Der Waffenhersteller Heckler & Koch baut auf dem Oberndorfer Lindenhof für 21 Millionen Euro ein Schieß- und Montagezentrum. Beim Spatenstich am Freitag kam man dabei auch nicht um das Thema Krieg in Europa herum.
Bei dem geplanten Gebäude handle es sich um einen großen Baustein des Investitionsprogramms hier in Oberndorf, betonte Jens Bodo Koch, CEO von Heckler & Koch beim Spatenstich auf dem Gelände an der Beffendorfer Straße. 21 Millionen Euro umfasst das Projektvolumen.
Rund 50 Millionen Euro habe man bereits in den vergangenen dreieinhalb Jahren in den Standort investiert – erst jüngst wurde die Logistikhalle eingeweiht. Weitere 50 Millionen an Investitionen, 21 davon für das jetzige Vorhaben, sind in den Jahren 2024 und 2025 noch vorgesehen. Ein klares Bekenntnis zum Standort Oberndorf, betonte Koch.
"Waffentechnik gehört zur DNA"
Das sah auch Bürgermeister Matthias Winter so und unterstrich die Bedeutung des mit mittlerweile mehr als 1000 Mitarbeitern größten Arbeitgebers in der Stadt mit den Worten, die Waffentechnik gehöre ebenso zu Oberndorfs DNA wie die Fasnet und andere Dinge.
Heckler&Koch habe bereits vorausgedacht, als die Zeitenwende noch gar nicht da gewesen sei, führte Winter weiter aus. Nun hätten sich die Zeiten geändert, und das spüre man seiner Ansicht nach auch in der Wahrnehmung einer gesteigerten Wertschätzung der Bundeswehr durch die Bevölkerung.
Bauzeit: 18 Monate
Er sei tief beeindruckt und gespannt auf den Neubau, meinte Winter und bezeichnete den Zeitplan als ambitioniert, wenn man bedenke, dass die Stadt einen einstelligen Millionenbetrag in die Sanierung des Talplatzes stecke und dafür zwei Jahre benötige.
Beim Schieß- und Montagezentrum ist von einer Bauzeit von 18 Monaten die Rede. Vielleicht könne man ja tatsächlich schon die Weihnachtsfeier 2025 dort feiern, meinte Koch.
Das geplante Gebäude wird etwa 160 Meter lang – allein schon, damit eine 100 Meter lange Schießbahn Platz finde, wie Jens Bodo Koch berichtete – und soll eine Fläche von 11 700 Quadratmeter umfassen. Platz für, so ist es geplant, 164 Mitarbeiter.
1,5 Millionen Schüsse jährlich
1,5 Millionen Schüsse sollen in dem neuen Schieß- und Montagezentrum jährlich abgegeben werden, fügte Koch an den Vertreter des Beschussamtes Ulm gewandt, hinzu. Parkplätze werden seitlich und dahinter geschaffen.
Weitere Parkplätze entstehen derzeit angrenzend an die Besucherparkplätze. Dafür wurde eine Fläche aufgeschüttet.
Neben Andreas Schnautz (CFO) und Marco Geißinger (CSO) von Heckler&Koch und Vertretern des Planungsbüros Planquadrat (Geschäftsführer Martin Geskes und die Projektleiter Fritz Heinrichs und Simone Schwatmann) waren auch der Leiter des Beschussamtes Ulm, Peter Dallhammer, Steffen Gaus (technischer Regierungsoberamtsrat und Güteprüfer bei der Bundeswehr) und der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser beim Spatenstich dabei.
Bekenntnis zum Standort
Letzterer lobte Heckler & Koch für ihr „strategisch gutes Verhalten“. Lediglich so genannte grüne Länder, die dem Wertekonzept entsprechen, mit Waffen zu beliefern, sei eine kluge politische Entscheidung gewesen, meinte Tappeser. An Ciceros Satz „Si vis pacem para bellum“ („Wenn du Frieden willst, bereite Krieg vor“) sei aber etwas dran. Und genauso Willy Brandts Worte, dass jede Zeit adäquate Antworten brauche. Und wenn Krieg sich plötzlich vor der Haustür abspiele, dann müsse man als Rechtsstaat auch mal sagen: Jetzt ist Schluss, so der Regierungspräsident.
Er sei dankbar dafür, dass der Waffenhersteller hier in Baden-Württemberg produziere und nicht an einem anderen Ort im Ausland, wo es vielleicht günstiger wäre.