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Hechingen Wie es wohl gewesen wäre...

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Viel zu sehr ließ sich Nicole von ihrer Mutter und anderen Menschen in ihren Entscheidungen beeinflussen. Foto: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Jede Brücke, die man nicht überquert, ist eine verpasste Chance: Es ist eine Geschichte vom Hadern mit sich selbst, aber auch eine Ermutigung, seinem Herzen zu folgen. Die Theater-AG des Gymnasiums erzählt sie im Stück "Ein Bild von Dir."

Hechingen. Manchmal braucht es nicht viele Requisiten, um eine Botschaft zu vermitteln. Ganz im Gegenteil. An einem Tisch, an dem zwei Stühle stehen, kann sich im Rückblick ein ganzes Leben abspielen.

Auf einem von ihnen sitzt zu Beginn der Premierenaufführung im Hechinger Gymnasium am Donnerstag eine Frau. Ihr mit grauen Strähnen durchzogenes Haar und der Gehstock verraten, dass sie in fortgeschrittenem Alter ist. Vor sich hat sie ein Buch liegen. Doch es ist nicht etwa ein belangloser Roman, eine kurzweilige Erzählung, die sich Zeile für Zeile darin entfaltet. Es ist die Geschichte ihres Lebens; eines Lebens, das – wie bei fast allen Menschen – kein gerader Weg, sondern ein verschlungener Pfad mit vielen Kreuzungen ist.

Was wäre, wenn? Kaum jemand hat sich diese Frage nicht schon gestellt. Hätte ich doch nur, wäre ich damals – vielleicht wäre dann alles ganz anders gekommen. Sicherlich weiß niemand, ob dem auch so ist. Dennoch wird verpassten Gelegenheiten meist noch lange nachgetrauert. Oftmals ein ganzes Leben lang. Auch bei Nicole, wie die Frau im Stück der Theater-AG "Hechinger Freiheit" heißt, ist das so. Im Laufe der Handlung wird sie beinahe an ihren Erinnerungen zerbrechen. Wie große schwarze Vögel kreisen sie über ihr, beherrschen ihre Gedanken, packen wie aus dem Nichts plötzlich zu.

Ist normal nur das, was andere für richtig halten?

Während sich die Szenen der Vergangenheit vor ihrem geistigen Auge abspielen, erleben sie die Zuschauer ganz real. Auf der Bühne tummeln sich Kinder und Jugendliche, die ganz alltägliche Sorgen haben. "Warum kann ich nicht normal sein, was ist falsch an mir?" Doch was ist schon "normal"? Ist man das nur, wenn man genau das macht, was andere für richtig halten? Nein, ist Nicole überzeugt.

"Du sollst nicht nur die Meinung der anderen annehmen, sondern dir auch deine eigene bilden." Denn etwas ist im Leben unheimlich wichtig zu wissen: "Man muss zu sich stehen, weil man einzigartig ist." Doch hat auch Nicole immer zu sich gestanden? Mit nur wenigen Handgriffen wird auf der Bühne ein Szenenwechsel eingeleitet. Die Zuhörer begegnen der jungen Nicole in ihrer Studenten-WG.

Immer wieder muss sie sich vor ihrer herrschsüchtigen Mutter rechtfertigen. Wieso interessiert sie sich bloß für diesen "Literaturkram" und warum wohnt sie mit Christina zusammen? Auch so ein schmerzliches Kapitel in ihrem Leben. "Wenn ich heute zurückdenke, dann war mir die Meinung meiner Mutter oder anderer Menschen viel zu wichtig. Vielleicht würde ich sonst mit Christina hier sitzen. Vielleicht hätten wir ein Kind adoptiert."

Stattdessen wurde es ein Leben mit Stefan, den sie nie verletzten wollte. Es braucht Zeit, bis sich Nicole eine bestimmte Frage stellt: "Hat meine Mutter noch immer Macht über mich oder liegt es an mir allein?" Und bis sie am Ende den entscheidenden Satz aussprechen kann: "Ich habe einen Neuanfang gewagt. Ich habe ein neues Bild von mir." Nach der Aufführung wurde das Ensemble, dem Schüler aus den Klassen acht bis zwölf angehören, mit viel Applaus bedacht. Obwohl sie mit dem Theater Lindenhof in Burladingen--Melchingen einen tollen Kooperationspartner an ihrer Seite haben und sich der Unterstützung ihrer Schule sicher sein können, haben sie das ernste und nachdenkliche Stück, das aus der Feder von Eliane Wien, Lea Braschler und Sophie Netzker stammt, weitgehend selbstständig erarbeitet.

"Man kann nur stolz sein, wenn man eine Gruppe hat, die so etwas auf die Beine stellt", betonte Schulleiterin Melanie Dreher. Zu sehen ist das Stück am Sonntag, 30. Juni, um 16 Uhr nochmals im kleinen Saal des Theaters Lindenhof.

Ihre Redaktion vor Ort Hechingen

Klaus Stopper

Fax: 07471 9874-21

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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