Die Band "Hun" mit Sängerin Hannah Wilhelm und Saxofonist Jürgen Herrmann beim Konzert im Schlachthof. Foto: privat

Hannah Wilhelm und ihre Band haben im Schlachthof eine glanzvolle Performance abgeliefert. Das Konzert der gebürtigen Lahrerin war ein Erlebnis, perfekt vorbereitet von der Lahrer Rockwerkstatt.

Lahr - Es hat alles gepasst, inklusive Vorband, Hauptband, Location, Technik und einem sehr fachkundigen, wenn auch nicht zahlreichen Publikum. "Hun", wie sich die Band um Hannah Wilhelm nennt, eröffnete mit einer Mischung aus eigenen Stücken und unterschiedlichsten Covers. Zur Überraschung aller hatte Wilhelm als "Special Guest" Saxofonist Jürgen Herrmann, einen langjähriger musikalischer Weggefährten ihres Vaters, eingeladen, der sich nahtlos in das musikalische Kollektiv einfügte – und das ohne eine einzige vorherige Probe.

Neue Band hat nur drei Proben

Da Wilhelms Ursprungsband vor vier Wochen auseinandergebrochen war, musste sie kurzfristig eine neue Band zusammenstellen. Drei Proben blieben, um das anspruchsvolle Programm zu erarbeiten. Eine Truppe von jungen Könnern: Jacob Scharf – mit 27 der Senior der Truppe – lieferte am Schlagzeug ein druckvolles und dennoch differenziertes Rhythmusgerüst ab. Benjamin Tibor Lampe begleitete am Bass nicht nur routiniert, sondern streute immer wieder kreative Licks ein, ohne zu überspielen.

Adél Kövecs (23) war an den Keyboards unauffällig und ruhig die Herrscherin über die Harmonien und ließ in den Chorussen dann überraschend ihre solistische Brillanz hervorstechen. Konrad Solms (25) an der Gitarre überraschte alle mit seiner stilistischen Breite. Für Herrmann war das Spiel mit den jungen Musikern sichtbar ein Jungbrunnen, sie trugen ihn zu musikalischen Höchstleistungen.

Wilhelm sang sechs eigene Stücke und zwölf Covers, darunter Klassiker wie "Aint no sunshine" oder "Just the two of us", "I Wish" oder "Isn’t she lovely" von Stevie Wonder. Unter den Zuhörern waren frühere Weggefährten von Wilhelm, die dank der TV-Show "The Voice of Germany" deutschlandweit bekannt geworden ist. "Tolle Entwicklung in der Phrasierung und der stimmlichen Range", war anerkennend aus dem Publikum zu hören.

Beeindruckend war die Variabilität im Timbre, zart und filigran in den selbstgeschriebenen Balladen wie "Colors" oder "Autumn", soulig, röhrig in den Funktiteln wie "Get Lucky". "Sie performt inzwischen die Stücke", sagte ein Kenner – war Wilhelm früher hinterm Mikro eher schüchtern und konzentriert, ging sie am Samstag richtig aus sich heraus. "Tolles Songwriting und eine richtige Bandleaderin" – auch dieser Kommentar war zu hören.

Mit der Zugabe "I’d Rather Go Blind" von Etta James lieferte das Ensemble "Hun" sein Meisterstück ab – eine jazzige, "entfesselte" Wilhelm und ein gigantisches Gitarrensolo von Solms honorierten die Zuhörer mit frenetischen Applaus.

Es war ein tolles Publikum, das bei den leisen Balladen zuhörte, die solistischen Leistungen der Akteure mit Szenenapplaus honorierte, tanzte und zu einer wunderbaren Atmosphäre beitrug. Allerdings waren es nur rund 100 Besucher – für die Rockwerkstatt eine enttäuschende Resonanz.

Vorband sprang spontan ein

Nachdem die geplante Vorband "Outlines in Black" wegen einer Erkrankung ausgefallen war, konnte die Lahrer Rockwerkstatt trotz intensiver Bemühungen keinen Ersatz finden. Samstag um 12 Uhr ploppte dann im Messengerdienst eine Nachricht von Liz Riedel (15) auf: Sie hätte gehört, dass die Vorband ausgefallen sei und würde gern mit ihrer Freundin Sophia Walter (17) spielen. Die beiden wurden eingeladen, zum Soundcheck in den Schlachthof zu kommen – und gleich engagiert.

Eine sehr gelungene Aktion, verzauberten die beiden jungen Frauen mit Covers doch das Publikum. Ihre Version des Beatles-Songs "Here comes the sun", dargeboten mit zwei Gitarren und zweistimmigem Gesang, zeigte musikalische Reife und Mut zur eigenständigen Interpretation, was das Publikum mit großem Applaus honorierte.