Blumen, Wein und viel Anerkennung gab es von Wolfgang Hermann (rechts) für José F. A. Oliver. Foto: Reinhard

Literatur: Hausachs Bürgermeister Wolfgang Hermann gratuliert José F. A. Oliver zum Heinrich-Böll-Preis Dass der Hausacher Lyriker José F. A. Oliver den Heinrich-Böll-Preis gewinnt, sorgte im Städtchen und der Region für Jubel. Nun ließ es sich der Hausacher Bürgermeister nicht nehmen, Oliver persönlich zu gratulieren.

Hausach - Hermann erinnerte die kleine Runde – neben Oliver waren auch Ulrike Tippmann als Vorsitzende des Fördervereins Leselenz und Hartmut Märtin, der Kulturamtsleiter, anwesend – im Hausacher Ratssaal an die Zeit vor einem Jahr, als "die Wolken für die lahm gelegte Kultur zunehmend schwarz wurden", wie der Bürgermeister sagte. Er zollte Oliver Respekt dafür, unter den widrigen Umständen und trotz der Pandemie den Leselenz auf andere Beine gestellt zu haben. "Deine persönliche Situation war in dieser Zeit dennoch wie bei jedem Kukturschaffenden alles andere als von der Sonne gesegnet."

Umso mehr freue es ihn, dass Oliver einen der herausragendesten, wenn nicht sogar den herausragendste deutschen Literaturpreis gewonnen habe. Und er gab zu: "Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass ein Hausacher und ein Freund ihn bekommt." "Vor der Kunst, so mit Worten umzugehen, ziehe ich meinen Hut und beglückwünsche dich zu dieser hoch verdienten Auszeichnung", sagte er abschließend.

Glückwünsche aus der ganzen Welt

Dass er den Heinrich-Böll-Preis gewinnen würde, daran habe "nie im Leben" gedacht, berichtete Oliver. Da Heinrich Böll einer der meist gelesenen Autoren im Ausland und damit auch einer der meist übersetzten Schriftsteller sei, hätten ihn tausende Glückwünsche aus der ganzen Welt erreicht. Der Heinrich-Böll-Preis sei bisher vor allem an Romanautoren gegangen und nur selten an Lyriker wie ihn.

Dementsprechen ungläubig habe er reagiert, als die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ihn telefonisch von der Auszeichnung unterrichtete. Bei einer Veranstaltung in Innsbruck habe er fünf Minuten vor deren Beginn einen Anruf mit unterdrückter Nummer erhalten. "So ruft mich normalerweise immer nur meine Mutter an und ich wollte so kurz vor Veranstaltungsbeginn eigentlich nicht rangehen. Aber da ich dann dachte, dass ja irgendwas mit ihr nicht stimmen könne, habe ich dann doch abgenommen", berichtete der Lyriker. Als Reker sich meldete, rechnete Oliver erst damit, dass die Oberbürgermeisterin ihn bitten würde, für einen Anlass eine Rede zu halten oder zu schreiben. Erst, als sie ihn fragte, ob er den Preis annehme, habe er allmählich begriffen, um was es gehe und den Preis gerne angenommen.

Besonders gefreut habe ihn, dass eine eindeutige Mehrheit der Jury für ihn gestimmt habe und dass sie Verleihung des Preises an ihn in der Literaturszene auf große Zustimmung und Freude gestoßen sei, schließlich werde sei die Auszeichnung eine Anerkennung für sein Lebenswerk.

"Man muss ihm nur genug Raum geben"

Als Sohn andalusischer Einwanderer habe er das Glück gehabt, "in zwei Sprachen geliebt worden zu sein" und deswegen sei er sehr glücklich darüber, seinen Beitrag zur Vermittlung von Literatur leisten zu dürfen. Er sei fest davon überzeugt, dass in jedem Menschen Poesie wohne. "Man muss ihm nur genug Raum geben."

Seinen Raum habe er in Hausach gefunden. Die Frage, warum er sein "andalusisches Schwarzwalddorf" nie verlassen habe, beantwortete er mit seiner "Gründernatur". "Ich bleibe und hole mir lieber das, was ich brauche zu mir." Bestes Beispiel dafür ist das Literaturfestival Leselenz, das alljährlich Autoren von Weltformat nach Hausach zieht und bald wieder stattfinden wird.

José F. A. Oliver wird den mit 30 000 Euro dotierten Preis am Freitag, 26. November, um 18.30 Uhr im Historischen Rathaus der Stadt Köln entgegennehmen. Seine Laudatio hält Ilija Trojanow, der 2017 ebenfalls den Heinrich-Böll-Preis gewann. Einen Abend zuvor hält Oliver eine Lesung. Mit der Auszeichnung geht ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Köln einher.

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