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Hechingen Theologe kämpt gegen Naziregime

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Im Austausch über das Wirken des Theologen Karl Barth: Pfarrer Herbert Würth (links) und Professor Jürgen Kampmann. Foto: Witte Foto: Schwarzwälder Bote

Das Evangelische Gemeindehaus eröffnet am Sonntag, 1. März, nach dem Gottesdienst um 10 Uhr eine Ausstellung über Karl Barth. Im Rahmen von drei Vorträgen informieren Referenten über das Werk und das Leben des Theologen, der im Jahr 1935 aus Deutschland vertrieben wurde.

H echingen. Er gehört zu den Mitgliedern der Kirche, die sich gegen das Naziregime äußerten: Karl Barth. Eine Wanderausstellung, die anlässlich seines 50. Todestages ins Leben gerufen wurde, macht nun im evangelischen Gemeindehaus Halt. Auf 16 Schautafeln wird das Leben und Werk des Schweizer Theologen dargestellt. Seine etwa 10 000 Seiten umfassende "Kirchliche Dogmatik" ist dort griffbereit.

Karl Barth wird am 10. Mai 1886 in Basel als ältestes von fünf Geschwistern geboren. Seine erste Stelle tritt er 1911 in Safenwil im Schweizer Kanton Aargau an. Die Universität Göttingen beruft ihn 1921 auf den Lehrstuhl für Reformierte Theologie – Barth arbeitet von nun an nicht nur als Prediger, sondern auch als Professor. Als er 1930 einen Ruf an die Universität Bonn annimmt, beunruhigen ihn schon bald darauf die politischen Entwicklungen in Deutschland. Er distanziert sich in der Streitschrift "Theologische Existenz heute" klar von den "Deutschen Christen", welche die Kirche mit dem NS-Staat gleichschalten wollen.

Im Mai 1934 unterzeichnet Barth die "Barmer Theologische Erklärung" der Bekennenden Kirche als maßgeblicher Verfasser, die noch heute in vielen evangelischen Kirchen zur Bekenntnisgrundlage gehört.

Da Barth den NS-Staat offen kritisiert und den Diensteid auf Adolf Hitler verweigert, muss er schon 1935 nach Basel wechseln, da ihm in Bonn die Lehrerlaubnis entzogen wird – unter anderem auch wegen folgender Äußerung: "Was ist denn geschehen in den Konzentrationslagern? (...) Wer das Wort Gottes zu verkünden hat, der muss zu solchen Vorgängen sagen, was das Wort Gottes sagt", erklärte er 1933 in einem Gespräch mit Berliner Pfarrern.

Zwischen 1932 und 1967 schreibt Barth die "Kirchliche Dogmatik" – er sieht die Aufgabe der Dogmatik in der kritischen Selbstprüfung der kirchlichen Rede von Gott. Und auch nach dem Krieg findet der Theologe klare Worte gegenüber den Nationalsozialisten: "Her zu mir, ihr bösen Hitlerbuben und -mädchen, ihr brutalen SS-Soldaten, ihr üblen Gestaposchurken (...) ihr Herdenmenschen alle, die ihr nun so lange geduldig und dumm hinter eurem sogenannten Führer hergelaufen seid!" – schreibt er 1945 in seinem Aufsatz "die Deutschen und wir".

Würth: "Barth ist einer der größten Theologen des 20. Jahrhunderts"

Pfarrer Herbert Würth kann sich vor Begeisterung über das Thema der Ausstellung kaum halten: "Karl Barth ist einer der größten Theologen des 20. Jahrhunderts", erklärt er und zeigt einige der Banner, die ab März in der Ausstellung zu sehen sind. In das Gespräch mit Professor Jürgen Kampmann von der Universität Tübingen, einem der Referenten, ist er so vertieft, dass die Relevanz des Theologen Barth für die wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der Theologie schnell deutlich wird.

Um einen guten Einblick in das Thema zu erlangen, ist die Ausstellung mit den gut sortierten Informationen aber besonders auch für Laien empfehlenswert: "Die Ausstellung richtet sich an alle, die sich für die Geschichte der Kirche interessieren", so Kampmann, der die Bildungsarbeit der evangelischen Kirchengemeinde in Hechingen lobt.

Auch in seinem privaten Leben geht der Prediger Karl Barth Wege, die für seine Zeit herausragend sind. Er lebt etwa eine Zeit lang mit zwei Frauen zusammen – zum einen mit seiner Ehefrau Nelly Hoffmann, mit der er fünf Kinder hat, und zum anderen mit Charlotte von Kirschbaum, auf deren fachliche Fähigkeiten er nicht verzichten will, mit der er aber auch eine Liebesbeziehung pflegt. "Dass Karl, Nelly und ich in dieses von uns nicht aufzuhebende Dreieck gestellt sind und dass wir dieses Dreieck anerkennen, dass ist für uns nicht ein willkürlicher Beschluss, sondern dazu bekennen wir uns (...)", schrieb von Kirschbaum 1935 in einem Brief. Vielleicht war der Theologe in seiner Lebensführung sogar unserer Zeit voraus – alle drei werden im gleichen Familiengrab beigesetzt.

Eröffnung: Sonntag, 1. März direkt nach dem Gottesdienst um 10 Uhr im Gemeindehaus.

Vorträge im Gemeindehaus:

Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr: Prof. Georg Plasger: "Karl Barths bleibende theologische Impulse".

Donnerstag, 19. März , 19.30 Uhr: PD Paul S. Peterson: "Karl Barths erste theologische Positionierung".

Donnerstag, 2. April, 19.30 Uhr: Professor Jürgen Kampmann: "Karl Barths Wirken und dessen Bedeutung in der nationalsozialistischen Zeit".

Die Ausstellung ist während der Gemeindeveranstaltungen sowie vor den Vorträgen ab 18.30 Uhr offen. Mit Pfarrer Horst Jungbauer unter Telefon 07471/13150 können Termine vereinbart werden.

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