Eine Liebe zur historischen Gewändern lebt Reina Castaneda Meneses mit Nadel und Faden aus. Seit 25 Jahren näht sie ihre eigenen Kleider. Für das Burgfest auf der Geroldseck am Wochenende hat sie ein weiteres Gewand kreiert.
Bereits als Jugendliche hat Reina Castaneda Meneses ihre Liebe zum Gewand im Mittelalter entdeckt. Zu Hause ratterte die Nähmaschine. Ihre Mutter war Näherin in Grünheinichen, in der ehemaligen DDR. Kleidung wurde für den Westen genäht. Tochter Reina trug immer schon die schönsten Kleider mit Rüschen an den Hosen oder an den Söckchen. Im Alter von elf Jahren habe sie zum ersten Mal Titanic gesehen. „In die hübschen Kleider habe ich mich verliebt und sofort begann ich für meine Puppen zu nähen“, erzählt die 38-Jährige. Fortan habe sie die Nähmaschine immer begleitet. Endgültig gepackt habe sie das Nähfieber nach der Filmtrilogie „Herr der Ringe“. Originalgetreu habe sie ein erstes Kleid genäht.
Ihr erstes Schnittmuster habe sie mit 13 Jahren erhalten und einfach losgelegt. Das Taschengeld fand sich in den schönsten Stoffen bestens angelegt. Weiter habe sie es mit dem Klöppeln versucht. „Spitze war unheimlich teuer“, erklärt sie.
Ihre zweite Leidenschaft ist die Feuerwehr
Anlässlich der Landesgartenschau in Lahr habe sie ehrenamtlich die Römergruppe unterstützt und lernte „wunderbare Frauen“ kennen, die ihr noch so manche Kniffe auf der Nähmaschine beigebracht hätten. Arbeiten mit Schnittmuster sei vergleichbar einem Puzzle für Erwachsene. Aufpassen heißt es bei der Stoffauswahl und beim Auslegen der Stoffbahnen.
Apropos Stoffe; diese holt sie sich in der Regel von einem „fliegenden Händler“, der durch Deutschland reist und regelmäßig in Freiburg, Villingen-Schwenningen oder Dresden Halt macht. Aber auch aus so manchem Bettlaken vom Outletmarkt sei bereits ein gutes Gewand entstanden. Niemals wollte sie ihre Kleidung oder das Zubehör, wie eine warme Stola oder einen Schal kaufen. „Alles selbst gemacht, versteht sich“, sagt sie ruhig.
Für ihre weiteren Werke schaut sie regelmäßig die Serie „Outlander“. Karierte Stoffe liegen bereit und wurden bereits verarbeitet. „Ich wollte einmal ein Wikingerkleider nähen“, erzählt sie und schaut in ihr Stoffregal, in dem sich bunte Stoffe wie Buchrücken aneinanderreihen. Als „Masterpiece“ („Meisterwerk“) bezeichnet sie die Fertigkeit, Nähmaschine und Stiche von Hand zu kombinieren. Ihre Schneiderpuppen sind immer bekleidet.
Ein besonders schönes Gewand wird sie jetzt am kommenden Wochenende anlässlich des Burgfests auf der Geroldseck tragen. „Historische Feste und Märkte besuche ich grundsätzlich reihum in angemessener Kleidung“, sagt sie. Am Hemd ihres Lebenspartners aus altem Leinenstoff zeigt sie filigrane Schlaufen, die Knöpfe am Handgelenk schließen und beginnt zu schwärmen: „Ich liebe es.“ Viel Zeit für weitere Hobbys bleibt ihr neben dem Beruf als Keyaccount-Managerin bei einer Softwarefirma nicht.
Hätte sie da nicht auch ihr Herz für die Feuerwehr entdeckt. Eine eher junge Liebe zwar, aber nicht weniger leidenschaftlich: Seit zwei Jahren gehört Castaneda Meneses der Feuerwehr-Abteilung Heiligenzell an. Sie wohnt direkt neben dem Feuerwehrhaus. Selbstverständlich habe sie dort einer guten Freundin bereits eine Tasche und einer weiteren einen Umhang für den Vierbeiner genäht. Nicht im Mittelalterstil, sondern aus Stoff von ausgemusterter Feuerwehrkleidung.
Burgfest
Am Sonntag, 1. September, laden ab 11 Uhr der „Verein zur Erhaltung der Burgruine Hohengeroldseck“ und die Feuerwehr Seelbach zum 16. Burgfest mit mittelalterlichem Flair ein. Dabei ist es die Kombination von Vergangenheit und Gegenwart, die das Besondere dieser Veranstaltung ausmacht.