Wolf Seigel hat an der Münchner Kunstakademie studiert, arbeitete lange in der Werbung und ist jetzt in Hechingen und hier im Kunstverein angekommen. Drei seiner Zeichnungen sind in der Jahresausstellung im Rathaus zu sehen. Foto: Stopper Foto: Schwarzwälder Bote

Kunstverein: Wolf Seigel ist neues Mitglied im Kunstverein / Zeichnungen im Rathaus

Mit drei zurückhaltenden Zeichnungen ist Wolf Seigel als neues aktives Mitglied des Hechinger Kunstvereins in der Jahresausstellung im Rathaus vertreten. Aber der Neu-Hechinger kann auch anders.

Hechingen. Immerhin war er Schüler von Daniel Spöri an der Münchner Kunstakademie. Und Spöri, ein schillernder Paradiesvogel im Reich der Künste, wurde auch dadurch bekannt, dass er Gegenstände auf Tischen, wo sie lagen, festklebte und das Ganze an die Wand hängte.

Für Wolf Seigel, der seit Kurzem in Hechingen ein einem Häuschen in der Unterstadt lebt, war dieser Mann sprühende Inspiration. Er ist trotzdem wieder zur Malerei zurückgekehrt. Wer sich für seine Arbeiten interessiert: Auf "www.wolf-seigel.de" ist eine Auswahl zu sehen.

Die Jugend hat er in Tübingen verbracht, das Zeichnen war Leidenschaft, und nach dem Zivildienst, den er in der Einzelbetreuung von Behinderten absolvierte – das wird noch wichtig – bewarb er sich an Kunstakademien.

Eine wilde Zeit, in der er auch als Jazz-Bassist unterwegs war

Schmerzhafte Ablehnungen, Beginn einer Schreinerlehre, dann doch Zulassung an der Münchner Akademie. Eine wilde, tolle Zeit, in der er auch noch als Jazz-Bassist unterwegs war.

Nach dem Studium landete er als Grafikdesigner in der Werbung, was ihn als Zeichner begeisterte. Graupner-Modell-Kataloge skibbeln, CD-Cover entwerfen, von Hand am Reißbrett arbeiten, alles toll. Die Karriere führte bis zum Art-Director. Den Siegeszug der Computer ertrug er duldsam, als dann Internet und Web-Design seine Branche umkrempelten, warf er das Handtuch.

"Nur noch am Computer, das war einfach nicht mein Leben", erzählt er. Und so sattelte er auf das um, was er im Zivildienst gelernt hatte: Schwerstbehinderte in Einzelbetreuung versorgen. 48-Stunden-Schicht, dann ein paar Tage frei. "Da hatte ich wieder Zeit zum malen und Musik machen", sagt er.

Dann ging ihm das zunehmend vom Reichtum geprägte München auf die Nerven, wo das Leben ständig teurer, kreative Freiräume ständig enger und jede Einzelinitiative im Rauschen der Großstadt zum Untergang verurteilt war.

In Hechingen erlebt man Resonanz, hier könnte was reifen

Und weil die Familie in Hechingen ein altes Häuschen hat, zog er dorthin. "So viel Platz hatte ich noch nie", sagt er. Und er hat längst begonnen, diesen Raum mit Kunst und Ideen zu füllen. Sein Gefühl: Im überschaubaren Rahmen von Hechingen kann man wachsen, hier erlebt man Resonanz, hier könnte was reifen. Was daraus wird? "Keine Ahnung, einen speziellen Ehrgeiz habe ich nicht, ich schaue einfach, was sich entwickelt", sagt er. Arbeiten wird er wieder in der Behinderten-Intensivpflege, künstlerisch aktiv sein wird er auf jeden Fall, vielleicht auch wieder im Jazz. Wer weiß.

Irgendwie fühlt er sich hier auch in einer Heimat angekommen. Seine Zeichnungen, die er in der Jahresausstellung zeigt, stellen seine Eltern dar, mit denen er während seiner Kindheit und Jugend in Sigmaringen, Rottenburg und Tübingen gelebt hat. Entstanden sind sie in seiner Jugendzeit. "Herkunft" ist ja auch das Motto der Kunstvereins-Jahresausstellung im Hechinger Rathaus, die noch bis einschließlich nächsten Sonntag zu sehen ist.

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