Die Aufregung ist groß: Dass die "Aktion Deutschland Hilft" (ADH) eine Spende für die Flutopfer im Ahrtal von Heckler & Koch und seinen Mitarbeitern abgelehnt hat, sorgt für Wirbel. Auch beim Oberndorfer Waffenhersteller trudeln am Tag nach Bekanntwerden der "Abfuhr" viele Reaktionen ein – zum Teil von Betroffenen aus dem Ahrtal selbst. Und: Die ADH äußert sich auf Nachfrage unserer Redaktion ausführlich zu der Entscheidung.
Kreis Rottweil - Der Sprecher von Heckler & Koch berichtet am Mittwochmorgen auf Nachfrage unserer Zeitung, dass über Nacht "eine ganze Reihe an Mails von völlig fremden Menschen" beim Unternehmen eingegangen seien. Diese würden darin durchweg ihr Unverständnis über die abgelehnte Spende in Höhe von 15 000 Euro äußern. Die Entscheidung des Spendenbündnisses "Aktion Deutschland Hilft" (ADH) sei "beschämend und ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten", heißt es unter anderem in den Zuschriften.
Mitarbeiter verunglimpft
In der Tat fühlten sich die Mitarbeiter des Oberndorfer Unternehmens durch die Ablehnung der Spende "verunglimpft", berichtet der Sprecher von der Stimmung vor Ort. "Das sind ganz normale Arbeiter, die die Spendensammlung selbst initiiert haben." Sie wollten Gutes tun und die Flutopfer unterstützen. Der HK-Vorstand habe dann, wie es auch vom Spendenbündnis ADH vorgeschlagen wird, den gesammelten Betrag von 7500 Euro noch verdoppelt.
Dass das Geld nicht erwünscht ist, davon habe durch eine "nichtssagende und befremdliche" Mail des Aktionsbündnisses erfahren, die an den normalen Info-Posteingang des Unternehmens adressiert worden sei. Das Bündnis habe sich "nicht die Mühe gemacht", etwa den Vorstand direkt über die Absage zu informieren.
Geld zurücküberwiesen
Am Dienstag war bekanntgeworden, dass die HK-Spende mit Blick auf die "ethischen Leitlinien für Firmenspenden" von der "Aktion Deutschland Hilft" abgelehnt wurde. Statt die 15 000 Euro wie gedacht den Flutopfern zukommen zu lassen, wurden sie Wochen später an HK zurücküberwiesen – weil das Unternehmen als Hersteller von Kriegswaffen nicht den Wertestandards entspreche.
HK hat daraufhin ein Schreiben an das Aktionsbündnis öffentlich gemacht. In diesem äußert das Unternehmen sein Unverständnis über die Entscheidung und weist unter anderem auf die Rolle der in Oberndorf hergestellten Waffen für die Sicherheitskräfte Deutschlands, der EU und der Nato hin. "Wir wollen damit auch die Gesellschaft dafür sensibilisieren, was wir machen", so der Sprecher. Das ewige "An den Pranger stellen" des Unternehmens und seiner Mitarbeiter müsse aufhören.
Während im Netz durchaus auch Stimmen laut werden, dass der Waffenhersteller mit solch einer Spende sein "Gewissen beruhigen" wolle, ist in der Zuschrift eines Betroffenen aus dem Ahrtal angesichts der Ablehnung der Spende von "moralischer Überheblichkeit" der ADH die Rede. Heckler & Koch stelle Produkte her, auf die man "leider in dieser Welt nicht verzichten" könne und mit denen auch für die Sicherheit der Bürger gesorgt werde. Die Ablehnung der Spende sei "nur schwer zu ertragen".
Zeichen der Solidarität
Und nicht nur das: Die Geschäftsführung eines weiteren Unternehmens aus dem Kreis Rottweil hat Konsequenzen gezogen und eine bereits getätigte private Spende über 5000 Euro an das Aktionsbündnis zurückgezogen. Diese Spende sei mit Umsätzen erwirtschaftet worden, die auch aus engen Geschäftsbeziehungen mit Heckler & Koch resultieren. Man ziehe die Spende deshalb aus Solidarität mit HK und seinen Mitarbeitern zurück.
ADH bekräftigt Entschluss
Und was sagt die "Aktion Deutschland Hilft" zu diesen Reaktionen? Unter dem Dach dieses Spendenbündnisses haben sich 2001 Hilfsorganisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter, die Malteser, die AWO, World Vision, Der Paritätische und viele weitere zusammengeschlossen. Die Mitgliedschaft von "Islamic Relief Deutschland" ruhe seit 2020 bis auf Weiteres, informiert das Bündnis auf der Website. Hier lasse sich der "nicht entschiedene Umgang mit den Verstößen von Individualpersonen in der Organisation" nicht mit dem eigenen Wertekodex vereinbaren".
Auf Nachfrage unserer Redaktion zum Fall Heckler & Koch bekräftigt die ADH mit Sitz in Bonn ihre Entscheidung. "Die ethischen Leitlinien sprechen hier eine klare Sprache", heißt es. Die Annahme von Geldern dürfe "in keinem Widerspruch zu unserem Auftrag stehen, der die Hilfe und den Schutz von Menschen in den Mittelpunkt stellt, die durch Krisen und Katastrophen in Not geraten sind." Und dies zunehmend auch in Ländern mit bewaffneten Konflikten. Vor diesem Hintergrund könne man "nicht vorbehaltlos das Geld eines Unternehmens annehmen, dessen Waffen auch in diesen Kriegen zum Einsatz kommen und humanitäre Not verursachen".
Im Einklang mit Regierung
Die ADH betont: "Natürlich erkennen wir an, dass Produkte eines Rüstungsunternehmens auch etwa zur Sicherung der Rechtstaatlichkeit beitragen, allerdings ist das in einer Spende nicht zu differenzieren." Ebenso wenig bezweifele man, dass Heckler & Koch im Einklang mit der Bundesregierung handle. "Aus humanitärer Sicht verändert das aber nicht die Rolle, die Waffen in Kriegen und Konflikten spielen." Die Spende eines Rüstungsunternehmens könne deshalb nicht angenommen werden.
Blick auf Mitarbeiter
Und was sagt die ADH zu den Mitarbeitern von HK, die nun vor den Kopf gestoßen sind? Man schätze den Einsatz der Mitarbeitenden, die Betroffen des Hochwassers zu unterstützen sehr, heißt es dazu von Seiten des Bündnisses. "Es liegt nicht in unserer Absicht dieses Engagement zu diskreditieren." Dennoch stehe der humanitäre Auftrag "im Widerspruch zu der Spende eines Rüstungsunternehmens". Und diese sei eben nicht als private, sondern als Unternehmensspende an die ADH herangetragen worden.
Auf die Frage unserer Redaktion, wie häufig es überhaupt vorkomme, dass Spenden abgelehnt werden, heißt es: "Es ist eher normal – nicht zuletzt aufgrund der Informationen auf der Website – dass Unternehmen im Vorfeld einer Spendenaktion das Gespräch mit uns suchen und es in kritischen Fällen erst gar nicht dazu kommt, dass wir ein Spenden ablehnen müssen."
Die 15 000 Euro von HK werden nun direkt an das THW und an die schwer von der Flut betroffene Gemeinde Dernau gehen, bestätigt der HK-Sprecher. "Das ist alles schon abgsprochen". Direkt vor Ort freut man sich über die Unterstützung.