Kriegsdamm und Nägelesgraben erinnern an längst vergangene Zeiten. Beim Stöbern im Archiv findet sich Interessantes.
Derzeit wird am Kriegsdamm und am Nägelesgraben eifrig gebaut. Immer wieder rücken dabei die ungewöhnlich klingenden Namen der beiden Straßen in den Fokus.
Wie man heute noch ansatzweise beim Einstig zur Hängebrücke am Bockshof sehen kann, war der Nägelesgraben einst ein tiefer Graben. Er hat die Stadt vom Norden her vor feindlichen Angriffen geschützt. Im Süden diente der Stadtgraben als Schutz. Und im Osten fiel das Gelände zur Au hin steil ab, brauchte also nicht extra gesichert werden. Heute bietet sich an anderes Bild: Mittlerweile sind der Stadtgraben bis zur Suppengasse und der Nägelesgraben bis zum Kriegsdamm aufgefüllt.
Als im Gebiet Nägelesgraben immer mehr gebaut wurde, sollte dort die Infrastruktur verbessert werden. So wurde der Graben 1915 aufgefüllt und der (Kriegs-)Damm als direkte Verbindung von der Duttenhofer Straße in die Innenstadt geschaffen.
Dafür brauchte man eine ganze Menge Material. Das stammte damals von einer berühmten Baustelle im Neckartal: der Baustelle des Kohlekraftwerks in der Pulverfabrik des Max von Duttenhofer, denn in Kriegszeiten erlebte die Pulverfabrik eine wahre Blütezeit und wurde erneut ausgebaut.
Mit rund 2500 Beschäftigten war sie zum größten privaten Rüstungsbetrieb des Deutschen Reiches aufgestiegen. Der Erste Weltkrieg fungierte als massiver Konjunkturmotor, der das Stadtbild und die Architektur des Neckartals nachhaltig veränderte.
Es ist zu lesen, dass sich die Pulverfabrik mit 150.000 Mark an den Kosten für die Maßnahme beteiligt haben soll. Mit dem Kriegsdamm wurde zugleich eine direkte Verbindung von der Pulverfabrik zur Villa des einstigen Pulverfabrikanten in der Königstraße geschaffen.
Als der Nägelesgraben aufgefüllt wurde, entstand hier Rottweils zweiter Fußballplatz. Der Sportplatz hatte keine Umzäunung und lag etwa drei Meter tiefer als der Kriegsdamm. Wie zu erfahren ist, soll der FV 08 Rottweil hier Erfolge gefeiert haben.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg soll der Platz noch als Bolzplatz genutzt worden sein. Manch älterer Rottweiler erinnert sich noch an schöne Stunden hier. Doch nach Regenfällen soll der Platz oft unter Wasser gestanden haben.
Mit Müllablagerung sei die Senke dann schließlich aufgefüllt worden, und der Parkplatz wurde gebaut. Aber auch der ist demnächst wieder Geschichte, denn hier entsteht der Zentrale Umsteigepunkt (ZUP) für Busse, die bisher am Friedrichsplatz ihre Haltepunkte hatten.
Auch der Nägelesgraben hat sich in den vergangenen Jahren verändert und wird mit der Umgestaltung des Kreisels beim Edeka nochmals ein neues Gesicht erhalten. An die einstige Bedeutung erinnern aber weiterhin die Namen der Straßen.