Bildnerische Fantasien in unterschiedlichsten Stilen sind in der Jahresausstellung des Hechinger Kunstvereins zu sehen. Vernissage am Freitag war gut besucht.
Die Kunst in all ihrer Vielfalt durchweht in den nächsten Wochen die Hechinger Rathausflure. 51 Werke von 21 verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen sind hier im als Galerie bestens geeigneten Treppenhaus im Rahmen der Jahresausstellung zu sehen, die dieses Jahr unter dem Motto „Übergang“ steht. Zugänglich ist die Ausstellung während der Rathaus-Öffnungszeiten sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Ein erster Rundgang bei der Vernissage am Freitag zeigte eine Fülle von verschiedenen Herangehensweisen an die Frage, wie Kunst heutzutage aussehen könnte.
Wer von unten nach oben durchläuft, beginnt etwa bei der „Himmelfahrt“, einer Materialcollage von Marek Leszczynski. Eine Kleidebügelfigur mit Schuhen unten dran schwebt nach oben. Urkatholisch konkret gearbeitet, aber überzeugt dieser Glaube wirklich? Dann wieder abstrakte Arbeiten, die ganz eigene Zeichenwelten eröffnen. Wie können sie gelesen werden? Klaus Böhmes Collagen-Mischtechniken weisen den Weg die erste Treppe nach oben. Zuvor im Erdgeschoss aber prangt ein fast fotorealistisch gemaltes Bild einer sonnengrellen Hausfassade. Wer sich in Hechingen auskennt, findet vielleicht raus, um welches Haus es sich handelt. Und ein leeres Schaufenster am Marktplatz greift das Motto „Übergang“ auf. Wo geht es hin mit der Stadt?
Sonnengrelle Fassade als Rätsel für Hechinger Häuserkenner
Joachim Wörner bleibt seinem Stil aus dieses Jahr treu, allerdings verwischen die Farben mehr. Großformatige Arbeiten in Acryl, die intuitiv an Landschaften erinnern. Der Bildtext einer Arbeit von Susanne Michel fragt, „wie schnell ist man Fisch geworden?“, Brigitte Stein zeigt eine Skulptur mit dem Titel „Ehe im Lauf der Zeit“ in Raku-Brand.
Verblüffend die Arbeit „Under Pressure“ von Mechthild Marstaller auf der Bürgermeisterebene. Steinkohlen scheinen zwischen farbigen Folien zu glimmen. Ein Aufruf, es mit der CO2-neutralen Stadt bald ernst zu machen? Eigentlich auf eine ruhige Art schön ist das abstrakte Bild von Sylvia Grauer. Bis man den Titel liest: „Postcovid“. Da schaut man dann nochmal hin und überlegt, ob man hier Spuren findet.
Nach „Postcovid“ steht der Mensch auf einer Schaltafel Kopf
Die Menschheit steht Kopf, auch im Bild von Andreas Grunert, Hechingens bedeutendster und doch fast unbekannter Künstler, der ein Männlein auf einer Schaltafel im Kreis rennen lässt. Katrin Kinsler hat wieder eine Fotografie beigesteuert, Sabine Wilhelm-Stötzer geheimnisvolle Arbeiten mit Tusche auf Bütten. Die Kunstwerke sind da, nun müssen sich die Betrachter ihr eigenes Bild davon machen.
Zur Vernissage hatte Dorothee Müllges als erste Beigeordnete der Stadt und Sabine Wilhelm-Stötzer als Vorsitzende des Kunstvereins die Gäste begrüßt. Gundi Kleinschmidt verblüffte mit einer Rede, die den Bogen von der Geschichte der Farbpigmente zur Phantasie der Menschen seit der Steinzeit schlug, die eben auch von ständigen Übergängen geprägt war. Ihr Apell an den Geist der Betrachter: „Bleiben Sie lebendig.“