Ein Mann Liefert Heizöl aus. Das kann derzeit ganz schön teuer sein – auch in Rottweil. (Symbolbild) Foto: Jens Büttner/dpa

Rasant steigen in den letzten Tagen die Preis an der Tankstelle und für Heizöl an. Grund ist der Nahost-Konflikt. Heizöl-Lieferant Öl-Heimburger erklärt die Auswirkungen.

Erst die Lockerungen des Heizungsgesetzes, jetzt die Verschärfung des Nahost-Konflikts – die Rohölpreise bleiben weiter im Gespräch. Denn: Spritpreise und auch Heizölpreise machen derzeit einen rasanten Sprung – und zwar nach oben.

 

Noch vor ein paar Tagen konnten Mitbürger mit einer Ölheizung im Schnitt für 96,40 Euro pro 100 Liter ihre vom Winter leeren Tanks füllen. Doch seit vergangenem Freitag klettern die Preise immer weiter nach oben. Am Mittwochnachmittag steht der Durchschnittspreis in Deutschland auf 130,25 Euro für 100 Liter Heizöl.

Ölpreis seit 2022 nicht mehr so hoch

Laut einer Statistik von „heizöl24“ waren die Preise seit November 2022 nicht mehr so hoch. Am 8. März 2022, kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, erreichten die Heizölpreise sogar einen Preis von 198,09 Euro pro 100 Liter. Mit Ausnahme des Anstiegs 2022, gab es mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre nie eine solch rapide Preissteigerung. Unsere Redaktion erkundigte sich bei Heizöllieferant Öl-Heimburger aus Rottweil, wie er die derzeitige Situation einschätzt und wie es zu der drastischen Preisentwicklung kommt.

Und das sei gar nicht so einfach, wie Michael Dittert, Geschäftsführer von Öl-Heimburger in Rottweil, erklärt. Genau wie die Kunden, könnten auch Lieferanten beim Einkauf im Internet vergleichen, wo das Heizöl gerade am günstigsten ist, und dort bestellen. Die Verkaufspreiskalkulation würde allerdings nicht danach berechnet werden, was der Einstandspreis, also der Preis der tatsächlichen Kosten, ist, auf welchen dann der Gewinn oben drauf gerechnet wird. Stattdessen würden sich die Preise nach der Konkurrenz entwickeln und danach, was die Verkäufer noch verlangen könnten, damit die Kunden nicht zur Konkurrenz gehen, erklärt Dittert.

Lieferanten kennen Einkaufspreise beim Verkauf meist noch nicht

Erschwerend komme hinzu, dass die Lieferanten, wie er selbst, beim Verkauf des Kraftstoffs die Einkaufspreise noch gar nicht kennen. Diese Belieferungsverträge würden meist erst zum Ende der Woche oder am Ende des Monats festgelegt werden.

Die Erhöhung wird derzeit meist als zu früh kritisiert, da der Einkaufspreis sich noch nicht auf die aktuellen Preise auswirken könnte, heißt es in Medienberichten. Dittert erklärt das so, dass die Unternehmen manchmal an der Grenze des Einstandspreises arbeiten würden. Dafür müssten dann auch einträgliche Phasen genutzt werden, also besonders gewinnbringende Phasen, die nicht dauerhaft andauern, aber Teil eines Zyklus sind. Ob in diesem Hinblick die Erhöhung zu früh, zu spät oder sogar genau richtig kam, könne er nicht einschätzen.

Preise liegen leicht unter dem Durchschnitt

In Rottweil liegen die Preise derzeit unter dem Durchschnitt. So kann man am Mittwochnachmittag bereits für 124,65 Euro pro 100 Liter Heizöl erworben werden. Michael Dittert bittet die Bevölkerung um Verständnis, dass die Mitarbeiter an der Kasse und im Heizölverkauf am allerwenigsten für die Preiserhöhung können. „Der Frust, der ihnen gegenüber geäußert wird, ist verständlich, trifft aber die Falschen.“

Er geht davon aus, dass in den aktuellen Rohölpreisen ein „erhebliches Risiko“ eingepreist sei. Er hoffe, dass sich die Situation bald wieder beruhige und die Preise wieder sinken würden. Handelsrouten seien nicht zwingend dauerhaft unpassierbar und bislang sei noch von keiner Zerstörung von Produktionsanlagen im Nahen Osten die Rede.