Im Beisein zahlreicher Gäste, darunter Mitglieder der ersten Stunde, wurde am Sonntag die Ausstellung "30 Jahre Alte Synagoge – (mehr als) 30 Höhepunkte" eröffnet. Der Pianist Clemens Müller und die Sopranistin Wei-Chen Chen umrahmten die Veranstaltung (oben rechts Norbert Kirchmann). Fotos: Maute Foto: Schwarzwälder-Bote

Ausstellung: Erinnerung an die Wiedereröffnung der Alten Synagoge / Zahlreiche "Sternstunden"

"Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung." Auch 30 Jahre nach den Worten Wilhelm Eckenweilers ist diese noch sehr lebendig. Mit einer Ausstellung wird an die Wiedereröffnung der Alten Synagoge im Jahr 1986 erinnert.

Hechingen. 15 Plakatwände, 15 verschiedene Themengebiete und die schwierige Aufgabe, eine Auswahl aus mehr als 500 Veranstaltungen zu treffen. Welche bekannten Persönlichkeiten waren in der Alten Synagoge nicht schon zu Gast? Welche hochkarätigen Konzerte haben den Zuhörern nicht schon so manche schöne Stunde beschert? Es sind ungezählte bewegende Momente. Und an diese erinnerten sich am Sonntag Gründungsmitglieder, langjährige Weggefährten und zahlreiche weitere Besucher. Der Pianist Clemens Müller und die Sopranistin Wei-Chen Chen umrahmten die Veranstaltung mit bewegenden Jugendstil-Liedern jüdischer Komponisten.

Begrüßt wurden die Anwesenden von Benedict von Bremen, pädagogischer Mitarbeiter der Initiative. In seiner Ansprache blickte er auf den 19. November 1986, den Tag der feierlichen Wiedereröffnung, zurück und ließ darin noch einmal den Mann zu Wort kommen, der sich maßgeblich um die Rettung der Synagoge verdient gemacht hat: Wilhelm Eckenweiler. "Erinnern wir uns daran, dass dieses Haus ein Ort des Gebetes war, der Zusammenkunft von Menschen in Freud und Leid, in Hoffnung und Verzweiflung." Bis Wilhelm Eckenweiler diese Worte vor 30 Jahren sprechen konnte, lag ein langer und schwieriger Weg hinter denjenigen, die sich 1979 zur Initiative Hechinger Synagoge zusammengeschlossen hatten.

Verein hatte mit vielen Rückschlägen zu kämpfen

An die Anfänge erinnerte Norbert Kirchmann, ein Mitglied der ersten Stunde, der damals im Verein das Amt des zweiten Vorsitzenden bekleidete und diesen heute gemeinsam mit Lothar Vees führt. Als dramatisches Beispiel, wie schlimm es um das Gebäude stand, zeichnete er das Bild der Kuppel, die herabzustürzen drohte. Der zündende Funke, um aktiv zu werden, sei letztendlich ein Seminar gewesen, an dessen Ende eine Unterschriftenliste die Runde machte. Die offizielle Geburtsstunde der Initiative schlug bei der Gründungsversammlung im Juli 1979.

In den darauffolgenden Jahren hatte der junge Verein mit vielen Rückschlägen zu kämpfen. "Es war ein dramatisches Hin und Her", brachte es Kirchmann auf den Punkt. Doch der lang gehegte Wunsch wurde Wirklichkeit: Am 19. November 1986 wurde das Haus im Beisein von 300 Besuchern, darunter 37 jüdische Gäste aus aller Welt, wiedereröffnet. "Die Synagoge sollte zu einer lebendigen Kultur- und Begegnungsstätte werden", so Kirchmann. Nicht nur die allererste Veranstaltung, sondern gleich eine ganze Veranstaltungsreihe wurde von Katja Rambaum, einer ehemaligen Musiklehrerin am Hechinger Gymnasium, initiiert. Unter dem Titel "Freitagabend in der Synagoge" vereinte sich von 1986 bis 1992 Musik mit Texten. "Diese Freitagabende gehören für mich zu den intensivsten und glücklichsten Momenten", ließ Katja Rambaum die Anwesenden am Sonntag an ihren Erinnerungen teilhaben.

Ein bekannter Gast, der seit 2007 regelmäßig in der Synagoge auftritt, ist Rudolf Guckelsberger, Sprecher in der Reihe "Literatur und Musik", der gleich bei seiner ersten Lesung den Wunsch verspürte: "Unter diesem Sternenhimmel möchte ich zuhause sein." Diese Empfindung teilt er mit vielen weiteren Besuchern, die in der beeindruckenden Ausstellung, deren Konzept bei der Vernissage Heiner Wolf erläuterte, an zahlreiche "Sternstunden" erinnert werden.