Die Hechinger Stadtkapelle mit ihrem Dirigent Michael Koch haben am Sonntag eindrucksvolle Werke in der Hechinger Stadthalle präsentiert. Foto: Klaus Stopper

Über 60 Musiker auf der Bühne – beim Jahreskonzert der Hechinger Stadtkapelle am Sonntag war ein Klangvolumen zu genießen, wie es nur live zu erleben ist.

Bis auf ein paar Randplätze waren in der Hechinger Stadthalle alle Zuschauerplätze voll belegt – Empore inklusive, und die Bühne hatte erweitert werden müssen um genug Platz zu schaffen für dieses Höchststufen-Orchester. Über 60 Musiker spielten, Instrumente wie Kontrabass, Fagott oder Oboe schufen das Sahnehäubchen auf einem Gesamtklang, der die Zuschauer begeisterte. Es war ein Hörgenuss und musikalisches Erlebnis zugleich, das an diesem Abend geboten wurde.

 

Dass hinter solchen Klangerlebnissen eine solide Jugendarbeit steckt, zeigten die Auftritte der Jugendkapellen 1 und 2 unter Leitung von Dirigent Markus Best zum Auftakt. Kleine Ensembles mit zwölf oder 16 Jungmusikanten. Es gehört ungeheurer Mut dazu, sich als junger Mensch auf einer Bühne so zu präsentieren. Aber neben fleißigem Üben gehört eben auch das Erlebnis von Auftritten dazu, um Spaß an dieser Musik zu entwickeln.

Sternenhimmel über der Wüste erscheint vor dem geistigen Auge

Die Früchte solcher Arbeit waren dann beim Auftritt des Hauptorchesters zu genießen. Drei Musiker aus dem Nachwuchsensemble spielten hier in diesem Jahr erstmals mit. Das Motto lautete „Von Heldinnen und Helden“, und damit war eigentlich schon klar, dass Filmmusik wohl den Hauptteil des Programms ausmachen wird. Ronny Stengel als Moderator gelang es an diesem Abend, mit kurzen Redebeiträgen den Heldenstatus der Protagonisten einzuordnen.

Den Auftakt machte „Laurence von Arabien“ buchstäblich mit einem Pauken-Wirbel. Die Musik eines Hollywood-Klassikers, die mit den komplexen Rhythmen ihrer arabischen Elemente hohe Anforderungen an die Kapelle stellte. Die elegisch-romantischen Teile dieser Kompositionen waren bewegend und ließen den Sternenhimmel über der Wüste vor dem geistigen Auge erscheinen.

Dirigent Michael Koch beeindruckt durch seinen Ausdruck am Taktstock

Aber Stengel hatte zuvor erklärt, dass das Wirken von Lawrence von Arabien historisch gesehen durchaus auch kritisch gesehen werden kann.

Was bereits hier für Faszination im Publikum sorgte, war der Stil von Michael Koch auf dem Dirigentenpult. Er lebt jede Faser der gespielten Stücke mit vollem Körpereinsatz und ausdrucksvoller Mimik mit, scheint sein Orchester teilweise geradezu zu hypnotisieren. Sicher ein Grund dafür, dass dieses Konzert einen grandios lebhaften Eindruck hinterließ.

Das zweite Stück bestand aus der Musik des Films über die „Weiße Rose“, eine Widerstandsgruppe im Dritten Reich, deren bekanntestes Mitglied, Sophie Scholl, ebenso wie weitere Mitstreiter von den Nazis hingerichtet wurden. Eine ergreifende Programm-Musik, mit treibenden Trompeten, unheilvollem Bassgegrummel und ergreifenden Holzbläserpassagen. Höhepunkt war eine Stelle, bei der man geradezu hören kann, wie die Flugblätter in den Innenhof der Münchner Universität flattern, die zur Ergreifung der Gruppe führten. Danach standen manchen Musikern Tränen in den Augen, so beeindruckend wirkt dieses Stück.

Konzert endet mit zwei begeistert erklatschten Zugaben

Die Pause ähnelte fast schon dem Neujahrsempfang der Stadt. Die Besucher unterhielten sich bei einem Getränk lebhaft und angeregt mit Bekannten und Musikern.

Der zweite Programmteil war bekannten Filmen wie Robin Hood und James-Bond gewidmet. Mit „Aretha“ hatte sich die Kapelle eine wirklich anspruchsvolle Komposition ausgewählt. Einmal abgesehen vom komplexen Grund-Rhythmus leben die Stücke der berühmten Soul-Sängerin doch gerade durch ihre charismatische Präsenz. In der Blasmusik-Version wird das durch ständig wechselnde Instrumente übernommen. Die Stadtkapelle bewältigte diese Aufgabe hervorragend, aber den mitreißenden Charakter der Originalstücke konnte die Komposition nicht ganz vermitteln.

Mit „Cartoon Highlights“ und zwei Zugaben nach begeistertem Beifall endete ein Abend, der den Zuhörern rundum Spaß gemacht hatte. Das Erlebnis, ein hochklassiges Orchester live zu erleben, zauberte allen ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.