Im Don-Bosco-Haus feiern Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mitten in Oberndorf gemeinsam ein Weihnachtsfest.
Es gibt viele Unterschiede an Heiligabend im Don-Bosco-Haus. Und schon, wenn man die Flüchtlinge, die die Einladung zur gemeinsamen Weihnachtsfeier angenommen haben, als „Gruppe“ fassen möchte, scheitert das Vorhaben: Die Gruppe zerfällt, noch bevor sie gebildet ist – und das ist gut so. Denn ob vorsichtig „unter dem Radar“, ein bisschen zuversichtlicher als noch im Vorjahr, angekommen und integriert, oder da aber nicht angenommen: Jeder ist an diesem Abend Teil einer Gemeinschaft. Vorbehaltlos. Und unterschiedslos.
Beziehungsweise doch mit kleinen Unterschieden: Natürlich sind die Gastgeber an diesem Abend Gastgeber – und haben entsprechend zu tun –, Pfarrer Martin Schwer und Irmhild Sellhorst, unter anderem Leiterin der Fachstelle „Geflüchtete und Trauma“ des Katholischen Dekanats geben den äußeren Rahmen und die kommunikativen und religiösen Elemente vor.
Letztere bauen insbesondere auf das Licht. Vom Friedenslicht aus Bethlehem, das zunächst die einzige Quelle für etwas Helligkeit im Saal ist, und das von Kindern zu allen Menschen in diesem Raum getragen wird, über die Brücke, die die Fackeln zwischen Don-Bosco-Haus und Michaelskirche schlagen bis hin zur Lichtinstallation dort im Altarraum.
Doch noch einmal zurück. Natürlich sind auch Einheimische zur Feier eingeladen. Es wird gemeinsam gesungen, und auch jene, die nicht so recht singen können oder denen das Ablesen der kleinen Buchstaben in der noch nicht so vertrauten Sprache schwerfällt, machen irgendwie mit. Sie bilden Silben, summen. Die wenigen Einheimischen kennen die Texte auswendig. Zumindest zwei Strophen lang.
Natürlich wird auch gegessen. Und am Buffet wird Gemeinschaft förmlich greifbar. Pasta Bolognese, Falafel, Baharat-Hühnchen, Maklouba – mit Safrankreuz und Granatapfelkernen… Am Buffet werden viele zum Gastgeber. Und hier wird auch die Kommunikation formloser. Über Sprachgrenzen hinweg, da geht es manchmal nicht ohne Umweg, wird erklärt, was da an Leckerei zu erwarten ist. Und das geht teilweise auch bei Tisch weiter. Empfehlungen werden ausgesprochen, Kostproben gereicht.
Unterdessen hält es die Kinder nicht mehr so sehr auf ihren Plätzen. Sie dürfen jetzt den Weihnachtsbaum schmücken – was dann auch mit großem Eifer geschieht. Und während die größeren inzwischen Glück und Geschicklichkeit in Spielen beweisen, geben die kleineren nicht nach, bis die letzte Kugel am Tannengrün hängt. Auch wenn es dafür Erwachsenenhilfe braucht: Dort, ja, genau dorthin, knapp unter die Krone muss genau dieser Strohschmuck. Zufriedenes Strahlen. Gleichzeitig sind da auch jene, die einfach nur bedächtig essen. Sie spiegeln in diesem Moment das Bild von Geborgenheit.
Das Bild der Herbergsuche ist anschließend in der Kirche – hier wird es später auch ein Abendmahl geben – in besonderer Form präsent: In einer Installation von Sellhorst steht ein Satz aus dem Weihnachtsbrief, den Nikolaus Groß wenige Wochen vor seiner Hinrichtung 1944 im Gefängnis geschrieben hat.
Und dieser Text schließlich macht die „Mitte unseres Herzens“ zu Krippe und Herberge. Nach Bereitschaft wird hier gefragt. Und Mut gemacht wird in dieser Feier für das das „Dafür“, einem Leben von Freundlichkeit, die „wie das Licht ausstrahlt“.