Bis spätestens in 20 Jahren soll auch in Hechinger Heizkellern der letzte Öl- oder Gasbrenner abgeschaltet sein. Wie das gehen soll, war nun Thema einer Veranstaltung in der Stadthalle.
Was dort am Donnerstagabend stattfand, war der Startschuss für die Aufstellung eines Wärmeplans für Hechingen. Angesichts der Tatsache, dass die Stadt etwa 10 000 Haushalte zählt und laut Statistiken davon drei Viertel mit Öl oder Gas beheizt werden, war es erstaunlich, dass nur knapp 30 Besucher in der Stadthalle gezählt wurden.
Sollte der Rest gedacht haben, dass eine neue Regierung das alles zurücknimmt, dann haben sie sich nach Aussage von Wärmenetz-Expertin Anna-Laura Ulrich vom Solites Steinbeis-Forschungsinstitut für solare und zukunftsfähige thermische Energiesysteme geirrt. Wärmeplanungs- und Heizungsgesetze würden nur umsetzen, was das Bundesverfassungsgericht Jahr 2021 unter Berufung auf die Grundrechte künftiger Generationen der Politik aufgetragen habe: Die Deutschen müssen bis spätestens 2045 ihre Heizungen auf erneuerbare Energiequellen umgestellt haben.
Auf Hausbesitzer kommen hohe Kosten für Umrüstung zu
Und das betrifft jeden einzelnen Haushalt. Aber wie soll das klappen? Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten: Gebäude werden mit Wärmepumpen ausgerüstet, denn Strom gilt laut Gesetz als erneuerbare Energie, auch wenn das aktuell noch nicht vollständig der Fall sei, so die Expertin. Die andere Lösung wäre der Anschluss an eine Wärmeleitung, die ganze Quartiere von einem zentralen Punkt aus mit Heizenergie versorgen könnten.
Aber was bringt eine Wärmeplanung den Hechingern? „Kosten“, war die Antwort aus den Gästereihen, das Lachen darüber aber blieb im Halse stecken. Denn die Expertin meinte: „Die kommen ohnehin auf sie zu“, die Umrüstung sei unausweichlich.
Wärmeleitung wäre Alternative zur Wärmepumpe
Für die Hechinger stellt sich damit die wichtige Frage: Sollen sie sich mittelfristig schon mal nach einer Wärmepumpe umschauen, oder wird die nächsten Jahre eine Wärmeleitung zu ihrem Gebäude verlegt, an die sie sich anschließen lassen können? Genau das will Solites in den nächsten Monaten klären. Dazu wird ermittelt, wie viel Heizenergie Hechingen verbraucht, wo auf welche Art geheizt wird, und wo Potenziale zur Gewinnung erneuerbarer Energien zu finden sein könnten. Im Sommer nächsten Jahres sollen erste, grobe Erkenntnis vorliegen, die dann wieder in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt werden und diskutiert werden können.
Anschluss an Wärmenetz wäre für Bestandsbauten freiwillig
Die Stadt Hechingen werde jedenfalls das ihre dazu beitragen, dass bis 2045 die Umstellung auf erneuerbare Energien klappt, versprach Dorothee Müllges als Erste Beigeordnete der Stadt. Dass das alles sehr teuer wird, ergänzte Stadtwerke-Chef Markus Friesenbichler. Die Stadtwerke könnten so hohe Investitionen nur leisten, wenn klar sei, dass sich das wirtschaftlich rechne. Die Kalkulation sei aber schwer. Einen Anschlusszwang könne es nur für Neubaugebiete geben, wie aktuell etwa am Killberg. Im Bestand müssten Hauseigentümer freiwillig mitmachen. Und das Gasnetz werde auf absehbare Zeit nicht gekappt, versicherte der Stadtwerke-Chef.
Stadtwerke bauen schon mal Stromnetz für Mehrbedarf aus
Klar wurde an diesem Abend, dass es mit einem Fernwärmenetz nicht getan ist, weil auch die durchgeleitete Wärme aus erneuerbaren Energien stammen muss. Was da in Frage kommt, darauf sucht Solites nun Antworten. Wenn sie keine findet, bliebe wohl tatsächlich nur Holz oder mit Strom betriebene Wärmepumpen. Laut Markus Friesenbichler stellen sich die Stadtwerke darauf schon mal ein und investieren jährlich hohe Summen in den Ausbau des städtischen Stromnetzes.