Seit vielen Jahren ist der Hilfsverein Kinderhilfe Rumänien aus Hechingen im osteuropäischen Land aktiv und unterhält dort mehrere Einrichtungen. Doch Änderungen in der Personal- und Gesetzeslage vor Ort erschweren die Arbeit inzwischen stark.
Später als ursprünglich gedacht wird der nächste Besuch von Edith Kirchmann in Rumänien stattfinden: Denn seitdem die Vorsitzende des Hechinger Vereins Kinderhilfe Rumänien vor vier Monaten zuletzt im osteuropäischen Land vor Ort war, hat sich einiges verändert.
So wurde die bisherige Leiterin der Kinderschutzbehörde in der westrumänischen Stadt Arad berentet: Die Nachfolge ist bisher noch ungewiss. Da die rumänische Stiftung Fundatia Ajutati Copiii (zu Deutsch: „Helft Kindern“) mit dieser Behörde einen Kooperationsvertrag hat, ist es laut dem Hechinger Verein sehr wichtig, wer in Zukunft zuständig sein wird.
Ein weiteres Problem: In einem Familienhaus schied aus Altersgründen die bisherige Verantwortliche aus.
Zudem verabschiedeten sich in den vergangenen Monaten vier Jugendliche, die volljährig wurden sowie fünf Geschwister, die eigentlich von einem Elternpaar adoptiert werden sollten, nun aber leider wieder abgegeben wurden und in verschiedenen Einrichtungen unterkamen.
Verein befürchtet denWeggang von Pflegeeltern
Insgesamt wurden in den neun Familienhäusern acht Kinder zwischen sieben und 17 Jahren neu aufgenommen. Neue Gesetzesvorschriften mussten realisiert werden, wie etwa die Reduzierung der zu betreuenden Pflegekinder einer Pflegefamilie von sechs auf vier Kinder. Diese neue Regelung betraf vier der Familienhäuser. Die Folge laut der Kinderhilfe: den Pflegeeltern steht nun weniger Geld zur Verfügung.
Der Vorteil sei aber, dass die Kinder besser betreut werden könnten – theoretisch. Aber mit weniger Geld für die täglichen Kosten und bei schwachen Gehältern könnten Pflegeeltern sich verabschieden, befürchtet der Hechinger Verein. Denn wie in Deutschland werden auch in Rumänien die Arbeitskräfte in sozialen Berufen immer rarer. Die Frage, wer heute noch Idealismus und Nächstenliebe ohne entsprechende Vergütung aufbringen würde, führe dabei auch zu drängenden Problemen von Vereinen und Stiftungen, die sich sozial engagieren.
Neuer Stiftungsrat für den Fall der Fälle gegründet
Seit Jahren sucht der Hilfsverein Kinderhilfe Rumänien aus Hechingen laut eigenen Angaben nach Personen, die ihm bei dem langjährigen Engagement für wurzellose Kinder in Rumänien helfen und bereit sind Zeit zu opfern.
Der Verein nennt auch Beispiele für die Betroffenen im Osteuropäischen Land: Etwa ein zehn Jahre altes Mädchen, das bei ihrem armen verwitweten Vater aufwuchs, der in einer Hütte lebt, selbst Hilfe braucht und das Mädchen gezwungenermaßen abgeben musste. Ohne vorherige Schulbildung besuche sie nun zwar regelmäßig eine Schule, tue sich aber schwer, sich zu konzentrieren, erklärt die Kinderhilfe.
In Rumänien soll nun ein Stiftungsrat gegründet werden, der im Falle eines Falles für den Fortgang der Stiftung verantwortlich sein wird. Die Personen wurden laut der Kinderhilfe bereits ausgewählt. Nun müsse alles dokumentiert und notariell beglaubigt werden.
Dabei stelle man sich im Verein immer wieder die Frage, ob man nach 33 Jahren nicht alle Einrichtungen schließen sollte, heißt es von der Hechinger Kinderhilfe weiter: „Aber was geschieht dann mit den über 60 Kindern, die zurzeit in den Familienhäusern leben?“, fragt sich der Verein.