Bei der Hauptversammlung von „Kinder brauchen Frieden“ lag der Fokus auf der Berichterstattung über die Projekte. Foto: Florian Hofmann

Bei seiner Jahreshauptversammlung berichtete der Hechinger Kinderhilfsverein „Kinder brauchen Frieden“ über seine Projekte. Besonders dramatisch ist die Lage in Cherson in der Ukraine, wo der Verein in einer Kinderklinik Krankenzimmern bauen lässt.

Der Hechinger Kinderhilfsverein „Kinder brauchen Frieden“ hat im Jahr 2023 knapp 70 000 Euro an zweckgebundenen Spenden für die Ukraine-Projekte erhalten – und damit weniger als die Hälfte wie im Vorjahr für denselben Zweck. Das berichtete Tobias Schwarz, Kassier des Vereins, bei der jüngsten Hauptversammlung.

 

Aufgrund der dramatischen Lage im Kriegsgebiet in der Ukraine und der guten finanziellen Situation des Vereins, seien trotzdem knapp 170 000 Euro für Hilfsprojekte in der Ukraine investiert worden. Schwarz sprach zwar für das Jahr 2023 von einem deutlichen Defizit in der Kasse. Dieses sei jedoch so geplant worden, da im Jahr davor aufgrund einer Großspende ein deutlicher Überschuss erzielt werden konnte.

Im weiteren Verlauf der Hauptversammlung wurde der Schwerpunkt auf die Berichte aus den Projekten gelegt.

Hilfsaktivitäten in Kroatien

Begonnen wurde mit Berichten über die Hilfsaktivitäten in Kroatien durch Heidi Winz und Roman Schwenk. Beide unterstützen seit 30 Jahren den Verein in verschiedenen Rollen.

Projekt in Afghanistan

Andreas Bierlmeier berichtete über das Engagement in Afghanistan. Ohne selbst vor Ort sein zu können, gelinge es erfolgreich und zuverlässig zu helfen. Das liege in erster Linie daran, dass weiterhin eng mit dem Reutlinger Waheedullah Masoud zusammengearbeitet werde, dessen Bruder die Hilfe vor Ort in der Region Kabul organisiert. Masoud berichtete eindrücklich von der katastrophalen Lage in seinem Heimatland und der schwierigen politischen Lage unter der Taliban-Regierung, unter der hauptsächlich Frauen und damit deren Kinder leiden.

Darüber hinaus ermögliche der Verein durch monatliche Zahlung den Betrieb eines kleinen Zentrums in Kabul für Geburtsvor- und Nachsorge. Dabei werde Frauen geholfen, die sich keine medizinische Versorgung leisten könnten und mit ihrer Schwangerschaft und dem Neugeborenen auf sich allein gestellt seien.

Situation in der Ukraine

Es folgten eindrückliche Schilderungen über die Situation in der Ukraine. Dort werden immer wieder Projekte der in Reutlingen ansässigen Hilfsorganisation „3 Musketiere“ unterstützt. Diese verfüge über Netzwerke, Ausbildung und Mut, um selbst in die Ukraine zu fahren und zu helfen. So werde beispielsweise derzeit im Kriegsgebiet fernab von medizinischen Versorgungsmöglichkeiten in Containern behelfsmäßige medizinische Versorgungsstationen eingerichtet, was durch Spenden von „Kinder brauchen Frieden“ unterstützt wird.

Die Partnerin und Mitarbeiterin des Vereins, Nataliya Praedel, war online zugeschaltet und berichtete von der brutalen Lage in der Kinderklinik in Cherson. Sie war es auch, die im Vorjahr zusammen mit ihrem Mann Christian den von „Kinder brauchen Frieden“ ausgestatteten Rettungswagen nach Cherson brachte. Die Klinik in Cherson – nur durch den Fluss Dnipro von der Kriegsfront getrennt – sei praktisch täglichem Beschuss ausgesetzt, weshalb der Aufenthalt in den überirdischen Räumen der Klinik für die Patienten zu gefährlich worden sei. Mit finanziellen Mitteln der Landesstiftung Baden-Württemberg habe sie den Umbau von Räumlichkeiten im Keller zu Patientenzimmern organisiert.

Waisenkinder in Polen

Der erste Vorsitzende des Vereins, Jürgen Müller, berichtete über die Unterstützung von Waisenkindern in einem Kloster im polnischen Rakba. Begonnen hat die Hilfe dort für Waisenkinder, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen mussten.

Kinderhilfe in Bulgarien

Weiter berichtete er aus Bulgarien, wo seit vielen Jahren Kindern geholfen wird. So werden beispielsweise Mittagessen in einer Schule für Kinder mit Behinderungen finanziert, die aus sozial besonders schwachen Familien kommen.

Aktivitäten in Sri Lanka

In Sri Lanka ist der Verein seit dem verheerenden Tsunami 2004 aktiv. Dina Dietel berichtete mit Fotos von ihrer Reise im vergangenen Sommer. Im Land werde beispielsweise eine Schule mit Ausstattungsmaterialien und der Finanzierung einer Lehrkraft unterstützt.

Einsatz in Afrika

Seit der Gründung des Vereins vor über 30 Jahren wird Kindern und Jugendlichen in Ruanda und der D.R. Kongo geholfen. Für Januar 2025 planen die Verantwortlichen eine Reise nach Ruanda, um mit den Partnern vor Ort die Projekte abzustimmen.

„Kinder brauchen Frieden“ werben um Unterstützung

Rückgang
 Bei der Hauptversammlung berichteten die Verantwortlichen von „Kinder brauchen Frieden“, dass die Spendenbereitschaft, die Zahl an Mitgliedschaften und die Bereitschaft für aktive Mitarbeit zurückgehe. Es werde laufend aktive Mitarbeit gesucht in Projekten vor Ort, bei Bewirtungen von Veranstaltungen und zahlreichen administrativen Aufgaben. Weitere Veranstaltungen des Vereins und Möglichkeiten für eine Kontaktaufnahme: 29. November: Getränkeverkauf bei den Literaturtagen Albstadt; 23. und 24. November: Verkaufsstand Weihnachtsmarkt Kastanienhof Bodelshausen; 5. Dezember: Helfer- und Interessenten-Stammtisch im Refugio; alle Adventssamstage: Paket-Aktion mit Infostand an allen Adventssamstagen am Kaufland Hechingen in der Kaulastraße mit Unterstützung der Schirmherrschaft.

Ausstellung Susanne Pohl
 Bei ihrer Weihnachtsausstellung bietet Susanne Pohl den Gästen Kaffee und Kuchen an.Spenden hierfür sind für „Kinder brauchen Frieden“ bestimmt. Anders als von uns berichtet, übernimmt aber nicht der Verein die Bewirtung, sondern Susanne Pohl selbst.