Im Heimathaus wird Fabienne als Braut „z’recht gemacht“. Foto: Ziechaus

Die Braut wird „z’recht gmacht“ bei den Trachtentagen im Heimathaus in Tennenbronn, nachdem schon die Schmuckteile für die Tracht vorbereitet wurden.

Der blütenweiße Schäppelkragen lag aufwändig gefaltet und gebügelt bereit und die silbernen Ketten des Gürtels zeugten im polierten Glanz vom Reichtum des Bauern. Die Herkunft der schönen Braut Fabienne war für Einheimische deutlich zu erkennen am feinen Zwirn ihrer dunklen Tracht und der edlen Ausstattung ihres Schäppels, am Gürtel und an den farbigen, bestickten Bändern an der rechten Hüfte (unverheiratet).

 

Teuere Knöpfe

Der Schäppelgürtel bestand aus bis zu sieben übereinander angeordneten silbernen Ketten, deren Anzahl den Reichtum des Hofes anzeigte. „Z’recht gemacht“ wurde die Braut von verheirateten Trachtenträgerinnen der Vereine aus Tennenbronn und Langenschiltach. Geduld mussten die Ausstatterinnen aufbringen, denn für das Einkleiden waren bis zu 27 Haken und Ösen einzustecken; schöne Knöpfe waren einfach zu teuer.

Für hohe Festtage

War endlich alles gesteckt und an der rechten Stelle, wurde das schwarze Kleid über der Hippe, der weißen Trachtenbluse, mit dem weißen Schäppelkragen um den Hals, gekrönt vom Schäppel. Das zum Zopf geflochtene Haar bedeckte weitgehend die schwarze Haube. Die bis zu 40 Zentimeter hohe Brautkrone mit Stoffblumen, Glasperlen und kleinen Spiegeln gehört zum Hof der Braut und wird nach der Hochzeit dort für andere konfirmierte Mädchen aufgehoben.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts

Von der Konfirmation bis zur Hochzeit wird der bis zu drei Kilogramm schwere Schäppel an hohen Festtagen, wie Kirchweih, Hochzeit und Taufen von ledigen jungen Frauen getragen, auch während ihrem gesamten Hochzeitsfest. Zur Sonntagstracht der Frauen gehört im Kirchenspiel St. Georgen die Schaube, eine kurze Jacke um die Schultern sowie der Rosenhut mit acht roten (ledig) oder schwarzen (verheiratet) Rosen, in Nachbargemeinden auch Bollen. Diese evangelische Tracht gibt es mit örtlichen Abweichungen in Gemeinden im mittleren Schwarzwald seit Ende des 19. Jahrhunderts. Auf einem Hochzeitsfoto im Heimathaus von 1938 vor dem Gasthof Krone ist eine große Festgemeinde mit vielen Schäppelträgerinnen zu sehen.