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Hechingen Ist es etwas Fundamentales?

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Das "gute Fundament" gerät in einer österreichischen Kleinstadt gehörig ins Wanken. Nicht nur in Gestalt der Statue des Dichters Peter Rosegger. Fotos: Maute Foto: Schwarzwälder Bote

Im Kleinen ist es ein Riss, der sich durch das Dorfidyll zieht. Im Großen ist es ein Krater, dem ein die Gesellschaft erschütterndes Beben vorausgeht: Mit dem Stück "Die Neigung des Peter Rosegger" hat sich das Hechinger Theatertrepple an eine Politsatire gewagt.

Hechingen. Eigentlich ist es offensichtlich. Es läuft so einiges schief im Dorf, in der Stadt, im Land, auf der Welt. Mitunter läuft es nicht nur nicht schief. Mitunter hängt es. Nur muss man die Menschen manchmal richtiggehend dazu zwingen, sich dies einzugestehen. Deutlich wurde das bei der Aufführung des Hechinger Theatertrepple, die am Samstag mehr als 70 Zuschauer verfolgten.

Hätte der Unternehmer Paul Wiesinger (Gustav Zahn) seinen Blick sofort auf das steinerne Denkmal gerichtet, hätte er Matthias Holzer (Berthold Lüdenbach) nicht unterstellt, im Vollrausch komplett am Thema vorbeizureden. Er hätte vielmehr gleich bemerkt, dass in seinem geliebten Heimatdorf etwas in Schieflage geraten ist. Im Mikrokosmos ist es nur eine Statue. In diesem Fall die des steirischen Dichters Peter Rosegger. Im Makrokosmos ist es hingegen ein Symbol. Ein Symbol, auf das alles projiziert werden kann, was für Gesellschaft steht. Auch der Begriff der "Heimat".

Fassungslos über Erdbeben

Noch hat der Sängerkranz Frohsinn wohlgemut sein Lied auf den Lippen. Das Lied vom "schönen Land". Vom "Steirer Land". So wie das Logo mit den Vereinslettern krachend zu Boden fällt, so hat sich jedoch auch im Dorf der Frohsinn verflüchtigt. Ob die Wandererin (Martina Ziegler), die die Szenerie als stille Beobachterin in Augenschein nimmt, das wohl ahnt?

Der Unternehmer Wiesinger jedenfalls ist fassungslos, als ihm die Bürgermeisterin (Simone Saedler) von einem Erdbeben an der slowenischen Grenze berichtet und postwendend anfügt: "Ich weiß nicht, ob es mit dem Erdbeben zusammenhängt, aber seit heute Nacht hängt der Rosegger schief." Was nicht sein kann, darf nicht sein.

Denn mit dem in Schieflage geratenen Rosegger wankt plötzlich auch der Besuch der Unesco. "Hier geht’s doch ums Kulturerbe und nicht um irgendwelche Slowenen!", redet sich Wiesinger in Rage. Doch seine Worte verhallen. Die Bürgermeisterin fürchtet um die Sicherheit der Bevölkerung und ein Experte vom Ministerium (Marius Voigt) erklärt den Bereich kurzerhand zum "potenziellen Absperrgebiet". Oder etwa eher zum Abschottungsgebiet, in dem rot-weiße Leuchtkegel den Grenzzaun symbolisieren? "Es könnte ein Riss sein", mutmaßt der Seismologe. "Es könnte aber auch mehr sein. Etwas Fundamentales." Und ja: "Es gibt eine Risikowahrscheinlichkeit."

Die Doppeldeutigkeit dieser Worte ist offenkundig. Schon lange ist klar, dass damit nicht nur Boden, Gestein und die Neuformierung der eurasischen Platte gemeint sind. Ebenso wie das Denkmal stehen sie sinnbildlich für ein Beben, das die Gesellschaft bis ins Mark erschüttert, das (politische) Themen im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise wie Magma an die Oberfläche treten lässt.

"Wir sind hier am Limit. Bis ins Menschliche rein. Je mehr Einwanderung, desto mehr will ich weg", erklärt denn auch Dorfbewohnerin Elfriede (Jana Lüdenbach).

Trost sucht Wiesinger in diesen turbulenten Zeiten bei der Archivarin Irmgard Trost (Anna-Maria Rager), mit der er Rosegger liest, wovon er sich vor allem eine Antwort auf seine persönliche Gretchenfrage erhofft: Was ist eigentlich "Heimat"?

Alles Zweifeln und Zaudern, Ringen und Ereifern, Verbergen und Verdrängen bringen die Mitglieder des Theatertrepples um Regisseurin Henriette Lüdenbach im Stück des österreichischen Autors Thomas Arzt so überzeugend auf die Bühne, dass die Emotionen beinahe greifbar sind. "Es war ein gutes Fundament", bemerkt der sich in den Alkohol flüchtende Matthias Holzer. Was sich darunter verbirgt, bringt indes noch so manchen Abgrund an den Tag.

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