Im Alter von 93 Jahren ist Heinz Schmid gestorben. Er machte sich landesweit einen Namen bei der Erhaltung und Erforschung von Kleindenkmalen.
Meistens lächelnd und immer zu einem Schwätzchen aufgelegt war er in Horb unterwegs, der weißhaarige Herr in Kniebundhosen. Auf dem Weg zwischen der Stadt und seinem Haus am oberen Ende der „Himmelsleiter“ in der Panoramastraße sah man ihn oft – und so werden viele Horber Heinz Schmid in Erinnerung behalten, der am 9. Januar starb. Weit über Horb hinaus bekannt war er als Liebhaber von Kleindenkmalen und Grenzsteinen – Heinz Schmid war ein erstaunlicher Heimatforscher, der die kleinen, oft übersehenen Zeugen der Geschichte unter die Lupe nahm.
Geboren in Metzingen
Geboren am 4. April 1932 in Metzingen, wuchs er bei seinen Großeltern zuerst in Trossingen, dann in Horb in der Panoramastraße auf. Dort besuchte Heinz Schmid den Leonhards-Kindergarten. Sein Vater hatte eine Anstellung im Hotel Rappen in Freudenstadt. 1938 gab es endlich in Freudenstadt eine Wohnung und so zog Heinz Schmid mit der Mutter und seiner Schwester, die Ende 1938 auf die Welt kam, nach Freudenstadt. Dort besuchte er die Knaben-Grundschule und danach das Kepler-Gymnasium. Der Vater wurde als Soldat eingezogen und in Russland vermisst.
1945 nach Horb gezogen
Mehr durch Zufall erfuhr die Familie, dass die Oma in Horb gestorben war. So entschloss sich die Familie (inzwischen alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern) – in Freudenstadt durch die Erstürmung der Franzosen fast obdachlos geworden – 1945 nach Horb zu ziehen. Die Habseligkeiten hatten auf einem Leiterwagen Platz, mit dem es zu Fuß von Freudenstadt nach Horb ging. Hier besuchte Heinz Schmid die Oberschule, die er mit dem Erwerb der mittleren Reife verließ.
Beim Katasteramt im Mühlener Torweg in Horb schloss sich eine dreijährige Lehre an. Danach bewarb er sich bei den Staatsbauschulen in München und Stuttgart (heute Fachhochschulen) um einen Studienplatz.
Studium in Stuttgart
Trotz der Vorgabe, in Stuttgart eine Aufnahmeprüfung machen zu müssen, entschied sich Schmid für Stuttgart, da die Landeshauptstadt näher lag. So absolvierte er dort von 1952 bis 1954 vier Semester. 1956 trat er in Horb die Laufbahn im gehobenen Dienst an. Heinz Schmid bezeichnete es einmal als großes Glück, in Horb bleiben zu können. Bis ins hohe Alter wohnte er im großelterlichen Haus.
Seine Frau Edith (sie starb 2017) hatte er bei einem Ausflug ins blühende Barock Ludwigsburg kennengelernt. Verwandt mit einem Studienkollegen, war sie dort zu Besuch. Der zuständige Professor organisierte eine Studienfahrt nach Ludwigsburg, bei der der Studienkollege seinen Besuch mitnahm.
Die Sammelleidenschaft
1945 fing Heinz Schmid an Briefmarken zu sammeln, damals zusammen mit Bruno Ammon, Elmar und Heinz Kreidler. Diesem Hobby ging er bis ins hohe Alter nach. Er erinnerte sich anlässlich seines 80. Geburtstags, dass zunächst mal eine Ortsgruppe Horb als Anhängsel der Briefmarkenfreunde Rottenburg gegründet wurde, bis in Horb etwa im Jahr 1970 ein eigener Verein Briefmarkenfreunde Horb gegründet wurde, dessen Vorsitzender er 20 Jahre lang war.
Das Thema Grenzsteine
Ende 1970 machte Schmid sich Gedanken zu einer Motivsammlung auf Briefmarken. So kam er auf das Thema Grenzsteine. Aus diesem Ableger wurde ein großes Interesse für die Grenzsteine an sich, und so kam es 1985 zur Gründung der Gesellschaft für Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg, dessen Vorsitzender er viele Jahre lang war.
Dieser Leidenschaft widmete er noch mehr Zeit, nachdem er 1994 in Ruhestand gegangen war. Jeden Tag war er mit seinen Hobbys und den daraus resultierenden Pflichten voll beschäftigt. Für sein Engagement bei der Erforschung der Grenzsteine, insbesondere der Erfassung der historischen Grenzsteine der Gemarkung Horb, hat Heinz Schmid Anfang 2011 die Landesehrennadel in Silber erhalten.