Das hätte noch schlimmer enden können: Die Fassade des mittelalterlichen Mietshauses aus dem 15./16. Jahrhundert hat am Neujahrsmorgen gebrannt. Foto: Jannik Nölke

Ein Brandstifter war offenbar am Neujahrsmorgen in der Ebinger Innenstadt unterwegs. Die Feuerwehr war darüber hinaus aber auch in der Nacht und bei einem Kellerbrand am frühen Vormittag unterwegs – ein stressiger Beginn für den neuen Stadtbrandmeister.

Acht von 15 Einsätzen im Zollernalbkreis zwischen 0 und 7 Uhr entfielen am Neujahrstag auf die größte Stadt Albstadt – darunter neben diversen kleinen Feuerwerks-Überresten auch ein Kellerbrand am Morgen in den Ebinger Bleuelwiesen.

 

Ein Hausbewohner habe pflichtbewusst die Überreste eines Silvesterfeuerwerkes in der Nacht entsorgen wollen und sie in den Keller gelegt, so Stadtbrandmeister Thomas Daus, für den es der erste Arbeitstag in dieser Funktion war. Allem Anschein nach waren die Überreste aber noch nicht vollständig abgekühlt und schmorten vor sich hin.

In den Bleuelwiesen brannten Silvestermüll-Überreste im Keller eines Hauses. Foto:  Jannik Nölke

Ein anderer Bewohner bemerkte den schwarzen Rauch im Keller am Morgen und informierte die Feuerwehr. Die rund 25 Wehrleute des Löschzugs Ebingen schafften das Brandgut nach draußen und belüfteten das Gebäude. Die Bewohner von fünf Wohnungen wurden vom Roten Kreuz vor Ort versorgt. Verletzt wurde niemand.

Die Feuerwehr musste die Löschwasser-Eisglätte abstreuen. Foto:  Jannik Nölke

Kurios: Weil minus acht Grad Außentemperatur herrschten, gefror das Löschwasser sofort auf dem Boden und ein Mitarbeiter des nahen Bauhofs musste mit einer Ladung Streusalz anrücken.

Im Krankenhaus hatte ein Rauchmelder ausgelöst und zudem rückten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Albstadt zu sechs Feuerwerks-Bränden in Ebingen und einem Silvester-Einsatz in Tailfingen aus, berichtet Daus.

Das historische Mietshaus ist schwer in Mitleidenschaft gezogen. Foto:  Jannik Nölke

Um 8:58 Uhr sollte dann der neunte Einsatz folgen – der die Feuerwehr, Polizei und den Rettungsdienst eine Weile in Schach hielt. Gemeldet wurde ein brennender Mülleimer an einer Hauswand im „Unteren Stadtgraben“. Vor Ort bot sich jedoch ein anderes Bild: Insgesamt gab es vier Einsatzstellen, an denen – mit hoher Wahrscheinlichkeit mutwillig gelegt – vier Feuer loderten. Laut einer ersten Einschätzung vor Ort hat ein wohl noch unbekannter Täter mehrere Papier-Mülltonnen und einen Haufen gelber Säcke angezündet, die am Donnerstag abgeholt werden sollten – viele Innenstadtbewohner hatten sie trotz der potenziellen Brandgefahr durch Feuerwerkskörper schon an Silvester vor die Tür gelegt.

Jede Menge Müll hatte gebrannt und die Fassade angesteckt. Foto:  Jannik Nölke

Ein Zeuge berichtet, er habe den mutmaßlichen Täter gesehen und die Feuerwehr verständigt. Laut Stadtbrandmeister Thomas Daus war aufgrund der Ausdehnung der Brände neben dem Löschzug der Abteilung Ebingen auch der Löschzug der Abteilung Tailfingen gerufen worden, um bei weiteren Bränden schnell reagieren zu können. Vom Großaufgebot der Einsatzkräfte abgeschreckt - immerhin rund 50 Feuerwehrleute, 20 Ersthelfer und mehrere Polizisten waren vor Ort - ließ der Brandstifter jedoch ab, weitere Brände blieben aus.

Im nördlichen Stadtgraben brannte diese Mülltonne. Foto: Nölke

Die Polizei hat nun die Ermittlungen zum Feuerteufel aufgenommen. Neben den Mülltonnen wurde die Fassade eines Wohnhauses in Mitleidenschaft gezogen, das als „mittelalterliches Mietshaus aus dem 15./16. Jahrhundert“ eine Station historischer Stadtführungen ist. Durch schnelles Eingreifen verhinderte die Feuerwehr aber einen größeren Schaden. Die Einsatzkräfte löschten den Brand, verschlossen Türen und Fenster und sicherten das Brandgut mit Bauzäunen ab. Zur Höhe des Schadens konnte die Polizei am Morgen noch keine Angaben machen.

Für Thomas Daus (rechts) war es ein feuriger erster Tag als Stadtbrandmeister. Foto:  Jannik Nölke

Für Thomas Daus war es ein ganz besonderer Tag: Erstmals rückte er in seiner neuen Funktion als hauptamtlicher Feuerwehrkommandant aus. Das Kommando der Abteilung Tailfingen hat er – bis zur Korpsversammlung im März kommissarisch – an seinen bisherigen Stellvertreter Claus Hofmann abgegeben. Daus ist seit 17 Jahren bei der Feuerwehr Albstadt tätig und war bisher schon „Einsatzleiter vom Dienst“ in Vertretung des Stadtbrandmeisters.