Der in Tuningen beerdigte unbekannte Soldat unternahm möglicherweise einen letzten Versuch, den Einmarsch der französischen Truppen im zerstörten Deutschland aufzuhalten.
Seit 1942 wurde die Panzerfaust gebaut, die anfangs noch als Geheimwaffe galt. Das einmotorige Schulflugzeug Bü 181 der Bücker Flugzeugwerke in Rangsdorf bei Berlin erreichte mit 105 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 210 Stundenkilometer.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges sollten diese Flugzeuge zur Panzerbekämpfung eingesetzt werden. Mehrere Maschinen dieses Typs wurden dafür mit einfachen Einrichtungen zur Aufnahme von Panzerfäusten ausgerüstet. An beiden Tragflächen konnten an der Unter- und an der Oberseite je eine Panzerfaust befestigt werden.
Zum Abschuss des Geschosses musste das Flugzeug bis auf etwa 200 Meter über Gelände absinken. Wenn das Ziel im Visier war, konnte der Schuss durch einen einfachen Seilzug ausgelöst werden. Sofort danach musste das Flugzeug seitlich abdrehen, um dem Explosionsdruck des getroffenen Panzers zu entkommen.
Durch die niedrige Flughöhe und die geringe Geschwindigkeit der Maschinen konnten sie aber selbst leicht abgeschossen werden. Diesem Todeskommando fiel ein damals unbekannter deutscher Soldat nahe Tuningen zum Opfer. Das am 21. April 1945 zwischen Tuningen und Talheim abgestürzte Flugzeug der deutschen Luftwaffe gehörte zur Panzerfauststaffel Bü 181.
Der Pilot hatte die Aufgabe, die an diesem Tag in der Umgebung von Tuningen einfahrenden französischen Panzer anzugreifen. Durch MG-Beschuss ging jedoch sein Kleinflugzeug in der Brent zu Boden und überschlug sich bei der Bodenberührung. Der unbekannte Soldat kam dabei ums Leben. Er war auf Anordnung des französischen Ortskommandanten auf dem Tuninger Friedhof zu beerdigen.
Keiner durfte Dorf verlassen
In den ersten Tagen der französischen Besatzung herrschte Versammlungsverbot und niemand durfte das Dorf verlassen. Die Tuninger Bevölkerung wollte jedoch dem deutschen Flieger ein würdevolles Begräbnis geben.
Der Tuninger Pfarrer war seit 1940 selbst im Kriegseinsatz. Deshalb wurde seine Gemeinde von einem in Trossingen wohnenden alten Missionar, einem Prädikanten von dort und von der in Schwenningen tätigen Vikarin Margarete Hoffer vertretungsweise versorgt. Die Vikarin hielt zwischen 1944 und dem Kriegsende in Tuningen für 18 gefallene Soldaten Gedächtnisgottesdienste. Doch auch Margarete Hoffer durfte in den ersten Tagen der Besatzung Schwenningen nicht verlassen und sie durfte keinen Talar tragen. Allein der Milchtransporter, der täglich in Tuningen die Milch für die Schwenninger Bevölkerung abholte, durfte zwischen den beiden Orten verkehren. Das war die einzige Möglichkeit, die Vikarin nach Tuningen zu schmuggeln.
Entgegen aller Vorschriften beerdigte sie den unbekannten Flieger im Talar des Tuninger Pfarrers Esslinger. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung der Tuninger Bevölkerung statt. Erst Jahre später wurde bekannt, dass es sich bei dem in Tuningen beerdigten Soldaten um den 25-jährigen Unteroffizier Wilhelm Baruth aus Werder (Havel) bei Potsdam handelte.