Weihnachten hinter Gittern: Auch in der Justizvollzugsanstalt Villingen soll die Weihnachtszeit nicht spurlos an den Gefangenen vorbeigehen.
Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, der Gemeinschaft und der Familie – all das scheint hinter den Mauern eines Gefängnisses weit entfernt. Und doch wird auch hier versucht, ein Stück Weihnachtsstimmung aufleben zu lassen.
Wie das gelingt, erzählen Diakon Werner Ullrich und Stefanie Hörter, Leiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rottweil, zu der auch die Außenstelle in Villingen gehört, auf Anfrage unserer Redaktion.
Werner Ullrich ist im Auftrag der evangelischen Kirche in der JVA in Villingen als Gefängnisseelsorger tätig. Schon im Advent lädt Ullrich gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Martin Lienhart, der ebenfalls als Gefängnisseelsorger tätig ist, zu einem Adventsnachmittag mit Kaffee, Kuchen und musikalischer Begleitung ein.
An Heiligabend wird im Innenhof der JVA-Außenstelle ein Pavillon aufgebaut. Dort organisieren die beiden Seelsorger einen ökumenischen Gottesdienst für die Inhaftierten, erzählt Ullrich.
Zur Mittagszeit versammeln sich die Häftlinge unter dem Pavillon, während ein Posaunenchor weihnachtliche Lieder spielt. Bei alkoholfreiem Punsch und Gebäck kommt man miteinander ins Gespräch, schildert Ullrich. „Da kommen fast alle Gefangenen. Sie freuen sich über das Angebot“, erzählt er und lobt die Bemühungen der Haftanstalt, den Gefangenen die Weihnachtszeit zumindest ein Stück weit zu ermöglichen.
Belastende Situation
Welche Bedeutung die Weihnachtsfeier im Gefängnis hat und welche Besonderheiten die Feiertage dort prägen, erklärt Anstaltsleiterin Stefanie Hörter.
„Der Freiheitsentzug schränkt die Möglichkeiten sozialer Teilhabe erheblich ein. Gefangene können nicht nach Wunsch oder Bedürfnis ihre Familie, Freunde oder Bekannten treffen und mit ihnen in Kontakt treten“, führt sie aus. Dies sei für die Gefangenen eine belastende Situation. Gerade an Weihnachten, einem Fest, das wie kein anderer Tag für Hoffnung, Vergebung und gemeinsames Beisammensein stehe, würden diese Einschränkungen besonders schwer fallen, weiß die Anstaltsleiterin „Wir möchten den Gefangenen daher ermöglichen, dass dieser Tag trotzdem festliche Akzente erhält. Solche Rahmenbedingungen ermöglichen auch einen Zugang zu den Inhaftierten und sind letztlich ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Resozialisierung“, betont Hörter.
Dazu gehört neben der Feier an Heiligabend auch ein Weihnachtsessen, auf das die Häftlinge im Villinger Gefängnis nicht verzichten müssen. Grundsätzlich gebe es in der JVA einen Referenzspeiseplan, der das ganze Jahr über gelte, erklärt die Anstaltsleiterin. „Doch am ersten Weihnachtsfeiertag wird es eine Ausnahme geben. Wie in vielen Haushalten außerhalb der Gefängnismauern, soll auch innerhalb ein traditionelles Weihnachtsessen serviert werden. In diesem Jahr steht ein Sauerbraten auf dem Speiseplan“, verrät Hörter.
Niemand geht leer aus
Darüber hinaus erhalten die Gefangenen kleine Geschenke: Für die Adventsfeier stellt der kirchliche Dienst Geschenktüten bereit, am 24. Dezember überreicht der Bezirksverein für Straffälligenhilfe weitere Präsente. So soll niemand an Weihnachten leer ausgehen – auch nicht hinter Gittern.
Erweiterte Besuchsregelungen seien hingegen in der Weihnachtszeit aus „organisatorischen und personellen Gründen“ nicht möglich, bedauert Hörter.
Zwischen Weihnachten und Silvester folgt jedoch eine weitere Aktion: „Zwischen den Jahren wird ein zweitägiges Turnier mit einer Siegerehrung und kleinen Preisen für die ersten drei Plätze abgehalten“, so Hörter. Die Inhaftierten könnten dabei abstimmen, ob sie ein Dart-, Poker- oder Tischkicker-Turnier durchführen möchten. „Zudem wird zusätzliche Freizeit gewährt“, betont die Anstaltsleiterin.
Weihnachtsamnestie
Vorzeitige Entlassung
Unter Weihnachtsamnestie versteht man die vorzeitige Entlassung von Strafgefangenen in der Weihnachtszeit. Dadurch soll die Wiedereingliederung der Häftlinge vereinfacht werden, da viele Anlaufstellen über die Feiertage geschlossen haben. Gleichzeitig soll ermöglicht werden, dass die Gefangenen Weihnachten mit der Familie verbringen können. Inwieweit das Gefangene in Villingen betrifft, haben wir bei der JVA nachgefragt. „Aufgrund der Zuständigkeit der JVA Rottweil für Untersuchungshaft wurde kein Inhaftierter in der Weihnachtsamnestie entlassen“, so Anstaltsleiterin Stefanie Hörter.