CO2 hin oder her, im Bechtolsweiler Neubaugebiet muss niemand auf den Erdgasanschluss verzichten. Foto: Pixabay

Eigentlich will Hechingen den CO2-Ausstoß der Stadt senken – trotzdem wird eine Erdgasleitung verlegt für Häuslebauer im Bechtoldsweiler Neubaugebiet Mittelwies. Das hat der Gemeinderat gestern entschieden. Ein weiteres Thema waren Parkplätze.

Hechingen - Bunten-Rätin Almut Petersen hatte im Bauausschuss auf den Erdgas-Widerspruch hingewiesen (wir berichteten) und stellte nun den Antrag, keine Gasleitung zu verlegen. Es stimmten 17 Räte dagegen, nur elf dafür.

Argumente? Gemeinderat Bernd Zimmermann, Ortsvorsteher von Bechtoldsweiler, erklärte, man müsse für Grundstücksinteressenten ein verlässlicher Partner bleiben. Als das Baugebiet in Angriff genommen wurde, sei von Gasverzicht keine Rede gewesen. Kai Rosenstock (AfD) setzte sich für die "freie Wahl für Häuslebauer" ein.

Das von Bürgermeister Philipp Hahn vorgetragene Argument, Gasleitung könne auch Wasserstoff transportieren, fand Almut Petersen nicht überzeugend. Wasserstoff sei für Gebäudeheizungen viel zu ineffizient,. Petersen ist studierte Physikerin. Erstaunlich: Weder von CDU, SPD noch Freien Wählern kamen Statements zum Thema.

Almut Petersens vehement vorgetragenen Argumente, dass man nur die Hochwasser-Nachrichten anschauen muss um den Ernst der Klimakrise zu verstehen, dass beispielsweise Holzpellets praktikable Alternativen sind, dass die Stadt einen Klimamanager zahlt, der den CO2-Ausstoß verringern soll – egal.

"Immerhin sind das wahrscheinlich die letzten Meter Gasleitung, die in Hechingen verlegt werden" – diese Worte von Bürgermeister Philipp Hahn konnten Almut Petersens wütende Miene nach der Abstimmung nicht aufhellen.

Parkplätze am First: Es war für sie die zweite Niederlage des Abends, denn zu Beginn der Sitzung ging es um Pläne der Firma BPD, auf dem Firstgelände Mehrfamilienhäuser zu bauen. Da sind alle Gemeinderäte dafür. Meinungsverschiedenheiten gibt es darüber, ob die Stadt in dem Gebäude 30 Tiefgaragenplätze haben will. Werner Beck von Freien Wählern übte den Schulterschluss mit Almut Petersen bei der Forderung, Plätze zu mieten. Im Bauausschuss vorige Woche war das auch diskutiert worden. Argument gegen das Anmieten der Parkplätze war, dass das Neustraßen-Parkhaus erweitert werden soll, was aber ein Grundstücksgeschäft mit der EJL erfordert.

Darauf könne man sich angesichts der aktuellen Differenzen mit der EJL nicht verlassen, so Petersen und Beck. Bürgermeister Philipp Hahn verbreitete dagegen Optimismus. Aktuell liefen konstruktive Verhandlungen. Er sei für die große Neustraßen-Parkhaus-Lösung statt an vielen Stellen Kleinparkanlagen zu schaffen.

Die Kostenfrage stand auch im Raum. Lorenz Welte stellte für die CDU klar, dass man die First-Parkplätze viel zu teuer finde. Das sah auch Jürgen Fischer für die SPD so. Almut Petersen erklärte, dass die Parkplätze gerade mal ein Drittel sonstiger Tiefgaragenplätze in der Stadt kosten.

Und Parken in der Stadt immer eine emotionale Sache ist, gab es noch ein Wortgefecht. Jürgen Fischer warf FWV und Bunten vor, sie hätten doch die Obertorplatz-Tiefgarage verhindert. Die hätte alle Parkprobleme gelöst. Werner Beck konterte: "Es gibt halt gute und schlechte Verlierer". Das Ergebnis war dann hauchdünn: 12 Räte stimmten für die First-Parkplätze, 14 dagegen. Dem sonstigen BauKonzept der BPD wurde einstimmig zugestimmt.

Hofapotheke: Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Gemeinderäte auch dem Beratungsergebnis des Bauausschusses zum Gebäude Hofapotheke und zur Brandbrachfläche dahinter zu. Architektenwahl und Baukonzept sind damit beschlossen. Hahn deutete auch an, dass schon weitergehende Gespräche laufen, möglicherweise wird im Erdgeschoss des Neubaus eine Arztpraxis einziehen.

Weitere Tagesordnungspunkte waren noch die Sanierung der Realschul-Fassade. Dem wurde ohne Debatte zugestimmt. Ebenfalls einer Nachbesetzung des Gutachterausschusses Hohenzollern.

Beschlossen wurde, dass Glufamichel-Wirt Walter Huber weiterhin für die Schulmensa am Schloßberg kochen wird, der Wärmeplan und das Konzept für das Hechinger Ökokonto. Darüber werden wir noch berichten.