Manchmal ist die Wirklichkeit auf der Überholspur unterwegs: Seit Jahren ärgern sich zwei Anliegerinnen über ein verwahrlostes Grundstück samt Ruine in ihrer Nachbarschaft – und kaum wenden sie sich an den Schwarzwälder Boten, passiert etwas.
Seit „mindestens fünf Jahren“ haben Sigrun Bitzer und Elvira Müller eine Brache vor der Haustür, die nicht nur unschön anzusehen ist, sondern wo sich zeitweilig auch die Ratten getummelt haben. Die letzten Bewohner des Hauses, das in Form eines Winkelhakens zwischen der Odenwald- und der Bühlstraße steht, seien ein Bruder und seine körperbehinderte Schwester gewesen, erinnert sich Sigrun Bitzer, die zwei Häuser weiter aufgewachsen ist und noch immer wohnt. „Ursprünglich waren es zwei Häuser, doch dann kauften die Geschwister auch das andere.“
Nach dem Auszug der beiden waren Gebäude und Grundstück nach und nach verwahrlost. Am Gebäude sind deutliche Schäden zu sehen, Mauern teilweise aufgebrochen. Fenster stehen offen oder fehlen ganz, sind teils mit Brettern verschlossen, teils mit Plastiktüten verhängt.
Schlimmer noch: Auf dem Grundstück lagerte allerlei Unrat, von dem die Nachbarinnen nicht wussten, welche Art von Flüssigkeiten oder Stoffen darunter waren, und Ratten tummelten sich auf dem Gelände. Das war der Zeitpunkt, an dem sich die Nachbarinnen an den damaligen Oberbürgermeister Klaus Konzelmann wandten, zumal die Nager auch in ihrem Garten speisten und die liebevoll gehegten Kräuter fraßen. An seine Antwort können sie sich noch gut erinnern: „Ja und ich soll jetzt dorthin und die Ratten fangen, oder was?“
War der Besitzer drin – oder waren es Jugendliche?
Immerhin seien auf Konzelmanns Veranlassung hin Rattenköder ausgelegt worden, berichten Sigrun Bitzer und Elvira Müller. Doch der Unrat blieb liegen. „Manchmal brannte auch Licht von Taschenlampen“, berichten die beiden, die nicht wussten, ob der Eigentümer im Haus unterwegs war oder Jugendliche die Ruine als Treffpunkt nutzten. Bei einem Sturm habe es schon mal den Bauzaun, der das Grundstück umgibt, umgeworfen, und einmal sei ein Heizöltank im Garten gestanden.
Bei Oberbürgermeister Roland Tralmer, der seit Juni 2023 im Amt ist, sprachen sie im Spätherbst erneut vor, und dieser versicherte, den Eigentümer ausfindig zu machen und die Säuberung des Grundstücks anzumahnen – die beiden Frauen freuten sich.
Wie aus heiterem Himmel erschien die Ebinger Brache gesäubert
Doch wieder passierte erst einmal nichts Sichtbares. Also wandten sie sich an den Schwarzwälder Boten. Die Nachfrage unserer Redaktion ergab zunächst, dass es in die Zuständigkeit des Landratsamtes falle, die Säuberung anzumahnen. Noch herausfinden wollte Pressesprecherin Marisa Hahn, was die Balinger Kreisbehörde in dieser Sache bereits unternommen habe, doch ehe sie es herausfinden konnte, kam plötzlich Bewegung in die Angelegenheit: Irgendwann zwischen Christi Himmelfahrt und dem vergangenen Sonntag wurde das Grundstück aufgeräumt.
Waren es das Landratsamt, die Stadt Albstadt oder die Heinzelmännchen? Zunächst war das nicht klar. Mona Lehmann, die Pressesprecherin der Stadt Albstadt, hat inzwischen aber ebenfalls recherchiert und herausgefunden, dass der neue Eigentümer das Grundstück gesäubert haben muss. Das Stadtplanungsamt habe ihn gemahnt, bis Ende Mai zu handeln, und das habe er getan.
Ein Baugesuch liegt derzeit nicht vor
Was nun aus dem Grundstück und dem Haus wird, bleibt abzuwarten. Der vorherige Besitzer hatte laut Lehmann 2021 ein Baugesuch eingereicht, das abgelehnt worden war. Der Grund: Der von ihm geplante Bau war so nicht genehmigungsfähig.
Ein Baugesuch des neuen Besitzers liege noch nicht vor, erklärt Mona Lehmann, doch sie erwartet, dass der Eigentümer etwas aus dem Grundstück machen will – immerhin liegt es innenstadtnah und ist groß genug für ein Mehrfamilienhaus. Und wenn nach dem Müll auch das verwahrloste Gebäude und der hässliche Bauzaun verschwunden sind, darf sich der Besitzer sicher sein, zwei dankbare Anwohnerinnen in der Nachbarschaft zu haben.