Etwa 400 Teilnehmer haben am Samstag auf dem Obertorplatz für Menschenrechte, Demokratie und Vielfalt demonstriert. Wie wenig sie davon hält, hat die AfD zuvor im Stadtspiegel angedeutet.
10.30 Uhr auf dem Obertorplatz. Das Wetter ist sonnig und mild. Auf dem Sitzpodest in der Mitte des Obertorplatzes ist ein Zelt und eine Lautsprecheranlage aufgestellt, die Band Wolfbeat spielt, Ordner und Organisatoren blicken besorgt, bis kurz vor 11 Uhr dann doch der Zustrom zur Demo für Menschenrechte, Demokratie, Vielfalt und Integration einsetzt. Es werden 400 Teilnehmende.
Weniger als bei der Demo vor einem Jahr. Lag es daran, dass die CDU-Gemeinderatsfraktion diesmal abgelehnt hatte, sich aktiv an der Demo zu beteiligen? Das sollte im Zusammenhang mit der Demo jedenfalls noch Wellen schlagen. Aber dazu später.
Demonstranten vertreten unterschiedliche politische Richtungen
Die Demonstranten, die kamen, vertraten ganz unterschiedliche politische Richtungen. Viele hatten keine Plakate dabei, andere solche mit der Arfschrift„Oma gegen rechts“, aber auch ein Minigrüpplein MLDP-Mitglieder, das Jugendzentrum, Kinder brauchen Frieden und Verdi zeigten Flagge. Kinder trugen Schilder, auf denen Buntheit gefordert wird, andere in Brauntönen gehaltene Plakate warnten vor dem Rückfall in die Zeit der Nazi-Herrschaft.
Warnung vor simplen Vereinfachungen durch rechte Politiker
Auch von der Bühne herab wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Bunten-Stadtrat Tobias Wieck rief dazu auf, in sozialen Medien und in Diskussionen pluralistische Meinungen zu vertreten und für Demokratie einzutreten, „damit sich Geschichte nicht wiederholt“. FDP-Stadtrat Matthias Linckersdorff vertrat die Meinung, dass die Zahl der Geflüchteten das Land überfordert, wies aber andererseits auch darauf hin, dass die Einwanderung von Arbeitskräften für Deutschland wichtig ist. Jürgen Detel wies für die Bunte Liste darauf hin, dass das Land zwar komplizierte Probleme hat, die Rechten aber nur simple Vereinfachungen und Hetze als Antwort bieten. Menschenwürde achten, besonnen und ruhig mit politischen Argumenten reagieren, schlug er dagegen vor.
Felix Miller warnt vor Gefährlichkeit von Rechtsextremisten
Felix Miller von der SPD warnte davor, dass sich die Gesellschaft an rechtsextreme Hetzargumente gewöhnt. Die Nazis hätten 1933 in Monaten Deutschland unterjocht, weil viele gleichgültig geblieben seien. „Wenn Rechtsextremisten einmal die Hände an der Macht haben, gibt es keinen Weg zurück, mahnte er.
AfD setzt in Text im Stadtspiegel andere Parteien pauschal herunter
Und Miller ging dann auch frontal die CDU dafür an, dass sie sich nicht an der Demonstration beteiligt hat. Er bezog sich auf einen Beitrag der AfD im aktuellen Amtsblatt der Stadt Hechingen, in der die Partei sich nicht nur als „einzig nennenswerte Oppositionspartei“ bezeichnet – was eine Herabwürdigung der anderen Parteien ist, sondern im Zusammenhang mit Verweis auf ein Urteil auch all jene als „Antidemokrat“, „politischer Hetzer und ein Demagoge“ bezeichnet, die weiterhin bestimmte Überzeugungen zur Grund-Einstellung der AfD gegenüber Migranten vertreten.
CDU reagiert scharf auf Hetzer-Vorwurf der AfD im Amtsblatt
Das zumindest ha wohl doch noch die CDU aufgeschreckt, so dass ihr Stadtverbandschef Christoph Kühner per Mail an unsere Redaktion den Stadtspiegel-Text so interpretierte: Die AfD Hechingen bezeichne die Teilnehmer der Demonstration „im aktuellen Stadtspiegel als ’Antidemokraten’, ’politische Hetzer’ und ’Demagogen’“. Er stellt die rhetorische Frage: „Sollten Menschen, die mit ihrer entgrenzten Sprache die Spaltung der Gesellschaft befördern und die Sorgen der Bevölkerung nicht ernst nehmen, Verantwortung für unser Land bekommen?“ Warum CDU-Vertreter das nicht von der Bühne der Demo herab verkünden wollten, bleibt sicher eine umstrittene Frage. Wie der Stadtspiegel künftig mit herabwürdigenden politischen Parteiäußerungen umgeht, sicher auch.
Viele weitere Redner weisen auf Bedeutung der Menschenrechte hin
Kein Problem damit, bei dieser Demo zu reden, hatten jedenfalls Felix Fritz als Vertreter der SMV der Berufsschule, Friederike Heinzmann als evangelische Pfarrerin, Peter Duttweiler für die katholische Kirche, Almut Petersen für den Arbeitskreis Asyl, Ulli Kapalla für den Verein Downtown und das gesamte Team des Hechinger JUZ. Sie schilderten Ängste im Angesicht eines drohenden Rechtsrucks, die auf die Verpflichtung der Bundesrepublik auf Einhaltung von Menschenrechten und zur Integration aus dem Grundgesetzt heraus. Gewarnt wurde davor, dass Parteien des gemäßigten politischen Spektrums der Bundesrepublik sich der AfD annähern.
Und dann war eine Demonstration zu Ende, die friedlich verlief und im gegenseitigen Respekt, obwohl auch unter den Zuhörern durchaus kontrovers diskutiert wurde. 200 Meter entfernt hatte die Hechinger AfD einen Infostand. Konstruktive Gespräche über diese Kluft hinweg erschienen an diesem sonnigen Samstag als nicht möglich.