Der Syrer Hussain Salan war im Hechinger Begegnungszentrum Refugio fest als Koch angestellt. Zuletzt hatte er bei der Spedition Barth eine Ausbildung begonnen. Jetzt droht ihm die Abschiebung. Foto: Steffen Maier

Hussain Salan ist in Hechingen gut integriert. Er hat einen Ausbildungsplatz und eine Wohnung. Trotzdem droht ihm die Abschiebung. Dagegen rollt nun eine Protestwelle.

So stellt man sich in Deutschland einen Muster-Flüchtling vor: Hussain Salan, 2022 auf der Flucht vor den Schergen des damaligen syrischen Diktators Assad nach Deutschland gekommen, hat einen Ausbildungsplatz als Fachlagerist bei der Spedition Barth, bestreitet seinen Lebensunterhalt selbst, hat eine eigene Wohnung in einem Hechinger Stadtteil und hat zwei Deutsch-Kurse (A1- und A2-Niveau) bestanden.

 

Außerdem ist der 25-Jährige ehrenamtlich engagiert: In seiner Freizeit arbeitet er im Hechinger Begegnungszentrum Refugio mit, für dessen Café-Restaurant er vor seinem Wechsel in die Logistikbranche als fest angestellter Koch gearbeitet hat.

Arbeit und Ausbildung darf er nicht fortsetzen

Am vergangenen Donnerstag wurde dem 25-Jährigen untersagt, weiterhin zu arbeiten und seine Ausbildung fortzusetzen. Im Rahmen des Dublin-Verfahrens soll Hussain Salan nach Österreich abgeschoben werden.

Als diese Nachricht in Hechingen die Runde machte, organisierte der Arbeitskreis Asyl sofort eine Unterstützungskampagne: Über das vergangene Wochenende wurden Unterschriften gesammelt, um Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) aufzufordern, auf eine Abschiebung nach Österreich zu verzichten und Salans Asylverfahren von Deutschland aus zu übernehmen.

823 Unterschriften in nur zwei Tagen

Der Aufruf, der auch am Sonntag bei der Anti-AfD-Kundgebung auf dem Obertorplatz unters Volk gebracht wurde, fand große Resonanz. Wie der AK Asyl jetzt mitgeteilt hat, wurden innerhalb von nur zwei Tagen 823 Unterschriften gesammelt.

Die Unterzeichner unterstützen den Appell an Dobrindt, in dem es heißt: „Hussain Salan ohne Not eine Fortsetzung seiner Ausbildung zu verwehren und in ein anderes Land zu verbringen, in dem er komplett fremd ist, widerspricht zutiefst unserem Rechtsempfinden und unserem humanitären Selbstverständnis.“

Der Appell lautet: „Zerstören Sie nicht mutwillig das Leben eines jungen Menschen!“ Und: „Fallen Sie nicht unserer eigenen Wirtschaft in den Rücken!“

Apropos Wirtschaft: Außer dem AK Asyl und Zollernalb-Landrat Günther-Martin Pauli, der sich persönlich für Salans Verbleib eingesetzt hat, ist auch die Geschäftsführung der Barth Logistikgruppe aktiv geworden.

Barth-Geschäftsführer Uwe Schempp und seine Ausbildungsleitung machen sich in einem Brief an Dobrindt und Bamf-Chef Hans-Eckhard Sommer für ihren Azubi stark: „Herr Salan (...) hat sich als äußerst zuverlässiger, engagierter und integraler Mitarbeiter bewiesen.“

Eindringliche Bitte des Arbeitgebers

Und weiter: „Der Verlust seiner Aufenthaltserlaubnis und dieser Ausbildungschance hat sowohl für Herrn Salan als auch für unser Unternehmen gravierende soziale und wirtschaftliche Konsequenzen. In Zeiten des Fachkräftemangels sind wir in besonderem Maße darauf angewiesen, qualifizierte Fachkräfte heranzuziehen und diese selbst auszubilden, besonders wenn die Motivation und das Potenzial eines Bewerbers, in diesem Bereich zu arbeiten, so groß ist wie bei Herrn Salan.“

Und dann gibt es für den CSU-Innenminister noch einen dezenten Hinweis auf wertegeleitete Wirtschafts- und Sozialpolitik: „Ein gerechter Zugang zu Bildung und dem deutschen Arbeitsmarkt entspricht nicht nur unseren unternehmerischen Grundwerten, sondern ist auch ein wesentlicher Bestandteil gelungener Integration.“

Vor diesem Hintergrund bittet der Barth-Chef „eindringlich“, Salan die Chance zu geben, seinen Lebensweg in Deutschland fortzusetzen.