Die Störche, die auf dem Weilheimer Kirchdach ihr Sommerquartier haben, sind tagsüber nur selten zu sehen. Foto: Klaus Stopper

Die drei Weilheimer Nachwuchs-Störche haben sich bereits einer Jugend-Reisegruppe angeschlossen. Ihre Eltern erholen sich derweil vom Aufzucht-Stress.

Viele können nachfühlen, wie es dem Weilheimer Storchenpaar aktuell geht. Endlich sind ihre Kinder aus dem Nest, da genießt das Elternpaar die Ruhe, macht viele schöne Ausflüge und futtert sich nebenbei noch etwas Fett auf die Rippen.

 

Gut, das mit dem Fett wünscht sich das Menschen-Elternpaare natürlich nicht, für die Weilheimer Störche aber ist das durchaus ein Ziel. Fragt sich eigentlich nur, warum man die Weilheimer Störche aktuell gar nicht mehr sieht?

Das Elternpaar speist tagsüber lieber auswärts

„Die sind noch da“, erklärt Gerd Eberwein, Weilheimer Ortsvorsteher und Storchenbeauftragter des Landkreises in einer Person, „aber die fliegen morgens früh weg, fressen sich den Tag über voll und kommen erst abends zum Schlafen wieder“. Die Aufzucht der drei Jungstörche habe die Eltern ganz schön geschlaucht, nun würden sie sich vor dem Abflug in den Süden eben noch etwas erholen.

Weilheimer Störche zogen drei Jungvögel groß

Mit ihrer Leistung als Eltern können die Weilheimer Störche dieses Jahr zufrieden sein. Drei Jungstörche haben sie aufgezogen, und dem Nachwuchs hat es trotz Trocken- und Hitzephase im Juni an nichts gefehlt. „Die sind schnell gewachsen und waren am Ende gut im Futter“, so Eberwein, der die weißgefiederte Familie den ganzen Sommer über beobachtet hat.

Der Nachwuchs wurde Ende Juli rausgeworfen

Wie das bei Störchen so üblich ist, wurde der Nachwuchs dann Ende Juli aus dem Nest gedrängt. „Die flogen zwar immer wieder übers Nest, aber ihre Eltern ließen sie nicht mehr rein“, so Eberwein.

Die Jungstörche würden sich dann in Gruppen versammeln und irgendwann Richtung Süden abfliegen. Ohne Stress, ganz gechillt, wie das heute bei der Jugend so Brauch ist. „Wahrscheinlich machen die gerade am Bodensee Zwischenstation“, vermutet Eberwein. Ob sie von da Richtung Elsass fliegen bis nach Spanien, ob sie in der Südschweiz bereits ihr Winterquartier machen oder erst in Italien, das sei schwer zu sagen.

Wie lange das Elternpaar noch in Weilheim ist, lässt sich auch nur schwer vorhersagen. Ende August bis Mitte September werden sie abfliegen, vermutet Eberwein.

Spanien oder Marokko stehen zur Auswahl

Welches Winterquartier sie anpeilen, um dem deutschen Nebel-, Niesel- und Kältewetter zu entfliehen, das klingt auch für Menschen sehr plausibel. Elsass, wenn das Wetter mild bleibt, aber auch Portugal und Spanien kommen in Frage. Wen es ganz weit weg zieht, fliegt bis Marokko. Gar nicht schlecht, so ein Storchenleben.

Klimawandel erhöht Überlebenschance für Störche

Und auch ganz allgemein lässt sich sagen, dass es den Störchen aktuell ganz gut geht. 1988 wurden noch knapp 3000 deutsche Störche gezählt. Das war ein Tiefpunkt im Bestand. Danach ging es wieder aufwärts. 2023 lag die Zahl bei 12 000. Früher gab es die meisten Störche in Ostdeutschland, heute leben zwei Drittel des Bestands im Wesen.

In gewisser Weise profitieren sie vom Klimawandel. Wegen der milden Winter in Europa können sie in Italien oder Spanien überwintern. Der Kurztrip dahin ist weniger anstrengend als die gefährlichen Fernstreckenflüge, die bis nach Südafrika führen. So überleben mehr Störche und können sich im Frühjahr mit Schwung der Nachzucht widmen.