Eberhard Gfrörer und Bernd Mezger Foto: privat

Übelstes Wetter über zwei Monate hinweg haben Eberhard Gfrörer und Bernd Mezger erwischt, die Ende Mai am Nordkap zur Radtour rund um Westeuropa gestartet sind. Vor allem wochenlanger Gegenwind zermürbte. Bernd Mezger hat abgebrochen.

„Natürlich ist das schade, aber das war auch alles echt brutal und zermürbend“, berichtet „Ebi“ Gfrörer über den Ausstieg seines Freundes. Über Jahre hinweg hatten sie sich auf diese Tour als neugebackene Rentner vorbereitet. Aber auf diese Wetterbedingungen kann man sich nicht vorbereiten.

 

„Nach dem Start am Nordkap hatten wir drei schöne Tage, und danach war es eigentlich fast durchgehend regnerisch, kalt und windig“, so Eberhard Gfrörer beim Telefongespräch. Kalt heißt hier konkret bis zu zwei, drei Grad Celisius , und regnerisch schließt Eisregen mit ein.

„Aber Regen und Kälte wären gar nicht das Problem gewesen. Zermürbend war der Wind.“ Der blies stellenweise mit bis zu 100 Stundenkilometern. „Es gab Zeiten, da haben wir uns mit gerade mal fünf Stundenkilometern vorangequält, und das ist hart, wenn du noch 50 Kilometer vor dir hast.“

Und zudem ist Norwegen für Wanderradler zu der Jahreszeit auch ein schwieriges Terrain. Da hatten sich beide schon gefreut, die lange Tour um einen tiefen Fjord mal per Fähre abkürzen zu können, „aber dann fährt die nur im Sommer, und der hat da erst eine Woche später angefangen“. Und die Campingplätze waren zu der Jahreszeit auch entweder zu oder in erbärmlichem Zustand. „Die standen teilweise einfach unter Wasser“.

Leute glauben kaum, welches Ziel die Radler anpeilen

Wer zu der Jahreszeit campt, ist in Norwegen per Wohnmobil unterwegs. Dass jemand zelten will, wird aus nachvollziehbaren Gründen nicht in Erwägung gezogen. Und trotzdem hatten die beiden Radler unglaublich schöne Erlebnisse.

Die monumentale Landschaft dort, riesige Berge an eisblauen Seen, Hafenstädte mit bunten Holzhäusern, eine Natur, die einen ehrfürchtig stimmt. „Das hat sich echt geändert, wie ich Natur sehe. Da oben haben alle einen Riesenrespekt vor den Elementen, und wir jetzt auch.“ Das alles erlebt sich aus der Perspektive eines Fahrradsattels ganz anders als durchs Autofenster. Und durch ihre von einem Hechinger Karikaturisten gestalteten Shirts kamen sie oft ins Gespräch mit Leuten, die kaum glauben konnten, welches Ziel hier angepeilt wird.

Extremer Gegenwind zehrt an den Nerven

Aber jeden Tag Extremgegenwind, das zehrte extrem an den Kräften und an der Motivation. „Da haben wir auch einiges dazugelernt“, so Eberhard Gfrörer. Wer sich an einem Tag überanstrengt, kommt am nächsten Tag überhaupt nicht mehr voran. Für Bernd Mezger waren diese Touren dann irgendwann zu viel. „Klar kann ich das verstehen, sehr gut sogar, das habe ich mir ja auch kurz überlegt“, erzählt Eberhard Gfrörer. Aber für ihn sei diese Tour „die Reise meines Lebens“. Nach einem anspruchsvollen Berufsleben, in dem er so viele private Vorhaben aufgeschoben habe, wolle er nun endlich mal einen Traum verwirklichen, den er schon seit Jahren mit sich trage.

Die Pyrenäen im Visier

Also fuhr er alleine weiter. „Ich mache mittlerweile einmal pro Woche einen lockeren Tag mit ganz kurzer Strecke“. Und das, obwohl seine Oberschenkel olympiareife Umfänge erreicht haben. „Meine Frau meinte schon, ich soll auch mal was für obenrum tun“, erzählt er lachend.

Das Wetter ist mittlerweile besser, wie seine Fotos im Internet zeigen, „und ich treffe jeden Tag Leute, manchmal werde ich sogar zum Essen eingeladen“. Und campen geht mittlerweile natürlich auch ganz gut. Schließlich ist jetzt wirklich Sommersaison.

Aber die nächste Herausforderung wartet schon auf ihn: die Pyrenäen. Ein gewaltiges Massiv. Nicht umsonst mit seinen dramatischen Bergrennen stets ein Höhepunkt bei der Tour de France. Ein wenig ist er schon zurück im Zeitplan, ob er bis Marseille kommt, bezweifelt er mittlerweile.“

Hoffentlich klappt es mit dem Rückenwind

„Aber ich würde wahnsinnig gern Gibraltar erreichen.“ Allerdings nicht um jeden Preis. Wenn er merkt, dass es zu viel wird, könnte er auch das liebliche Loire-Tal entlang in Richtung Heimat radeln. „Da fällt mir dann auch kein Zacken aus der Krone, aber so lange ich noch Spaß habe und der Körper halbwegs mitmacht, bleibe ich dabei.“

Und vielleicht hat er ja endlich mal Glück und kriegt Rückenwind. Verdient hätte er sich das nun allemal.