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Hechingen Über die Frau, die nicht wieder kam

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Auf dem Schulhof stellen die Schüler den digitale Bilderrahmen vor (von links): Nadja Fröhle, Angelika Filatov, Sonja Maier, Moritz Weber, Alessandra Kohle, Flora Inturrisi, Laura Kohle, Esma Kaya, Kerstin Metzger. Mit dabei: Gemeinschaftskundelehrerin Pamela Rosenhahn, Benedict von Bremen (Initiative Hechinger Synagoge e.V), Roland Plehn (Schulleiter), Günther-Martin Pauli (Landrat) und Bürgermeister Philipp Hahn. Foto: Witte Foto: Schwarzwälder Bote

Die Abschlussklasse des Beruflichen Schulzentrums hat im Rahmen eines Projektes ein digitales Denkmal erarbeitet. Die Präsentation zeigt Biografien von Juden, die während des Dritten Reichen aus Hechingen deportiert wurden.

Hechingen. Eigentlich stellte sich der Hechinger Sponsor, der nicht namentlich genannt werden möchte, Stolpersteine vor. Doch als er der Abschlussklasse des Beruflichen Schulzentrums die Geschichte seines Großvaters erzählte, hatten die Schüler ganz andere Vorstellungen. Der Großvater wurde immer wieder von einer jüdischen Frau aufgesucht, die umherlief und um Essen bat – für sich und ihre Kinder. Wer im Dritten Reich Juden half, riskierte, in Schwierigkeiten zu kommen, doch trotzdem gab der Mann ihr etwas zu essen – bis sie eines Tages ankündigte: "Morgen kann ich nicht mehr kommen". Sie verschwand, es blieb unbekannt, wie sie hieß und was mit ihr passierte. "Die Schüler wollten bewusst etwas über einfache Leute machen, über deren Geschichte wenig bekannt ist", erzählt Projektlehrerin Pamela Rosenhahn.

Die Idee mit den Stolpersteinen sagte den jungen Menschen jedoch nicht zu: "Es hat uns nicht gefallen, dass die Steine mit den Füßen betreten werden", erklärt Schülerin Esma Kaya, die mit ihrer Mitschülerin Angelika Filatov das Projekt der Öffentlichkeit vorstellte.

Die Abschlussklasse machte sich an die Recherche und sammelte Informationen über Juden, die aus Hechingen vertrieben wurde. Die Schüler besuchten die alte Synagoge in Hechingen und hörten einen Vortrag von Benedict von Bremen der Initiative Hechinger Synagoge, die der Klasse auch Literatur und Archiv zur Verfügung stellte.

Digitaler Bilderrahmen soll bearbeitet und ergänzt werden

"Es war oft gar nicht so einfach, mehr über die Menschen in Erfahrung zu bringen als die Grunddaten", sagt Filatov. Doch die Klasse ließ sich nicht entmutigen und recherchierte solange, bis genügen Informationen zusammenkamen, um kleine Porträts zu erstellen. Von Bremen half bei der Recherche und dabei, die Texte zu überarbeiten und auch Bilder stellt der Verein zur Verfügung.

Schüler Moritz Weber übernahm die Aufgabe, alles in einer Präsentation zusammenzufügen. "Durch Corona haben wir irgendwann das meiste digital gemacht – manchmal wäre es schon schöner gewesen, sich öfter zu sehen um den aktuellen Stand zu besprechen", sagt er.

"Das Schöne an dem digitalen Bilderrahmen ist, dass er ständig bearbeitet und ergänzt werden kann", sagt Filatov. Die Idee ist, dass folgende Schulklassen daran weiterarbeiten und dass der Bilderrahmen an verschiedenen Standorten aufgestellt werden kann – etwa im Rathaus oder in der Synagoge. "Es ist sozusagen wandelbar", sagt Filatov: "Wir wollen ein Zeichen setzen, damit sich solche Gräueltaten nicht wiederholen".

Schulleiter Roland Plehn lobt die Schüler: "Sie können stolz sein auf Ihr Projekt, da es unsere Schule in einen Prozess überführt". Und begrüßt unter anderem Landrat Günther-Martin Pauli im Innenhof der Schule, um ihm den digitalen Bilderrahmen vorzustellen.

Das, was sich während des zweiten Weltkrieges speziell im Zollernalbkreis ereignete, sei vielen jungen Menschen gar nicht so präsent, sagt Pauli. Etwa, dass zwei große Gemeinden aus Haigerloch und Hechingen vertrieben wurden. Und: "Dass es in Bisingen ein Konzentrationslager gab, das wusste ich gar nicht", bestätigt Schülerin Esma Kaya. Es sei nicht selbstverständlich, in Frieden und Freiheit leben zu dürfen, meint Pauli und zeigt sich beeindruckt davon, was die Schüler aus der Anfangsidee entwickelt haben: "Sie haben nicht nur die Ideen Ihres Schulleiters umgesetzt, sondern eigene Ideen umgesetzt". Es wird spannend sein zu sehen, wie sich das Projekt in den nachfolgenden Klassen noch weiter entwickeln wird.

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