Historischer Moment: Luca Schmidt, letzter Zivi der KBF, wurde gestern von den Geschäfsführern Gert Mohler (links) und Thomas Seyfrath verabschiedet. Foto: Deckert Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Körperbehindertenförderung verabschiedet ihren letzten Zivi / Helfer mussten sich früher viel Spott anhören

Von Sabrina Deckert

Mössingen. Früher waren sie als "Anarchisten" verschrien, zuletzt galten sie als perfekte Ehemänner. Zivildienstleistende haben viel mitgemacht. Damit ist nun Schluss: Nach 38 Jahren verabschiedete die KBF gestern den letzten Zivi.

Rund 16 000 junge Männer leisteten seither ihren Zivildienst bei der Körperbehindertenförderung Neckar-Alb (KBF). Gestern wurde der letzte Zivi, Luca Schmidt, verabschiedet. Er bleibt der KBF allerdings als Bundesfreiwilliger (BDF) erhalten, wie der neue Dienst heißt, der die große Lücke nach dem Aus der Wehrpflicht schließen soll.

Luca Schmidt hat am 1. Februar im Internat drei, Gruppe 14, einer Wohngruppe für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Mössingen, angefangen. Seine Aufgabe in der Wohngruppe war und ist es, für die Kinder und Jugendlichen zu kochen, sie zu pflegen, mit ihnen zu spielen und ihre Freizeit zu gestalten. "Ich mache alle Aufgaben gerne, aber am liebsten koche ich", erklärt der 19-jährige.

Auch wenn er kein Zivi mehr ist, Schmidt bleibt der KBF doch noch erhalten. Er wird ab 1. Januar als Freiwilliger des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) in seiner Wohngruppe weiter arbeiten. Danach möchte er seinen Realschulabschluss nachholen und eine Lehre zum Heilerziehungspfleger bei der KBF machen. Sein Zivildienst hat ihn darauf gebracht.

"Die jungen Männer, die hier arbeiten, sind die perfekten Ehemänner. Sie können putzen, waschen, Kinder versorgen", sagt Thomas Seyfarth, Geschäftsführer der KBF, und lacht. Das Image der Zivis habe sich in den 50 Jahren in denen es sie gegeben hat, stark verändert. "Am Anfang war man ja schon fast Anarchist, wenn man Zivi gemacht hat und nicht zur Bundeswehr gegangen ist". Später mussten sie sich abfällige Bemerkungen anhören: Bis Mitte der 90er-Jahre fiel schon mal noch das Wort "Drückeberger". Sein Stellvertreter Gert Mohler pflichtet bei: "Ich glaube, die Schwarzwald Klinik hat sehr viel am Image der Zivis verändert. Da gab es den ersten Zivi in einer TV-Serie – da konnten sich dann die Leute daran gewöhnen." 38 Jahre lang hat die KBF Zivildienstleistende beschäftigt.

Wie es nach den Zivis weiter geht, war lange unklar, denn viele Regelungen des neue Bundesfreiwilligendienstes kamen in letzter Sekunde. So wurde vor Kurzem erst beschlossen, dass ein Jugendlicher, der den BFD-Dienst absolviert, auch weiterhin Kindergeld bekommt.

Die KBF schaut mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. "Die Anzahl unserer Zivildienstleistenden konnten wir berechnen und auf die einzelnen Einrichtungen verteilen. Wer sich als BFDler oder zum FSJ meldet, das wissen wir nicht im Voraus", erklärt Seyfrath. Von 500 benötigen Kräften kann die KBF für das kommende Jahr 350 durch FSJ oder BFD abdecken.