Klaus Kortüm vom Denkmalamt in Stuttgart (links) stellte gestern die Pläne für die Tempelrekonstruktion in Stein vor. Römerchef Gerd Schollian (rechts) sucht nun noch Sponsoren für das Projekt. Foto: Stopper

Im Freilichtmuseum Stein wird eine antike Tempelanlage originalgetreu rekonstruiert.

Hechingen-Stein - Der ganze römische Götterhimmel erhält ein neues zuhause im Freilichtmuseum in Stein. Hier wird in den nächsten Jahren der Tempelbezirk originalgetreu restauriert. Ein spektakuläres Projekt, für das noch Sponsoren gesucht werden.

Staubige Tempelruinen aus der Römerzeit gibt es viele, aber eine Anlage, die genau so aussieht wie zur Römerzeit vor etwa 2000 Jahren – da wird Stein weithin einzigartig sein. Besucher werden sich hineinversetzen können in jene Zeit, als der Himmel noch arbeitsteilig besetzt war mit Göttern, die in Fragen von Krieg, Handel oder Liebesglück einzeln konsultiert und mit Opfern günstig gestimmt werden konnten.

Gestern wurde das Rekonstruktions-Projekt in der Villa in Stein vorgestellt. Vereinschef Gerd Schollian rief in Erinnerung, wie vor etwa 15 Jahren die Mauerreste des Tempelbezirks ausgegraben und eine Anlage freigelegt wurde, die mit ihren fast 1000 Quadratmeter Grundfläche weithaus größer ist als alles, was für Römer-Gutshöfe sonst so normal ist.

"Wir dürfen uns den Villa-Hausherr nicht als Landwirt vorstellen", erklärt Klaus Kortüm vom Stuttgarter Denkmalamt. Wahrscheinlich sei er in Rottenburg eine hochgestellte Persönlichkeit gewesen. Wohlhabende Römer hätten immer über prächtige und repräsentative Wochenend-Landsitze verfügt.

Und Stein muss ziemlich groß und prächtig gewesen sein, das legt der große Tempelbezirk nahe. Zehn Häuschen – von der Größer her vergleichbar mit kleinen Kapellen – standen dort, einge schlossen von einer hohen Mauer mit kleinen Toröffnungen. Jedes Häuschen enthielt eine Steinskulptur des jeweiligen Gottes. Im Zentrum der Anlage stand eine Jupitergigantensäule. Die gibt es auch schon im heutigen Freilichtmuseum. Sie steht frei auf dem Gelände und wird später in die Tempelanlage versetzt.

Eines wird manche Freunde der klassischen Antike verstören: Die Säule wird bunt angemalt, eben genau so, wie sie im alten Rom auch ausgesehen hat. Die Römer mochten es bunt, das zeigen Farbspuren an vielen ausgegrabenen Fundstücken.

Einen Tempelbezirk originalgetreu zu restaurieren, das wird eine Herausforderung. Baupläne haben die Römer nicht hinterlassen, und in Stein wurden nur Mauerreste gefunden. Wie die Tempel als ganze Gebäude aussahen, was für Dächer und Fenster sie hatten – dazu werden erhaltene Bauten in ganz Europa herangezogen. "Es geht uns hier durchaus um Zentimeter", stellt Thomas Schlipp als Grabungschef der Denkmalbehörde klar.

Und nicht zu vergessen: Man darf in Deutschland Gebäude dieser Größe nicht einfach freihändig hochziehen. Da muss die Statik stimmen, und ohne Baugenehmigung geht auch nichts. Schließlich lebt man ja nicht mehr zu Neros Zeiten. Deshalb wurde der Haigerlocher Architekt Stefan Beuter beauftragt, den Bau genau zu planen. "Das wird meine erste römische Tempelanlage", erklärte er gestern freudenstrahlend. Dabei wird er sehr eng mit der Denkmalbehörde zusammenarbeiten.

Nächstes Jahr soll es bereits losgehen. Allerdings gibt es da noch ein kleines Problem, das Römerchef Gerd Schollian noch Sorgen macht: die Finanzierung. Allein schon die Repliken der antiken Statuen dürften pro Stück zwischen sechs- und achttausend Euro kosten. Und zehn Stück werden benötigt. Dazu die Kosten für die Gebäude. "100 000 Euro werden nicht reichen", schätzt Schollian.

Er hofft aber, dass ihm hier wieder Sponsoren aus der Region Hechingen unter die Arme greifen werden, wie das schon bei der Teilrekonstruktion des Villengebäudes der Fall war. "Und natürlich sind uns auch Privatspender willkommen", ergänzt er.

Die Anlage werde immerhin pro Jahr von etwa 20 000 Gästen besucht, darunter fast die Hälfte Kinder. Sie lernen hier anschaulich, welchen Einfluss die Römer auf unsere Kultur hatten, wie sie gelebt und gearbeitet haben, woran sie glaubten. "Wir wollten hier nie nur Grundmauern zeigen", erklärt Schollian, die Vision sei es dagegen gewesen, "dass die Besucher eintauchen können in diese antike Welt".

Mit seinem Enthusiasmus hat er schon viele Mitstreiter angesteckt. Er hofft, dass der Römervirus auch für dieses Projekt wieder viele Helfer anstecken wird.