Der Angeklagte soll die Geschädigte nach dem knappen Überholen vollständig ausgebremst haben. (Symbolfoto) Foto: Pleul

Er soll eine 25-Jährige zunächst sehr eng überholt haben. Anschließend soll er das Auto vollständig ausgebremst und wütend darauf eingeschlagen haben. So lautet die Anklage am Hechinger Amtsgericht gegen einen 58-Jährigen.

Hechingen - "Ich werde mich natürlich äußern", antwortet der 58-jährige Hechinger auf die Frage von Richterin Koch am Hechinger Amtsgericht. Seine Version unterscheidet sich erheblich von der der Geschädigten. Am Ende wird das Verfahren nach Paragraf 153a mit einer Geldauflage von 500 Euro eingestellt.

Das Auto der 25-jährigen Geschädigten sei ihm schon lange vorher aufgefallen, erzählt der Angeklagte. "Vier bis fünf Mal auf einer Strecke von zwei Kilometer ist sie ständig auf die andere Fahrspur gewechselt. Ich dachte, sie muss entweder unaufmerksam oder betrunken sein."

Auf der B 27 habe er dann die Lichthupe betätigt, um sie darauf hinzuweisen, dass er überholen wolle. Als er schließlich zum Überholen ansetzte, soll die Fahrerin "plötzlich von ganz rechts nach ganz links rübergezogen" haben, so die Schilderung des Angeklagten.

Die Geschädigte schildert die Geschehnisse an diesem Abend ganz anders

Anschließend sei er vor ihr zum Stehen gekommen und habe sie konfrontiert. "Ich muss vorausschicken: Ich bin von einem Ex-Freund meiner Freundin beinahe überfahren worden und seitdem wegen einer traumatischen Belastungsstörung 60 Prozent schwerbehindert."

Aus diesem Grund habe er sehr harsch reagiert. "Ich dachte, sie wollte mich umbringen." Er habe dann an "die Scheibe geklopft" und sie gefragt: "Willst du mich umbringen?". Er habe sich außerdem davon überzeugen wollen, dass es zu keinem Touchieren der Fahrzeuge gekommen ist. Da er während dem Überholen teilweise auf dem Grünstreifen gefahren ist, habe er das nicht ausschließen können.

Ganz anders schilderte hingegen die Geschädigte den Verlauf von diesem zweiten Weihnachtsfeiertag im Jahr 2019. »Von hinten kam er ziemlich schnell angefahren und gab sofort Lichthupe«, erzählt die 25-Jährige aus Ehingen vor Gericht.

Sie habe nicht gewusst, wie sie hätte reagieren sollen. Die Straße sei eng und ohne Mittelstreifen gewesen. Sie sei nicht davon ausgegangen, dass er sie hätte überholen wollen. "Erst als das Auto schon an mir vorbei war, habe ich mich wahnsinnig erschrocken, weil ich nicht dachte, dass da ein Auto überholen würde."

Als der Überholvorgang abgeschlossen war, habe er sie ausgebremst und zum Halten gezwungen. "An seinem Schritt hat man gemerkt, dass er sehr sauer war." Anschließend soll er auf die Frontscheibe, Motorhaube und Seitenfenster des Fahrers eingeschlagen und "lautstark geschimpft" haben.

Sie sei nicht ortskundig gewesen und sei daher nur etwa 70 Kilometer pro Stunde gefahren

Sie habe ihn dann mehrfach aufgefordert, weiterzufahren. "Erst nachdem mein Freund ein Foto gemacht hat und sich ein Auto von hinten genährt hat, ist er weitergefahren." Anschließend soll er ihnen noch etwa zehn Minuten gefolgt sein.

Der Staatsanwalt konfrontiert sie mit dem Vorwurf des Angeklagten, dass sie ihn habe umbringen wollen. Die Geschädigte ist sichtlich schockiert und bricht in Tränen aus: "Das ist eine krasse Aussage, nein, das war nicht mein Ziel. Ich frage mich, wie man auf so etwas kommt."

Sie sei nicht ortskundig gewesen und sei daher nur etwa 70 Kilometer pro Stunde gefahren. Sie sei nicht davon ausgegangen, dass man auf dieser Straße problemlos hätte überholen können. Es sei allerdings erlaubt gewesen, merkt der Verteidiger an.

Richterin Koch meint, dass es offenbar zu einem Missverständnis gekommen ist und die Geschädigte nicht davon ausgegangen ist, dass sie überholt werden würde. "Es ist ein großes und saublödes Missverständnis, was auch gefährlich hätte ausgehen können", sagt sie.

Im Einverständnis mit dem Staatsanwalt und der Verteidigung, wurde das Verfahren nach Paragraf 153a gegen eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro eingestellt. Der Geldbetrag kommt der Verkehrswacht Zollernalb zu Gute.