Das Heimatmuseum verliert Leihgaben. Foto: Mareike Kratt

Damit hat wohl keiner gerechnet: Das Ärchäologische Landesmuseum in Konstanz verlangt seine Leihgaben im Bereich Alamannen zurück. Das sind laut Oberbürgermeister Jürgen Roth die Gründe.

Eine für so manchen erstaunliche Ansage gab Oberbürgermeister Jürgen Roth in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend bekannt: Der Interims-Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier habe ihn darüber informiert, dass das Archäologische Landesmuseum Konstanz seine Leihgaben für die Alamannen-Abteilung des Schwenninger Heimat- und Uhrenmuseum zurückverlange.

 

Als Grund dafür werden Bedenken des Leihgebers genannt, dass das Museum am Muslenplatz nicht mehr den Sicherheitsanforderungen genügt. Die Einrichtung ist bereits seit langer Zeit nur noch vereinzelt geöffnet, weil vor allem mit dem Blick auf den Brandschutz die Anforderungen nicht mehr erfüllt werden. VS-Stadtführer haben es zuletzt ermöglicht, dass immerhin einmal im Monat an einem Sonntag Themenführungen stattgefunden haben.

Weil eine Gesamtlösung für die zuletzt angedachte Zusammenführung der Schwenninger Museen und der Galerie unter einem Dach schon lange auf sich warten lässt, wird nichts mehr in die alten Gemäuer investiert. Es gilt eine Art Notbetrieb.

Nur noch Notbetrieb

Bislang war im Erdgeschoss die Abteilung „Die Alamannen an der Neckarquelle“ untergebracht. Hier sollte das Leben der in der Region Schwenningen ansässigen Menschen aus dem 6. und 7. Jahrhundert veranschaulicht werden. Die Funde stammen aus dem Gräberfeld „Auf der Lehr“ mit rund 200 Gräbern. Im Mittelpunkt der Präsentation steht filigraner Schmuck (Reproduktionen) einer Adeligen, deren reiches Grab zu den bedeutendsten seiner Zeit gehört, sowie die Gesichtsrekonstruktion eines ebenfalls ausgestellten Schädels. Weitere im Original gezeigte Funde informieren zu Schmuck und Bekleidung, Handwerk, Medizin, Religion und Jenseitsvorstellungen des Frühmittelalters. Daneben gibt es auf der weiteren Fläche auf mehreren Geschossen Einblicke in das bäuerlich-handwerkliche Schwenningen, in Schwenninger Uhren sowie in die Schwenninger Fasnet. Außerdem ist hier die Hellmut-Kienzle-Sammlung beheimatet.

Ein weiterer Bedeutungsverlust?

Ist diese Entscheidung des Konstanzer Museums ein weiteres Kapitel des Bedeutungsverlustes des Heimatmuseums? Der Oberbürgermeister merkte an, dass die Leihgaben wieder zurück nach Schwenningen kämen, wenn die Sicherheitsauflagen wieder eingehalten würden. Wann das allerdings sein wird, steht weiter in den Sternen. Zwar gibt es jetzt die Idee, ein Kulturareal angegliedert an das Heimatmuseum zu schaffen. Allerdings kostet das Geld. Ein Budget von zehn Millionen Euro steht – zumindest auf dem Papier – zur Verfügung. Angesichts mehrerer Großvorhaben in VS ist offen, ob dieses Konzept in den nächsten Jahren umgesetzt werden kann.