Die Produkte der Waffenschmiede auf dem Oberndorfer Lindenhof sind gefragt. Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Die weltweite Sicherheitslage spielt „HK“ in die Karten. Weil sich die Großaktionäre aber nicht grün sind, muss die Hauptversammlung abgebrochen werden.

Es geht was auf dem Oberndorfer Lindenhof: Die Waffenschmiede Heckler und Koch freut sich über steigende Nachfrage und reagiert mit entsprechenden Investitionen auf die Entwicklung. In diesem Jahr hat man bereits eine neue Logistikhalle eingeweiht, am Donnerstag ist Spatenstich für ein neues Kundenzentrum. 50 Millionen Euro will man in diesem und im nächsten Jahr in Forschung und Entwicklung stecken.

 

Versammlung im Rottweiler Neckartal

Am Dienstag war Aktionärsversammlung. Der Ort: Rottweil, die Eventlocation „Pulverfabrik“, ein sonnendurchfluteter, dreischiffiger Werkstättenbau. Schießpulvermagnat Duttenhofer wusste eben, wie schöne Architektur und wirtschaftliche Effizienz Hand in Hand gehen.

Protestkundgebung kritischer Aktionäre

Fast Hand in Hand geht es am Dienstag auch zum Ort der Handlung. Bereits an der Einfahrt in den Gewerbepark Neckartal gibt ein Security-Mitarbeiter einen Hinweis darauf, dass an diesem Morgen nicht Normalbetrieb herrscht. Nicht mehr weit vom Versammlungsort entfernt stößt man auf eine Protestaktion, die das „Bündnis der Kritischen Aktionär*innen“ angekündigt hat, das sich gegen „Ausweitung von Produktion und Vertrieb todbringender Schusswaffen“ wendet, zu dem sich der „HK“-Vorstand durch „die so genannte ‚Zeitenwende‘“ legitimiert sehe.

Je näher man dem Versammlungsort kommt, desto präsenter sind die privaten Sicherheitskräfte, die in weißem Hemd und mit roter Krawatte sehr bestimmt, aber durchaus freundlich dafür sorgen, dass alle, die irgendwie reinkommen müssen, auch reinkommen.

Polizei ist vor Ort

Sogar die Polizei ist vor Ort – und trägt mutmaßlich Produkte jener Firma bei sich, um die und deren Zukunft – das ist ja eines der Ziele einer Aktionärsversammlung – es gehen soll. Die kritischen Aktionäre haben Gegenanträge vorgelegt. Und noch einer: Großaktionär Andreas Heeschen wendet sich gegen Beschlussvorschläge, die das Unternehmen den Aktionären unterbreitet hat. Hintergrund ist eine Auseinandersetzung, die seit Jahren juristisch ausgetragen wird, und in der erst einzelne Schlachten geschlagen sind.

Vorläufig stellt Vorstandschef Bodo Koch die Kennzahlen und ein Unternehmen vor, die sich sehen lassen können. So sehr „Qualität ‚made in Oberndorf am Neckar‘“ in der „ganzen westlichen demokratischen Welt gefragt“ sei, so wichtig ist vielen die Präsenz als Arbeitgeber in der Region, der einen Namen hat.

Dass dessen Handeln kritisch hinterfragt oder gar verurteilt wird, ist die andere Seite. Jedenfalls macht Bosch auch Werbung für Heckler und Koch am Standort Oberndorf – und er entwirft ein günstiges Bild.

Versammlung abgebrochen

Allein, die Versammlung entscheidet weder über die einen noch die anderen Anträge, sondern wird abgebrochen: Es fehlt die Stimmenanzahl von mindestens 50 Prozent, die die Versammlung zu Beschlüssen legitimieren würde.