Nur der imposante Staffelgiebel und der gemauerte Teil des Hänselhofs standen nach dem Brand im Dezember 1985 noch. Foto: Sammlung Jürgen Kauth

Dramatische Szenen spielten sich am frühen Morgen des 12. Dezembers 1985 ab. Herta Weiling-Schlotterbeck wurde in letzter Sekunde aus den Flammen gerettet.

Vor vierzig Jahren, am 12. Dezember 1985, ging es früh morgens wie ein Lauffeuer durch das Städtle: „De‘ Hänslehof brennt!“ Die Dürrheimer hatten feuchte Augen an diesem eiskalten Wintertag.

 

Kurz vor 6 Uhr war von zur Arbeit kommenden Auszubildenden des Restaurants Hänslehof Brandgeruch bemerkt worden. Um 6.25 Uhr ging der Notruf bei der Leitstelle ein. Kurz darauf raste die Dürrheimer Feuerwehr mit 40 Mann und allem verfügbaren Gerät, darunter die Drehleiter, zum Brandort. Doch das Eindringen in den Hänslehof war bei der starken Flammen- und Rauchentwicklung schon nicht mehr möglich.

Zuerst wurde Herta Weiling-Schlotterbeck, die frühere Besitzerin, aus dem ersten Stock über eine Leiter durchs Fenster gerettet. Andere Fluchtwege waren ihr abgeschnitten. Um 6.50 Uhr, vom Feuerwehrkommandanten Otto Moser angefordert, beteiligte sich die Schwenninger Feuerwehr als Überlandhilfe mit rund 50 Helfern und Geräten.

Inzwischen schlugen die Flammen aus dem komplett in sich zusammengefallenen Dach, fand doch das Feuer am Holz des Hofes reichlich Nahrung. Bis zu zwei Kilometer weit flogen die glühenden Schindeln. Die Feuerwehr musste sich darauf beschränken, von außen das Feuer niederzukämpfen und das nebenstehende Sporthotel und den nahen Wald zu schützen.

Abgebrannt ist alles, was sich im Haus befand: das Restaurant, der Johannitersaal, der Heuboden, die Wohnung von Herta Weiling-Schlotterbeck mit wertvollem Inventar und die Malteserstube.

Die 120 Gäste des Hänslehof-Hotels gegenüber wurden rechtzeitig geweckt und dort entstand außer ein paar geplatzten Fensterscheiben und vier beschädigten Pkw kein Schaden.

Kreisbrandmeister Rombach bescheinigte am nächsten Morgen am Brandort den beteiligten Feuerwehren eine „hervorragende Arbeit“. Ohne Zweifel hätte es keine Chance mehr gegeben, dass auch nur ein Mann unter Atemschutz zum Innenangriff hätte gehen können.

Foto: Sammlung Jürgen Kauth

Als einziges ist der weithin bekannte Staffelgiebel, der 1715 schon einmal einen Brand überstanden hatte, stehengeblieben, musste aber gesichert werden. Der geschätzte Schaden betrug rund drei Millionen Mark. Als Brandursache gaben die Ermittler eine defekte Elektroleitung an. Bis heute kursiert aber in der Bevölkerung noch das Gerücht, es sei eine nicht ausgedrückte Zigarette im Mülleimer gewesen.

Erst Bestürzung, dann Optimismus: Die Besitzer des Anwesens, die Brüder Seemann, wollten das alte Gebäude baldigst wieder neu entstehen lassen. Ein großes Richtfest wurde dann auch in dem mittlerweile erstellten Rohbau gefeiert. Die Seemanns strahlten bei Vesper und Kirschwasser unter viel Prominenz. Das täuschte aber damals darüber hinweg, dass hier eine „Beerdigung erster Klasse“ stattfand, denn kurze Zeit später kam die Pleite über die Baufirma Seemann.

Die Hänselhof-Brandruine von der Südseite her fotografiert. Damals war das benachbarte Appartementhaus als Hotel in Betrieb. Foto: Sammlung Jürgen Kauth

Unter Hoteldirektor Klaus Hofmann wurde dann nach zwei Jahren Stillstand – da der Hänslehof Konkursmasse war – ein neues Konzept entwickelt. Zusammen mit 70 Gesellschaftern plante man vier Restaurants, eine Bar vom „Feinsten“ und ein Gartenlokal. Der Begriff „Erlebnisgastronomie“ fiel hier zum ersten Mal in Dürrheim. Ende 1989 war dann der Wiederaufbau abgeschlossen. Seit 1996 ist der Hänslehof eine etablierte Fachklinik für Rehabilitation, die auf Mutter-Vater-Kind-Kuren spezialisiert ist.