Die Heizölpreise in Deutschland sind seit Kriegsbeginn im Iran um gut 40 Prozent gestiegen. Regionale Händler berichten von der Macht der Mineröl-Konzerne.
Anfang April sind die Preise auf dem Ölmarkt infolge von Ängsten vor Angebotsverknappung und geopolitischen Spannungen im Nahen Osten deutlich gestiegen, wobei der überregionale Durchschnittspreis für 100 Liter bundesweit bei rund 163,50 Euro liegt – mit erheblichen regionalen Unterschieden.
Tendenz ist volatil
In Baden-Württemberg bewegen sich die Preise, etwa in Freiburg, um rund 141 Euro, die Tendenz ist volatil. Ein Händler im Landkreis Lörrach berichtet auf Anfrage unserer Zeitung, der Verkaufspreis sei bei ihm von 90 Euro vor Kriegsbeginn auf 125 Euro je 100 Liter geklettert. Er will seinen Namen in der Zeitung nicht genannt wissen; es gebe derzeit „ein Hauen und Stechen in der Branche“. Bestätigen kann der Händler, dass der Heizölmarkt seit Kriegsbeginn praktisch zusammengebrochen ist.
„Es kaufen nur diejenigen Leute, die einen leeren Tank haben.“ Und es werde bei den aktuellen Preisen nur eine Teilmenge gekauft, weil der Verbraucher hofft, dass die Preise bis zur nächsten Heizperiode auch wieder sinken. Eine Hoffnung, die nicht unbegründet ist. Die Preise für Rohöl seien nach dem vereinbarten Waffenstillstand und der Freigabe der Straße von Hormus durch den Iran bereits zweistellig gesunken. Aber wann kommen die günstigeren Preise auch hier an? Die Lieferkette war fünf Wochen unterbrochen, und viele Ölförderanlagen im Nahen Osten sind zerstört worden.
Enorme Preisaufschläge
Der Ölhändler verweist allerdings darauf, dass Deutschland sein Öl nur zu 20 Prozent aus der Golf-Region bezieht und die enormen Preisaufschläge der Mineralölkonzerne reine „Risikoaufschläge“ seien. Er behauptet: Es gibt hier keinerlei Verknappung. Indes: Ein anderer Ölhändler aus der Region relativiert das Gesagte.
Er behauptet, dass sich Asiaten, die viel stärker vom Nahost-Markt abhängig seien, auch nach anderen Quellen umgesehen und dadurch die Mengen auf dem Weltmarkt verknappt hätten. Dieser Händler, der ebenfalls namentlich nicht genannt werden will, berichtet, dass seine Kunden inzwischen aber „krisenresistent“ seien: „Die sitzen das aus“, berichtet er und erinnert an die Krise nach den Anschlägen vom 11. September.
Hoher Tagespreis
Zurück zu den „Risikoaufschlägen“ der Konzerne: Dazu hat ein Händler eine klare Meinung: „Da wird sofort der hohe Tagespreis angewendet, obwohl die Tanks noch zu viel günstigeren Tarifen gefüllt wurden. Die Konzerne machen keine Verluste“, äußert er eine klare Meinung. Für die Händler der Region gibt es nur zwei mögliche Bezugsquellen für den Rohstoff: Entweder das Lager von Palmrain am Rhein gegenüber von Weil „oder auf der Straße nach Karlsruhe“. Sein Fahrzeug zur Auslieferung steht aber derzeit still und bekomme buchstäblich eckige Räder. „Aber nachher fahren wir wieder Tag und Nacht“, ist er überzeugt.
Im wesentlichen bestätigt der zweite Händler die Darstellung zur Situation bezogen auf dem Heizölmarkt. Beim Diesel sehe die Sache jedoch ganz anders aus. Während der Heizölkunde, zumal am Ende der Heizperiode, die Krise aussitzen kann, ist die Kundschaft beim Diesel-Kraftstoff auf permanente Versorgung angewiesen: „Der Handwerker und der Spediteur kann nicht warten. Die müssen tanken.“ Der Händler erinnert an den Kriegsbeginn, als an deutschen Zapfsäulen europaweit die höchsten Preise verlangt wurden.
Keine Rationierung
Für Diesel wurden von einem Tag auf den anderen 60 Cent pro Liter mehr verlangt, was für einen Aufschrei sorgte. Neidisch sei nach Frankreich oder Italien geschaut worden, wo die Preisaufschläge nach Kriegsbeginn mit rund 20 Cent zunächst noch relativ moderat ausfielen. Doch je länger der Konflikt im Iran dauerte, desto kräftiger wurden auch im europäischen Ausland die Sprit-Preise angehoben.
Am Ende gab es um Ostern in Frankreich an sehr vielen Tankstellen überhaupt keinen Diesel mehr zu kaufen. Das führt ein Insider auf das Monopol von Total in Frankreich zurück. In Deutschland gab es zu keinem Zeitpunkt eine Rationierung oder den Ausverkauf von Kraftstoff an den Zapfsäulen. Irgendwann, so die allgemeine Hoffnung, wird sich der Preis auch wieder auf niedrigerem Niveau einpendeln.