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Hechingen Wie damals nur mit Leder und Holz

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Bald wird die Orgel in der Boller St. Nikolaus-Kirche wieder in ihrer ganzen Kraft erklingen können.Fotos: Daiker Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kirche St. Nikolaus in Boll wurde im Jahre 1909 eingeweiht. Die Orgel von damals wird auch heute noch gespielt. Zurzeit wird sie restauriert.

Hechingen-Boll. Die Orgel wurde in einem Konzept im hochmodernen deutsch romanischen Stil passend zur Kirche gebaut. Architektonisch ein Guss. 1918 mussten die Pfeifen aus Zinn an die Rüstungsindustrie abgetreten werden. Diese konnten erst 1927/28 durch billigere Zinkpfeifen ersetzt werden. Im gleichen Jahr wurde ein Motor zur Windversorgung installiert. Bis dahin wurde die Luft zum Spielen der Orgel durch einen Kalkant (Balgtreter) erzeugt.

Eine Seltenheit ist die gut erhaltene Tretanlage, deren Bedienung heute mit einem Stepper aus dem Fitnessstudio vergleichbar ist. Die Tretanlage ist voll funktionsfähig und könnte jederzeit, beispielsweise bei Stromausfall, eingesetzt werden. Der Blasebalg wurde bereits komplett überholt und mit Leder und Papier abgedichtet.

Mitte der 60er-Jahre wurde das Kircheninstrument klanglich aufgehellt. Grundtönig war zu dieser Zeit im ganzen Land nicht mehr erwünscht. Da in der Pfarrgemeinde für neue Pfeifen kein Geld vorhanden war, wurde mit altem Bestand gearbeitet und die Orgelpfeifen abgesägt. Um höhere Töne zu erreichen, hatte man die Pfeifen halbiert, denn "je kürzer die Pfeife, umso höher der Ton", weiß der heutige Organist Markus Bogenschütz.

Doch seit damals wurde an der Orgel nichts mehr verändert, repariert oder überholt. Dadurch ist das Instrument sehr verstaubt. In Teilen sind Funktionen ausgefallen, was dazu führte, dass nicht mehr alles spielbar war. "Verschiedene Koppeln mussten stillgelegt werden, und Spielhilfen wie Druckknöpfe, die eigentlich das Spielen erleichtern, konnten nicht mehr bedient werden" berichtet Markus Bogenschütz.

All das veranlasste die Pfarrgemeinde die Orgel restaurieren zu lassen. Reinigen, Abdichten und Zurückführung in den Originalzustand von 1909– das sind die Arbeiten der derzeitigen Rekonstruktionsphase. Diese Arbeiten sind sehr aufwendig, denn die Orgel musste in all ihre Einzelteile zerlegt werden. Alle Teile, klein oder groß, wurden gereinigt und aufgearbeitet und nur in äußersten Fällen gegen neue ausgetauscht.

Ein Register fehlte und wurde von den Restauratoren nach dem Vorbild der damaligen Orgeln um die Erbauerzeit um 1900 nachgebaut.Wie in früheren Zeiten wird nur Leder, Papier, Holz und Leim verwendet.

Ein Glück, so etwas mitzuerleben

Ein kleines Schild an der Orgel zeigt, dass das Instrument von den Gebrüdern Stehle, Orgelbaumeister aus Bittelbronn in Hohenzollern, erbaut wurde. Die 1909 noch relativ junge Firma wurde 1894 gegründet. Das Exemplar in Boll war die zwanzigste Orgel, die von Stehle gebaut wurde. Die Restauration wird von Stehle Orgelbau (Inhaber Markus Hilbel) ausgeführt. Der heutige Inhaber war jahrelanger Mitarbeiter der Gebrüder Stehle und hat die Firma 2010 übernommen.

Bis zu vier Orgelbauer und Schreiner sind seit November des vergangenen Jahres in Boll am Werk. Über das sehr sorgfältige und akribische Arbeiten freut sich die Seelsorgeeinheit Hechingen St. Luzius als Auftraggeber. Sichtliche Begeisterung und Freude löst die Restauration auch bei Markus Bogenschütz aus. "Es ist ein Glück, eine Restauration in solchem Umfang mitzuerleben", sagt Bogenschütz. Vor allem wenn es die Orgel sei, auf der man selbst spiele.

"Kräftig und warm" wird der Ton sein

Bogenschütz berichtet weiter, dass sich auf zwei Manualen und Pedal 18 klingende Register verteilen. Diese verteilen sich weiter und bestehen aus mehr als 1000 Orgelpfeifen. Die Kleinste ist nur wenige Millimeter hoch und die größte weist eine Länge von fast fünf Metern auf.

Der Restaurationserfolg verspricht, einen wesentlich klareren, homogeneren Klangkörper des Kircheninstruments als bisher. Natürlich in all seinen ursprünglichen Funktionen und Spielhilfen. Orgelbaumeister Markus Hilbel bezeichnet den Ton nach der Restauration der Orgel als "kräftig und warm". Die Arbeiten sind bereits bis zum Intonieren der Orgel vorangeschritten und werden bis in wenigen Wochen abgeschlossen sein.

Die Pfarrgemeinde Boll freut sich besonders über die Orgelrestauration und rechnet momentan mit Kosten von insgesamt etwa 140 000 Euro. Davon entfallen gut 125 000 Euro auf die Orgel. Weitere Aufwendungen fallen für notwendige Arbeiten auf der Empore, wie zum Beispiel die Absturzsicherung, Malerarbeiten und elektrische Maßnahmen an. Außer einem Zuschuss der Erzdiözese Freiburg über 20 bis 25 000 Euro muss der Rest aus Eigenmitteln der Pfarrgemeinde Boll und Spenden finanziert werden. Für Spenden werden unter anderem Patenschaften für Orgelpfeifen angeboten. Infomaterial dazu liegt in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Boll aus. Aktuell gibt es schon mehr als 100 Patenschaften für die insgesamt 300 Pfeifen.

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