Da ist er wieder: Der Comedian Klaus Birk spielt seine Jahresrückblicke seit 25 Jahren in der Alte Seminarturnhalle Nagold. Im Interview blicken wir genauer hin, auf Nagold und seinen Birk – und erfahren, warum er sich selbst als „eine vom Aussterben bedrohte Schwabenart in badischem Hoheitsgebiet“ sieht.
„Nichts bleibt wie’s wird!“ – so der Titel des Programms, das Klaus Birk am 16. und 17. Dezember, jeweils ab 20 Uhr auf der Bühne der Alten Seminarturnhalle Nagold geben wird. Wir haben uns im Vorfeld seines Auftritts mit dem Schwäbischen Comedian unterhalten.
Wieso treten Sie eigentlich seit 25 Jahren immer Ende des Jahres in Nagold auf?
Weil Dezember ist.
Seit 16 Jahren blicken Sie dabei auf die Ereignisse der Stadt zurück. Wie kommt es dazu?
Der Hallenhirte hatte die Idee, meinte, das wär doch was. Leichtsinnig stimmte ich zu, nicht ahnend, wie viel Nagold inhaliert werden muss auf der Suche nach dem großen Grins.
Haben die Nagolder denn Humor?
Wenn es um Calw, Herrenberg und Stuttgart geht auf jeden Fall.
Machen Sie sich über die Stadt lustig?
Niemals. Die Wunder sprechen für sich. Allein die zwei neuen Kreisverkehre geben der Hoffnung auf Zukunft eine völlig neue Richtung.
Was macht Nagold so besonders?
Die Schönheit der Leute, die Lage, das Gold im Herzen und der Nagel im Wappen. Und nicht zu vergessen, der Geist der einstigen Gartenschau, der silbern herüberweht und flüstert: Nichts wär ohne mich. Und eine weitere Stimme haucht: doch nichts bleibt wie’s wird.
Und all die Jahre finden Sie etwas, über das es sich zu berichten lohnt?
Na klar. Ist doch Nagold.
Und wie stehen Sie zu ihrer Heimatstadt Nagold?
Die Liebe höret nimmer auf. Wenn du von da bist, bist du von da. Ich bin einer der letzten meiner Art. Geboren in Nagold heißt: Du bist eine vom Aussterben bedrohte Schwabenart in badischem Hoheitsgebiet. Es gibt hier keine Geburtenstation mehr. Niemand kommt zur Zeit von hier – außer Hausgeburten oder im Kreisverkehr Geborene. Alle anderen Nagolderinnen und Nagolder wurden zuletzt in Herrenberg oder anderen Fremdgebieten ins Licht der Welt gezwungen. Da hieß es laut hinauszurufen – Ich bin kein Herrenberger. Doch Hoffnung erglüht am Horizont - die reformierte Krankenhaus-Geburt scheint wieder möglich. Die Niederkunft kehrt zurück aus Herrenberg und Calw, kehrt zurück ins Ortsschild dieser Gemeinde: Große Geburtsstadt Nagold.
Wie finden Sie hier ihre Themen?
Mir hilft auch die Zeitung enorm dabei, in der wir uns gerade unterhalten. Jeden Tag reinschauen, dann mit Bürgern und Bürgerinnen reden, und schon liegen die Freuden des Jahres auf einer Bank unter wankenden Bäumen auf dem Berg der Hohn-Nagold-Burg.
Die Welt ist ernster geworden. Wie wichtig ist Lachen in Zeiten wie diesen?
Sehr wichtig, es lockert, befreit und erlöst zeitweise von dem enormen Druck, der auf allem lastet. Wobei Lachen eigentlich eine Schockreaktion ist, weil zwei Dinge aufeinanderprallen, die nicht zusammengehören.
Ein Beispiel?
Trump geht durch die Stadt. Eine Bananenschale liegt am Boden. Trump sieht die Bananenschale, lacht, springt drüber und fällt in das Gulli-Loch hinter der Bananenschale.
Aha, ist das von Ihnen?
Trump ja. Die Geschichte ist von Charlie Chaplin.
Wie suchen, finden und erhalten Sie ihre Themen?
Ich lebe, schaue, höre zu, lese Zeitung, täglich, sammle Themen. Und ab und zu fällt mir eine Geschichte einfach vor die Füße.
Haben die letzten drei Jahre Ihre Wahrnehmung, Ihr Schreiben verändert?
Sagen wir es mal so, mein Bedürfnis nach kräftigenden und Mut machenden Inhalten hat zugenommen.
Und das Publikum?
Die meisten sind älter geworden. Außer den Jungen. Die Verbindung zwischen Publikum und Künstler ist intensiver. Die gegenseitige Dankbarkeit ist spürbar größer.
Wie nehmen Sie die gesellschaftlichen, sozialen, politischen Veränderungen wahr?
Als extrem herausfordernd. Sich dabei nicht von Angst und Sorge einnehmen zu lassen ist tägliche Arbeit. Wer da kein Wertesystem und innere Balance hat, wird leicht mitgerissen.
Ist es schwieriger geworden, sich kritisch zu äußern? Stichwort Shitstorm.
Ja, ist es. Johnny P. meinte vor Kurzem: Viele sind jetzt schon sauer auf dich, und warten ab, was du sagst, um zu wissen, warum sie sauer sind. Oder wie es Lisa M. ausdrückt: Wer stressfrei leben möchte, sollte auf eine Meinung verzichten.
In Ihren Kolumnen zeigen Sie häufig ihre nachdenkliche, besinnliche Seite versehen mit Mut machenden Aspekten. Ist das Ihr anderes Gesicht?
Dieses Gesicht habe ich schon immer, wie sonst könnte ich Comedian sein? Comedy verwandelt persönliches Scheitern in ein hoffnungsvolles Lächeln. Besinnungslos geht das nicht.
Schreiben Sie ihr Programm noch selbst oder holen Sie sich Hilfe bei der künstlichen Intelligenz (KI)?
Schreibe noch selbst. Ich arbeite bevorzugt mit der „iI“, der inneren Intelligenz und purem Vertrauen zu ihr. Besser gesagt, sie arbeitet mit mir. Ob sie dann etwas in mich einfallen oder mir zufallen lässt, mir eine Idee schenkt oder den Genius kurz vorbeischickt, hängt davon ab, wie gut sie auf mich zu sprechen ist.
Sie bringen im kommenden Jahr einen Podcast mit Andreas Müller, dem längjährigen Radio-Comedian im großen Süden, heraus. Was können Sie uns dazu sagen?
Er ist die bI - die badische Intelligenz. Wir unterhalten uns, zwei bis dreimal die Woche, komödiantisch, ernsthaft .... über aktuelle Wunder des menschlichen Verhaltens. Wir sind zwei Comedians, die die vorgegebenen Bahnen ihrer Herkunft überwunden haben, neue Wege gehen und sich als Badener und Schwabe sehr darüber wundern, warum sie einander leiden können.
Also Frieden in Baden und den Menschen ein Wohlgefallen. Wie feiert der Birk Weihnachten?
Mit Kerze in der Hand, im Arm der Familie, voller Hoffnung und Dankbarkeit im Herzen und einem sanften Blick auf das brennende Licht.
Welche Wünsche hegen Sie fürs neue Jahr?
Der größte Wunsch ist, dass wir den Mut finden, das was wir an Liebe im Herzen tragen, was wir im Gelingen sehen möchten auszusprechen, uns überlegen, was wir zum Gelingen beitragen können und sofort den ersten Schritt machen - dort, wo alles beginnt: Im Herzen der Familie.