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Ganzer Ort ist auf den Beinen und bei Trauung dabei. Spektakel findet nur alle vier Jahre statt.

Hechingen-Boll - Lustig, deftig, originell – die Bollemer Zigeunerhochzeit ist definitiv ein Glanzpunkt der Fasnet unterm Zoller. Was sich auf dem rummsvollen Marktplatz am Sonntag abspielte, war einfach der Hammer.

 

Alle vier Jahre geht dieses Spektakel mit seiner bereits 90-jährigen Tradition über die Bühne. Es steckt voller uriger Details. Da ist zum einen die Hochzeit der Braut aus der Roten Sippe mit dem Jüngling der Gelben Sippe, für von den Braut- und Bräutigamsvätern Ronaldo und Ronaldini der Brautpreis ausgehandelt wird. Eine Vierzentnersau oder ein Lamm – da wird hart verhandelt.

Das unglaublich süße Brautpaar war eine echte Augenweide. Die Dialoge saugrob und urkomisch, dafür niemals beleidigend, denn klauen, lügen, saufen und den ganzen Tag faul im Bett liegen sind in den hier versammelten Kreisen völlig ehrenwerte Charakterzüge.

Dazu die Gruppen und Musikkapellen, und vor allem auch die Gratulanten. Ein Bollenhut-Trio der Schnorchelhuaschter mit Tiefgaragensong, die den Bollemern zudem versprachen, dass die Burgseilbahn-Talstation in Boll gebaut wird, die Stettener Aushilfszigeuner, die eine lebende Gans dabei hatten, »Schelle« von Hagenmannhexen, der vom Feiern gezeichnet Schnorchelhuaschter mit Hudelgai-Bätscher verwechselte, und der den Bollern eine Zebrastreifen-Führung anbot, die Zigeunerkapelle der Roten Sippe, deren Sprecher mit den Worten, »jetzt hond scho so viel Leit hier Scheiß verzehlt, da kann ich au noch was saga« die Bühne betrat und die Gelben in die Pfanne haute.

Und das Zigeunertrio zum Abschluss, das mit »I bin an Bollemer Zigeiner« und einer Rockversion des Hohenzollernlieds für Furore sorgte. Hier wurde kräftig mitgesungen. Trotz kühlen Temperaturen war das eine absolut heiße Vorstellung auf der Bühne und im Publikum. Anschließend zog die ganze Truppe samt Zuschauern in die Bollemer Halle, wo noch bis in den Abend deftig weitergefeiert wurde.