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Hechingen Zigaretten, Fälscher und Japaner

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Rechts eine Darstellung aus Aschenputtel, oben ein Blick in die Ausstellungsräume im Hohenzollerischen LandesmuseumFotos: Stopper Foto: Schwarzwälder Bote

Einer hat als Fälscher 300 Juden gerettet, ein anderer das Zigarettenrauchen gefördert, wieder ein anderer in Japan das romantische Deutschlandbild geprägt, allesamt waren sie herausragende Grafiker – die aktuelle Ausstellung zu Grimms Märchen im Hohenzollerischen Landesmuseum ist sehenswert.

Hechingen. Natürlich kann man beim Museumsrundgang viel Historisches über die Brüder Grimm und ihre Zeit erfahren. Auch ein Rundgang mit Kindern macht hier Spaß, weil viele Grafiken gezeigt werden, die zumindest Kinder mit Märchenvorbildung viel sagen dürften. Sich die Geschichten wieder in Erinnerung zu rufen, ist sicher schön.

Aber auch Liebhaber künstlerisch hochwertiger Grafiken werden einen Besuch im Museum genießen. Jugendstil-Zeichnungen, die in ihrer Eleganz und Ausdruckskraft betörend schöne Kunstwerke sind, machen den Rundgang kurzweilig. Und die Beschäftigung mit der Geschichte hinter all den vielen Künstlern, die hier mit Arbeiten vertreten sind, lohnt sich. Ein Handy zur Online-Suche nach den Biografien dabeizuhaben ist sicher empfehlenswert. Hier nur ein kleiner Appetithappen:

Wenn japanische Touristen heute in der Gegen von Hanau vergeblich nach dem Original-Dornröschenschloss suchen, ist Otto Ubbelohde schuld. Die Drucke des 1867 in Marburg geborenen Grafikers wurden in vielen Ausgaben der Grimms-Märchen als Illustrationen abgedruckt, die auch in Asien eine große Verbreitung fanden. Und als Vorlage für Prinzessinen-Schlösser, Stadttore, Brunnen und sonstiger Märchen-Kulissen seiner liebevoll-detaillierten Zeichnungen nahm er eben die Gebäude, die er kannte. Dass er damit einmal das romantische Deutschlandbild von Japanern prägen würde, hat der 1922 gestorbene Künstler sicher nicht geahnt.

Ausweise und Lebensmittelkarten gefälscht

Auch von Paul Hey sind schöne Märchenillustrationen zu sehen. Dass der 1867 bei München geborene Künstler etwa 100 Grimm-Grafiken nur dafür schuf, dass diese 1939 in Zigaretten-Schachteln als Sammelbildchen beigelegt wurden, ist ein lustiger Aspekt des Märchenwesens.

Von Walter Crane, 1845 in Liverpool geboren, ist eine Froschkönig-Grafik zu sehen, deren Frosch-Abbildung als früher Vorläufer für Keith-Hearing-Pop-Art gelten könnte. Dann gibt es noch Grafiken von Emil Grimm, der zwar als einer der bedeutendsten Grafiker und Radierer des 19. Jahrhunderts gilt, dessen Ruhm aber von seinen beiden Märchenerzähler-Brüdern stark überlagert wurde.

Und dann gibt es noch Werner Klimke, dessen grafische Arbeit buchstäblich lebensrettend war. 1917 bei Berlin geboren, war er im Zweiten Weltkrieg Schreibstuben-Soldat und nutzte sein grafisches Talent, um für holländische Juden Ausweise und Lebensmittelkarten hervorragend zu fälschen. Etwa 300 Menschen soll er auf diese Weise gerettet haben.

Das hat zwar wenig mit Grimms Märchen zu tun, zu denen er erst viel später Illustrationen schuf. Aber die märchenhaft unwahrscheinliche Errettung aus höchster Not ist ja etwas, was auch viele der Grimm-Geschichten schildern. Also klare Empfehlung: rein ins Landesmuseum.

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