Die Baumaßnahmen für das Projekt Kur- und Heilwald zwischen Schwarzenberg und Schömberg sind nach mehrmonatigen Lieferverzögerungen der Gerätehersteller inzwischen angelaufen.
Schömberg hat durch seinen hohen Waldanteil von mehr als 70 Prozent sowie seine topografische Lage eine besonders gute, sauerstoffreiche und reizstoffarme Luft. Als „Heilklimatischer Kurort der Premium Class“, mit einer langen Tradition bei der Heilung von Atemwegserkrankungen, hat der Kurort mit seinen drei Kliniken beste Voraussetzungen, um die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes zu nutzen, so Bürgermeister Matthias Leyn bei einem Pressetermin. Gemeinsam mit Bauamtsleiter Martin Dittler, dem Niederlassungsleiter der ausführenden Baufirma “Grün- und Landschaftspflege Garten Moser“, Christopher Ziegler, Ulrich Döbereiner, Geschäftsführer der Touristik & Kur (Tuk), Selina Schneller, ebenfalls von der TuK sowie Stefanie Stocker von der Pressestelle der Gemeinde Schömberg stellte der Bürgermeister den geplanten Heilwald in Schömberg vor.
Vorgeschichte Erst im September 2017 wurde auf Usedom der erste Kur- und Heilwald dieser Art in Deutschland eröffnet. Im Jahr darauf beschäftigte sich bereits der Gemeinderat in Schömberg mit diesem Thema. In Kooperation mit der forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt in Freiburg und den ortsansässigen Kliniken wurden im selben Jahr noch Kriterien für einen Heilwald in Schömberg erarbeitet, mögliche Waldstücke ermittelt und eine Satzung zur Ausweisung auf den Weg gebracht. Parallel wurde ein Förderantrag beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gestellt. Hier bildete das Projekt im Rahmen des Naturparkplanes 2030 zur Ausweisung von entsprechenden Gesundheitswäldern sogar ein Pilotprojekt.
Nutzen Ein Kur- und Heilwald ist ein Waldgebiet, so die Betreiber, das aufgrund verschiedener Eigenschaften zur Förderung der Gesundheit beitragen kann. Aufenthalte können zudem die Verschlimmerung, das Wiederauftreten und die Chronifizierung von Krankheiten verhindern. Ein Heilwald ist ein Waldgebiet, das für therapeutische Nutzung spezieller Indikationen gestaltet ist. Therapeutische Behandlungen im Wald sind geeignet, den Umgang mit Krankheiten sowie das Ausmaß der Behinderung durch diese Erkrankung günstig zu beeinflussen, wodurch auch chronische Krankheiten lindernd behandelt werden können.
Der hiesige Kur- und Heilwald soll allen Nutzergruppen wie Touristen, Bürgern und Klinikpatienten gleichermaßen offen stehen, sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch, so Bürgermeister Leyn.
Ausgestaltung Wie Selina Schneller weiter erläuterte, wird es in den Kur- und Heilwald insgesamt drei Eingangsportale und verschiedene Themenwege und Stationen geben. So soll beim Waldbaden schwerpunktmäßig die Auszeit vom Alltag gefördert und eine Einführung in das japanische Shinrin Yoku gegeben werden, der Themenweg „Auf zum Glück“ zum Nachdenken inspirieren und der „Pfad der inneren Stärke“ das geistige Wohlbefinden stärken. Sinnes-Stationen, Motorik-Parcours oder Jägersteig dienen dem Innehalten, der Bewegungstherapie und dem Durchatmen.
Verspäteter Baubeginn
Kosten und Termine Die Gesamtkosten für das Anlagen von rund 1450 Meter Waldwegen, zehn Quadratmeter Natursteinmauern, Lieferung und Aufbau von neun Motorik- und Sinnesgeräten, fünf Sitzbänken, zwei Himmelsliegen, vier Hängematten, Portalen, Schilderpfosten und Wegweisern sowie 290 Quadratmeter Ansaatarbeiten belaufen sich auf rund 186 000 Euro. 60 Prozent davon werden über den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gefördert.
Wegen erheblicher Lieferverzögerungen der Gerätehersteller konnte erst vor drei Wochen mit dem Bau begonnen werden. Christopher Ziegler ist jedoch zuversichtlich, den geplanten Fertigstellungstermin im März 2024 zu halten.
Ziele Das Ziel sei, so der Bürgermeister, die vorhandenen Gesundheitswirkungen des Waldes und des Heilklimas zu nutzen, um den Klinikstandort und den Gesundheitstourismus im Ort zu stärken. Durch das Wunsch- und Wahlrecht des Gesetzgebers können sich Patienten ihren Reha-Standort inzwischen selbst aussuchen. Deshalb biete sich dieses Thema für Schömberg sehr gut an. Die Einrichtung eines Kur- und Heilwaldes diene demnach der Gesundheitsförderung und der Rehabilitation und mache Schömberg als Kurort für Tages- und Urlaubsgäste sowie als Klinikstandort attraktiver.