Roland Dufner, Vorsitzender des Vereins für Heimat- und Orchestriongeschichte , bringt das Wunderwerk zum Spielen. Foto: Hella Schimkat

Der Verein für Heimat- und Orchestriongeschichte öffnet die Heimatstube in Unterkirnach alle zwei Wochen freitags von 15 bis 17 Uhr. Roland Dufner gibt Einblicke.

Unter Aufsicht können die Exponate dann in Augenschein genommen werden. Über drei kleine Bildschirme erhalten die Besucher Einblicke, Führungen können jederzeit zu einem anderen Zeitpunkt gebucht werden.

 

„Wir werden immer mal darauf angesprochen: Wir wussten nicht, dass es so etwas Tolles in Unterkirnach gab, sagen die Leute“, erklärt Roland Dufner, Vorsitzender des Vereins, bei einer Besichtigung.

Diese Orchestrions – ob Flöten-, Stiftwalzen- oder Hubfeld-Piano-Orchestrion – sind wahre Meisterwerke, an denen die Erfinder aus Unterkirnach oft länger als ein Jahr arbeiteten. Sie wurden dann unter anderem nach Russland und die USA geliefert, wo sie von wohlhabenden Musikliebhabern für viel Geld gekauft wurden.

Das erste Orchestrion im Museumsraum

Das erste Orchestrion, das im Museumsraum des Vereins stand, ist der „Jazbandor“, ausgerechnet ein Orchestrion, das wohl in Frankreich gebaut worden war.

Wer sich noch an das Gasthaus Rössle-Post erinnert, wo Edgar Moser-Fendel exquisite Mahlzeiten zubereitete, kann sich sicher auch an den Jazbandor erinnern, der im Foyer stand. Bevor sich die Gäste verabschiedeten, warf Moser-Fendel eine Münze ein und der Jazbandor, ein Stiftwalzenorchestrion, spielte eine Melodie – wobei es ordentlich schepperte.

„Das ist klar“, meldet sich Dufner zu Wort. Ein Orchestrion benötige eine gleichbleibende Temperatur, sonst verziehe es sich. Der Jazbandor stand im Foyer, im Sommer kam Wärme hinein, im Winter Kälte.„Unsere Musikwerke benötigen gleichbleibende Temperaturen und nehmen es übel, wenn mal ein Fenster offen stand“, betont Dufner.

Im zweiten Museumsraum stehen Exponate von der Arbeit auf dem Land. Foto: Hella Schimkat

„Von den sechs Orchestrions wurden zwei von Wolfgang Blessing und eins von Karl Blessing gebaut“, erläutert er. Keines der Musikwerke, die nach und nach gekauft wurden, sei in Ordnung gewesen. „Alle mussten von uns in oft monatelanger Arbeit repariert und zum Laufen gebracht werden – auch die Notenrollen hatten viel Reparatur nötig“, berichtet er.

Alle Orchestrions, die hier stehen, wurden ab 1910 gebaut. Der erste reine Musikkasten entstand 1820 in Unterkirnach, ab 1850 erhielten die Musikwerke den Namen „Orchestrion“.

Schillerndste Zeit der Dorfgeschichte

Die 120 Jahre dauernde Ära des Orchestrions sei die schillerndste Zeit der Unterkirnacher Dorfgeschichte gewesen, „diese Zeit darf nicht vergessen werden“, betont Dufner.

Er holt eine Notenrolle und legt sie in das Flötenorchestrion ein. Das Wunderwerk beginnt mit der Arbeit, und man weiß nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Es ist ein Orchester, das hier spielt. Unten ist ein Blasebalg, der für die passende Luft sorgt. Man wundert sich nicht, dass an diesem Werk länger als ein Jahr getüftelt und gebaut wurde. Ein Harmonium, das Schallplatten abspielt, gegen Geld natürlich, hat ihnen Günther Spohn gestiftet, es stand auf dem Speicher seiner Mutter.

Kunstwerke sollen nicht in Vergessenheit geraten

„Wir haben hier schon Konzerte gehabt, weihnachtliches Singen, Mundart, Kabarett und vieles mehr und sind bereit, dafür zu sorgen, dass diese Kunstwerke nicht in Vergessenheit geraten.

Jetzt geht es in den zweiten Museumsraum, den früheren Probenraum des Musikvereins. „Hier haben wir lange gebraucht, um den Raum herzurichten, da uns Corona in die Quere kam und immer nur eine Person hier arbeiten durfte“, so Dufner.

Welt des alten Handwerks auf dem Bauernhof

Hier tut sich die Welt des alten Handwerks auf dem Bauernhof auf – von gemalten Schilderuhren über Wollespindel, Stockwinde, Schrotmühle, Deichelbohrer bis zur Kirnacher Tracht.

Wie wurde Heu geerntet und aufbewahrt? Wie wurde das Kienholz gespalten? Wie wurden Holzschindeln hergestellt?. Leben und arbeiten vor vielen Jahren und auf manchen Höfen noch heute kann hier betrachtet werden. Und es könnte auch der Gedanke entstehen, ob die „gute alte Zeit“ wirklich so gut war? „Sie war ruhiger“, betont Dufner.

Die Aktiven des Vereins

Helfer gesucht
Die Helfer, die in monatelanger Arbeit dafür sorgten, dass die Musikwerke wieder spielten und viele Museumsexponate hergerichtet wurden waren: Alfred Weisser, Johannes Storz, Wolfgang Armbruster, Manfred Ragg , Hugo Weisser und Roland Dufner. „Wir sind geschrumpft, zwei Helfer sind verstorben, ein Helfer ist nicht mehr dabei, also sind wir nur noch zu dritt. So ist das Museum kaum am Leben zu halten, aber wir geben nicht auf. Wir suchen noch händeringend einen Helfer, der sich gut mit Holzarbeiten auskennt“, betont Dufner abschließend.