Friedrich Bayer fasziniert die kunstvolle Machart vieler Kalender in seiner Sammlung. Foto: Begemann

Friedrich Bayer hat rund 20.000 Kalender gesammelt. Fortbestand seines Archivs ist noch nicht gesichert.

Hechingen - Würde Friedrich Bayer alle seine Kalender auf eine Waage legen, betrüge ihr Gewicht mindestens zehn Tonnen. Aufhängen kann er das nicht alles – doch seine Sammlung gibt immer wieder neue Themen für das Deutsche Kalendermuseum in Hechingen her. Ohne den 66-jährigen Friedrich Bayer würde es das Deutsche Kalendermuseum, das sich die Räumlichkeiten mit dem Oldtimermuseum Zollernalb teilt, nicht geben.

Seine Leidenschaft für Kalender entdeckte er vor mehr als vier Jahrzehnten eher zufällig. Es waren Fotos der Mondlandung von Neil Armstrong im Jahr 1969, die der Auslöser für seine Begeisterung am Medium Kalender waren. Denn drei Jahre nach dem historischen Weltraumabenteuer landeten Bilder der Mission in einem Zeiss-Kalender mit dem Titel "Von der Erde zum Mond". Bayer erinnert sich noch genau: "Diese Bilder haben mich unglaublich fasziniert. Da sagte ich mir: ›Mensch, du könntest doch Kalender sammeln›." Streichholzschachteln und Bierdeckel gehörten für Bayer seitdem der Vergangenheit an. Heute umfasst seine Kalendersammlung rund 20 000 Exemplare, von denen das älteste aus dem Jahr 1777 stammt. "Ich gehe davon aus, dass es die weltweit größte Kalendersammlung ist", sagt er.

Alte Inserate geben Anlass zum Schmunzeln

Jedes Jahr hängt er einen anderen Teil seiner Sammlung an den Wänden des Oldtimermuseums Zollernalb auf. Da gibt es die auf 1000 Exemplare limitierten Kalender des Aachener Süßwarenherstellers Lambertz von 2004 bis 2014, und welche mit Bleistiftzeichnungen von Sean Connery, Alfred Hitchcock und Heinz Erhardt. In einem Schaukasten hängt ein Kalender aus Jeansstoff und Hosenträgerklammern. Bayer besitzt sowohl ein Exemplar des mit 95,40 Metern längsten Kalenders der Welt, wie auch den breitesten Kalender, der 9,12 Meter misst. Für Bayer sind diese Kalender allesamt Kunstwerke.

Doch es ist nicht die kunstvolle Gestaltung allein, die ihn fasziniert. Er sagt: "Viele Motive sind auch ein Spiegel der Gesellschaft." Einige Inserate, die aus Kalendern aus der Zeit zwischen 1891 und 1926 stammen, geben Anlass zum Schmunzeln. Da heißt es beispielsweise: "Schöner Teint! Keine Sommersprossen, keine Sprödigkeit der Haut, keine Fältchen". In einer anderen Anzeige verspricht die "garantiert unschädliche" Anwendung von "Coelina-Tropfen" einen "üppigen und festen Busen". Bayer meint: "Das menschliche Streben hat sich im Laufe der Jahrzehnte nicht verändert."

Wie aber kommt Bayer an die Kalender aus vergangenen Jahrhunderten? Das Glück, an ein historisch wertvolles Exemplar zu kommen, ist eng mit einer großen Sorge Bayers verknüpft: "Viele Sammler haben das gleiche Problem wie ich. Sie wissen nicht, was sie mit ihrer sorgsam aufgebauten Sammlung anfangen sollen, wenn sie diese nicht mehr weiterführen können." Daher komme es immer wieder vor, dass Bayer ganze Sammlungen von anderen bekommt.

Auch er weiß nicht, was mit seinen 20 000 Kalendern geschehen wird, sollte er sich eines Tages nicht mehr darum kümmern können. "Auch meine Frau macht sich Sorgen um dieses Problem." Daher würde er seine Sammlung am liebsten an einen kommunalen Träger abgeben. Bisher hatte er damit jedoch keinen Erfolg. "Ich habe schon bei mehreren Kommunen angefragt. Es scheitert jedoch entweder am Geld oder fehlendem Platz." Der Gedanke, dass durch einen eventuellen Verlust der Sammlung auch ein Stück Kultur- und Kunstgeschichte verloren gehe, stehe bei vielen nicht im Vordergrund.

Doch noch ist nichts verloren. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Bayer. So lange er kann, macht er sich jedes Jahr Gedanken über neue Ausstellungsthemen. Und bald gibt es etwas zu feiern: Am 14. Juni wird das Deutsche Kalendermuseum fünf Jahre alt.

Das Deutsche Kalendermuseum in der Oberen Mühlstraße kann gemeinsam mit dem Oldtimermuseum Zollernalb besucht werden. Es ist von April bis Oktober samstags, sonn- und feiertags zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Von November bis März ist das Museum nur an Sonn- und Feiertagen zu denselben Zeiten offen. Der Eintritt für die Oldtimer- und die Kalenderausstellung beträgt für Erwachsene fünf Euro, ermäßigt vier Euro. Kinder ab zehn Jahren bezahlen zwei Euro. Wer sich immer wieder die wechselnden Ausstellungen anschauen möchte, kann sich eine Jahreskarte für zehn Euro, ermäßigt für acht Euro kaufen. Kinder bezahlen vier Euro für die Jahreskarte.

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