Corona: Hechinger Damenmode-Hersteller beliefert nun auch Kliniken und Pflegeheime / Verkauf auch im Hechinger Shop
"Das sind wir dem Medical Valley schuldig", sagt Franz X. Bumiller stolz. Seine Firma Efix stellt Corona-Schutzmasken mit staatlich zertifizierter Wirksamkeit gegen Viren her. Kliniken und Heime werden beliefert. Auch im Efixelle-Shop in Hechingen gibt es diese Masken.
H echingen. Und sie unterscheiden sich grundlegend von den aus einfachen Stoffen genähten Modellen, die von vielen in den vergangenen Wochen von Textilfirmen oder auch von Hobbynäherinnen hergestellt wurden. Dass die Efix-Masken in einer ganz anderen Qualitätsliga spielen, beweist ein vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ausgestelltes Zertifikat. Damit sind diese Masken auch für die Verwendung durch Ärzte im OP-Bereich von Kliniken zugelassen, sagt Franz X. Bumiller.
Einfache Stoffmasken können bestenfalls bei einem Hustenanfall verhindern, dass sich ein Speichel-Sprühnebel in die Luft entlädt, wodurch andere angesteckt werden können. Trotzdem lassen diese Masken Viren grundsätzlich durch.
Mit den Masken, die Franz X. Bumiller herstellt, werden Viren aber zuverlässig aus der Atemluft herausgefiltert. In beide Richtungen. Sie bestehen aus drei Lagen. Die beiden äußeren aus einem so genannten Kettengewirk, im Prinzip ein sehr luftdurchlässiges und dennoch stabiles Netz, das eine Firma aus Frommern herstellt, mit der Efix schon lange zusammenarbeitet. Der entscheidende Unterschied ist aber eine spezielle Virenmembran in der Mitte, die beim Durchatmen fast alle Viren aussiebt.
Efix-Masken dürfen deshalb auch im OP-Bereich von Kliniken eingesetzt werden, ebenso sind Pflegeheime wie beispielsweise BeneVit sehr dankbar, solche Masken geliefert zu bekommen. Denn diese Masken schützen Personal und Bewohner gleichermaßen vor einer Ansteckung. Nur beim Umgang mit bereits infizierten Personen sind Masken mit höherem Schutzstatus vorgeschrieben. Diese sind aber sehr unbequem und kaum über längere Zeit zu tragen. Ob sie besser wirken, wird derzeit geprüft. Bumiller hofft, dass seine einfach und leicht zu tragenden Masken auch ihre Eignung für diese Zwecke beweisen können.
Und warum stellen nicht auch andere Firmen diese Masken her? "Als dieser Hype für einfache Stoffmasken ausgebrochen ist, auch bei vielen Textilfirmen hier in der Region, habe ich mich bewusst dagegen entschieden, da mitzumachen", erzählt Franz X. Bumiller. Ihm sei klar gewesen, dass der Markt hier schnell gesättigt sein wird, wenn so viele große Firmen mitmachen und die Produkte fast unbegrenzt waschbar sind.
Efix stehe als Modefirma für sehr hochwertige Produkte, erklärt Bumiller, "und das auf die Masken zu übertragen, das war die Ursprungsidee." Und hochwertig heißt für ihn in diesem Fall: Medizinisch wirksam. Also begann er sich zu informieren und wunderte sich immer mehr, wie viel Vertrauen bislang den selbstgenähten Masken entgegen gebracht wird. "Die dürfen ja nicht mal Schutzmasken heißen, weil sie eben gar nicht wirklich schützen", wundert er sich.
Über eine Firma aus Bayern Zugang zu einem Membran-Lieferanten erhalten
Es dauerte lange, bis er Zugang zu der Medizinbranche erhielt. Er lernte eine Firma aus Bayern kennen, die auf Schutzausrüstung für Kliniken spezialisiert ist, besuchte das Unternehmen, führte Verhandlungen. Und er erhielt Zugang zu einem Lieferanten, der die Virenabweisende Membran als Meterware aus China bezieht. "Das ist vielleicht fast das Schwierigste gewesen", so Bumiller.
Auch die Antwort auf die Frage zu finden, wie er die besondere Qualität seiner Masken zweifelsfrei nachweisen kann, kostete ihn viele Stunden Recherche am Telefon. Irgendwann fand er dann heraus, wie er seine Masken mit staatlichem Siegel zertifizieren lassen kann. Was ihn freut: Das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte betrieb die Zulassung mit Hochdruck und Engagement, weil hier der Mangel an Schutzausrüstung für Ärzte gesehen wird und jede Chance auf Abhilfe willkommen ist. "Was ich da erlebt habe, hat das meinen Glauben an staatliche Institutionen sehr gefestigt", sagt er. Die Hohenstein-Institute haben die Masken geprüft. Das Zertifikat steht seither.
Die Efix-Näherinnen arbeiten nun aber nicht nur für Kliniken und Pflegeheime, sie fertigen auch ein gewissen Kontingent für private Abnehmer. Im Efixelle-Shop an der Haigerlocher Straße sind sie zu kaufen, für zwölf oder 15 Euro das Stück. Nicht nur im neutralen Klinik-Hellgrün, sondern auch mit Schmetterlings- und Blümchendekor. Über Exemplare mit Strass wird nachgedacht. Die Krise und damit die Maskenpflicht könnte noch lange dauern, "da muss man ja auch modisch was liefern", sagt Franz X. Bumiller.
Und die anspruchsvolle Textilbranche findet mittlerweile Gefallen an den Efix-Masken. "Große, qualitätsbewusste Kunden wie etwa Breuninger nehmen einem keine selbstgenähten Masken ab", erklärt Franz X. Bumiller. Das sei rechtlich viel zu unübersichtlich. "Die riskieren dafür nicht ihren guten Namen". Mit dem Zertifikat sind nun aber auch die Großabnehmer auf der sicheren Seite und greifen zu.
"Ich bin vor allem froh, dass ich mit diesen Masken einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten kann", sagt Franz X. Bumiller. Schließlich sei Hechingen ein Medizintechnik-Standort. Da trage er gern seinen Teil zu diesem guten Ruf bei. Und zudem freue er sich, dass er jetzt wieder genug Arbeit für seine Näherinnen habe. "Aber viel verdienen werde ich damit nicht", betont er. Ein stabiles Polster müsse ein Unternehmer in der Zeit ohne Krise schaffen, "dann kann man auch schwierige Zeiten durchstehen."
Hechingen
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