Michael Hoyer lässt in seiner Show den rasenden Reporter Herbert Schroff wieder auferstehen. Foto: Birgit Heinig

„Villingen – damals und heute“ ist die Multivisionsschau von Michael Hoyer, die am Samstag zum zweiten Mal die Neue Tonhalle komplett füllte. Und offenbar haben die Doppelstädter noch immer nicht genug...

„Vielleicht zeigen wir sie noch ein drittes Mal“, sinnierte Hoyer danach.

 

Die aktuellen Ansichten Villingens und die von vor 50, 60 und 70 Jahren kann man sich tatsächlich durchaus mehrfach ansehen. Dieser Meinung waren offensichtlich viele und sorgten mit jenen, die im Dezember 2023 leer ausgegangen waren, für einen Ansturm auf die Eintrittskarten, eine Warteliste und am Samstagnachmittag einen regen Handel in der Menschenschlange vor der Tonhalle. Mit 680 Zuschauern war diese dann auch ausverkauft.

Tageslicht beschränkt Kapazität

Mehr ging nicht, da den Veranstalter das Tageslicht dazu zwang, in der Halle die Rückwand zu schließen.

Die große Nachfrage wurde erneut belohnt mit einer zweistündigen Schau, moderiert von Michael Hoyer selbst und vom Stadtführer Rudolf Reim. Mit professionellen Aufnahmen der Fotografen Michael Kienzler, Michael Hoyer, Marc und Michael Eich, Rudolf Reim sowie Hans Vollmer tauchte das Publikum in mehreren Bildpassagen ein in die Welt des Sports, des Handels, der Stadtfeste, der Gastronomie, der Kultur, erholte sich optisch in den grünen Oasen der Stadt, allen voran dem Denkmal Kurgarten, und erfreute sich am besonderen Blick auf die historischen Gebäude des Stadtteils.

Wie sahen die heutigen Gebäude früher einmal aus? Stadtführer Rudolf Reim stellte bei der Multivisionsschau „ Villingen – damals und heute“ alt und neu einander gegenüber. Foto: Birgit Heinig

Schnell war man sich einig: „Villingen ist ein besonders schönes Städtle“, erschallte es im Chor. Hoyer führte ein in früheren Jahren aufgenommenes Interview mit dem bereits verstorbenen „rasenden Reporter“ Herbert Schroff und präsentierte Teile dessen reichhaltigen Bildarchivs, darunter „Ehemaliges“ wie der Villinger Flugplatz, die hölzerne Rodelbahn am Aussichtsturm, das Wirtshaus Lindenhof und das Möbelhaus Oberle. Obwohl ein zugezogener Franke hat sich Rudolf Reim zum profunden Kenner der Stadt und ihrer Geschichte gemacht. Er stellte heute und frühere Stadtansichten bildlich nebeneinander und machte – sieht man einmal von der Villinger Fasnet ab - die Veränderungen somit augenfällig. Sehr unterhaltsam: zu jeder Örtlichkeit wusste Reim eine Anekdote.

Viele Erinnerungen werden wach

Der Jazzkeller in der Webergasse, das Zuhause des ältesten Jazzclubs Deutschlands, das gerade dem Erdboden gleichgemachte Weltunternehmen SABA, der FC 08 mit seinen Erfolgen und prominenten Gästen seit 1908 und das MPS-Studio, weltweit bekannt durch seine legendäre Aufnahmequalität, durften in der Schau freilich nicht fehlen. Der Jazzclub-Vorsitzende Rainer Horn kam zu Wort, der Musiker Werner Kiefer spielte live seine Klarinette, der einstige SABA-Werksleiter Wilfried Richter (†) sprach angesichts des Abrisses von „Stolz und Wehmut“ und der MPS-Gründer Hans-Georg Brunner-Schwer (†) war noch einmal zu erleben. Auch Schätze aus dem Archiv des leidenschaftlichen Sammlers Manfred Hildebrandt hatte Hoyer für seine Schau gehoben. So gab es ein Wiedersehen mit der alten Tonhalle, mit dem Waldschlössle, dem Wali-Kino und natürlich – kollektives, bedauerndes Raunen angesichts des Verlustes – der „Blume Post“ von Erwin und Hilde Kaiser.

„Villingen – damals und heute“ lebt vom Bildmaterial. Michael Hoyer lud seine Zuschauerschaft daher am Ende ein, alte Fotos aus Privatbesitz mit ihm zu teilen, damit eine weitere, dann eine dritte Auflage der beliebten Fotoschau entstehen kann.