben und Spaß haben. So wie immer.
Dressur ist nicht immer das, was die Menschen mit Freude verbinden. Oft wirkt das sehr ernst.
Natürlich bin ich angestrengt. Das ist klar, wenn man Höchstleistungen erreichen will. Aber wir haben wirklich Spaß. Dami genießt das richtig. Je mehr Publikum, desto besser findet er das.
Ihr Pferd mag Menschenmassen? Fluchttiere scheuen davor doch eher.
Ja, aber Dami ist ’ne kleine Rampensau. Er will sich präsentieren und zeigen, was er kann.
Sie selbst zeigen sich beim Turnier in Frack und mit Zylinder. Tragen Sie das gerne?
Es gibt immer wieder Diskussionen, ob man diese Vorgabe ändert oder lockert.
Und was meinen Sie?
Ich finde, dass es dazugehört. Ich mag auch das Klassische. Es passt zum Pferd, es passt zu der Art des Reitens. Und alle sind dadurch gleich.
Sie machen im maßgeschneiderten Frack auch eine gute Figur. Andere haben dieses Glück nicht.
Im Moment habe ich wirklich das Glück, dass ich futtern kann, ohne zuzunehmen. Wenn das mal anders sein sollte, dann mach’ ich mir vielleicht auch andere Gedanken (lacht).
Wussten Sie eigentlich schon immer, dass Sie in der Dressur am besten aufgehoben sind?
Früher bin ich auch Springen und Vielseitigkeit bis Klasse L und M geritten. Das hat mir Spaß gemacht, aber in der Dressur fühle ich mich zu Hause. Diese Feinarbeit, das Perfektionieren – das ist meins. Ich habe schon als Kind davon geträumt.
Sie haben wirklich von olympischen Medaillen und bunten Siegerschleifen geträumt?
Ja, aber ich mich nie getraut, dies zu äußern. Ich habe es einfach nicht für möglich gehalten, es zu schaffen.
Und ist der Erfolg so, wie Sie ihn sich erträumt haben?
Es ist mitunter etwas unwirklich, aber es gefällt mir. Das Einzige, was mich stört, ist das ständige Aus- und Einpacken. Ansonsten sind Turniere für mich wie Urlaub.
Erklären Sie das!
Für mich sind die Turniere Erholung, quasi ein kurzes Urlaubswochenende. Meist habe ich nur ein oder zwei Pferde dabei. Das ist viel weniger Arbeit als zu Hause, wo ich mich um viel mehr Tiere kümmern muss. Wenn dann morgens keine Prüfung ist oder das Training vorbei ist, dann gehe ich auch einfach noch einmal schlafen. Ich genieße das.